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Programm · 1911-01-01 · 1911 · p. Seite 9

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Programm
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 9 (sequence 10)
Language
German
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Bei der immer mehr wachsenden Erregung gegen die Juden konnte auch ein unbedeutender Vorfall die Leidenschaften gegen sie entfesseln. Am 29. Mai 1241x) kam es in Frankfurt zum offenen Kampf zwischen Christen und Juden. Die Veranlassung dazu steht nicht ganz fest. Nach unserer Hauptquelle, einer christlichen, den Erfurter Annalen2) — die jüdischen Quellen schweigen hierüber — hätte der Sohn eines Juden die Taufe empfangen wollen, sei aber von seinen Eltern und Freunden daran gehindert worden; darüber wäre ein Streit zwischen Juden und Christen ausgebrochen, der schließlich in einen gewaltigen Kampf ausgeartet sei3). Nach einem anderen Bericht dagegen war der Kampf entbrannt an der Weigerung eines wider Willen getauften Judenmädchens, einen angesehenen christlichen Bürger zu heiraten, weil sie bereits die Verlobte eines Juden war4). Über den eigentlichen Verlauf des Gemetzels erfahren wir nur wenig5). Zweimal drang die Menge in das Judenquartier ein, am Abend ruhte der Kampf. Am nächsten Tag ward er mit erneuter Wut fortgesetzt6), Tore und Türen der Judenhäuser wurden mit Äxten eingeschlagen7), sie selbst hingemordet, zum Teil unter Martern, wie dies ausdrücklich die hebräischen Berichte versichern.8) Unter vielerlei Gestalt fanden sie den Tod teils durch das Schwert, teils durch Pfeilschüsse, Steinwürfe, durch^Ertränken9) oder Ver- S. 87 Anm. a. F. Stern bringt nicht mit Unrecht die" Judenschlacht mit diesen Messiaserwartungen in Zusammenhang (Magazin für die Wissenschaft des Judentums XV, 114). x) Über das Datum s. Aronius S. 236 Nr. 529; daselbst auch die umfangreiche Literatur. 2) In Monum. Germ. S. 5 Band XVI, 34. s) Kriegk, Geschichte von Frankfurt am Main S. 128. 4) Breßlau (Hebr. Bibl. 12, 7 Nr. 3) hält diesen Bericht aus dem Grunde für weniger glaubwürdig, weil ein zu großer Gegensatz zwischen beiden trotz der Taufe noch immer bestanden hätte. Dieser Grund erscheint mir nicht stichhaltig. Mit der Annahme der Taufe war damals wenigstens dieser Gegensatz aufgehoben. So hatte nicht allzuviel Jahre nach der Judenschlacht eine getaufte Frankfurter Jüdin Greta einen sehr wohlhabenden Frankfurter Bürger namens Konrad geheiratet. Siehe Lau, Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt, Band I S. 262 Nr. 544. &) Die zahlreiche Literatur über die Judenschlacht 1241 findet sich sorgfältig gesammelt bei Aronius, Regest. S. 227 Nr. 529. Ergänzt wird sie noch durch das Klagelied aus dem Machsor Salonichi Bl. 179 Nr. 49, das von Salfeld im Martyrologium des Nürnberger Memorbuches mit deutscher Übersetzung S. 329 herausgegeben ist. Wir verdanken dem Klagelied manche Einzelheiten des Kampfes. 6) Siehe Salfeld, Martyrol. S. 330. 7) So heißt es daselbst S. 331: „Auch wie Holzhauer mit Äxten stürmten sie herbei mit erhobener Hand, zerbrachen Tür und Tor mit Wutgeheul usw. 8) So von R. Gerson, dem Sohne des Moses. Siehe das hebr. Verzeichnis der Ermordeten aus dem Mainzer Memorbuche, mitgeteilt von Ulimann im Aufsatz von Grotefend, Die Frankfurter Judenschlacht von 1241, in Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Frankfurt a. M. Band VE S. 64 und (verbessert) Horovitz, Rabbinen S. V (deutsch) und Anhang S. 45 (hebräisch). ») So „Der gerechte R. Joseb". Siehe Salfeld, Martyrol. S. 126 und besonders Anm. 1.

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