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Programm · 1911-01-01 · 1911 · p. Seite 8

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Programm
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 8 (sequence 9)
Language
German
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— 8 — kämpfte mit ihm und den lombardischen Städten erbittert um die politische Machtstellung, währenddessen führte als sein Stellvertreter sein schwacher Sohn Konrad die Regierung, ein Kind noch; die deutschen Fürsten hatten ihn, den Neunjährigen, im Jahre 1237 in Wien auf Wunsch des Vaters zum deutschen König und künftigen Kaiser erwählt. So fehlte der starke Arm, als sich die Flut der Mongolen von Ungarn und Polen aus gegen Deutschland ergoß. Weder der ferne Kaiser noch das deutsche Reich als solches hatten Anstalten zur Abwehr getroffen, so daß sie ungehindert in die Grenzlande einfallen konnten und sie in grauenhafter Weise verheerten, bis ihnen Herzog Heinrich der Fromme von Schlesien mit slawischen und deutschen Fürsten seines Gebietes bei Liegnitz entgegenrückte. Nach heldenmütigem Widerstand erlag er der Übermacht. Der Einfall der mongolischen Horden hatte die Volksmassen in Deutschland gegen die Juden gewaltig aufgeregt. Zwischen den Mongolen und ihnen suchte man nach einem Zusammenhang; man glaubte vielfach, jene seien ein Rest der verlorenen zehn Stämme Israels, die jetzt aus ihren Wohnsitzen ausgezogen wären, als Vorläufer der letzten Tage und des jüngsten Gerichts. In der Tat befanden sich im mongolischen Heere jüdische Volksstämme vom Lande Chorasan1), freilich ist mehr als zweifelhaft, ob die westeuropäischen Christen oder Juden es damals wußten. Man beschuldigte die Juden geradezu2), daß sie die Mongolen heimlich mit Waffen und Lebensmitteln unterstützten3). Einen Beweis für diesen Verdacht sahen die Zeitgenossen in der freudigen und erregten Stimmung der Juden, die allgemein auffiel; offenbar hofften diese, durch den Mongoleneinfall von ihrer unterdrückten Lage befreit zu werden. Sie erwarteten in jenen Tagen, wie aus den Werken damaliger jüdischer Schriftsteller hervorgeht, eine allgemeine Umwälzung der Dinge, die baldige Ankunft des Messias, der sie erlösen würde. Als seine Vorboten mochten sie wohl die heranstürmenden Mongolen ansehen. Und worauf gründeten sich diese Hoffnungen? Auf einer chronologischen Zahlenspielerei. Wie die Christenheit im Jahr 1000 das Weltende befürchtet hatte, so mußte das Jahr 5000 der jüdischen Zeitrechnung, das dem Jahre 1240 annähernd entspricht, Außergewöhnliches bringen4). x) Siehe Graetz Band VII S. 100. 2) Siehe H. Breßlau, Juden und Mongolen, in Geigers Zeitschr. für Gesch. der Juden in Beutschi. Band I S. 99—102 und Nachtrag dazu in Band II. Die Juden selbst hielten die in Europa einfallenden Mongolen oder Tartaren für Nachkommen der zehn Stämme (Aronius, Reg. S. 227 Nr. 531). ») Graetz, Gesch. der Juden, Band VII S. 120. *) Breßlau, Zeitschrift für die Gesch. der Juden in Deutschi. 1,102 und H, 382 ff., Zunz, Erlösungsjahre, im Band LEI der gesammelten Schriften S. 227, und zur Geschichte

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