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Programm · 1911-01-01 · 1911 · p. Seite 4

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Journal
Programm
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 4 (sequence 5)
Language
German
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— 4 — Als der zweite Kreuzzug den Juden am Rhein und Main ein ähnliches Los zu bereiten drohte, eilte Bernhard von Clairveaux nach Deutschland, und in Frankfurt hielt er im Hainer Hof jene zündenden Reden, die den anwesenden Konrad III. zur Teilnahme am Kreuzzug bewegen, zugleich aber die Menge von einer Verfolgung der Juden abhalten sollten. Wir haben zwar keinen Beleg dafür, daß damals Juden in Frankfurt gewohnt haben1), aber wir dürfen dies wohl vermuten, da wir sie wenige Jahre nach seinem Auftreten dort ansässig finden1). Die Lage der Stadt an einem breiten, schiffbaren Strom und am Ausgang oder am Schnittpunkte wichtiger Straßen konnte für den Verkehr erst dann zur gebührenden Geltung kommen, als in ihr neben den bis dahin fast ausschließlich herrschenden ländlichen Betrieben auch der Handel allmählich Boden zu gewinnen anhub, nämlich um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Damals hatten die Kreuzzüge den Orient mit Italien und dadurch mit dem Süden und Westen Deutschlands in Handelsbeziehungen gebracht, und es begann sich in den Städten der Ubergang von der Agrarzur Geldwirtschaft zu vollziehen. Um diese Zeit taucht der Name Frankfurt zum ersten Male in der hebräischen Literatur auf. Rabbi Elieser b. Natan aus Mainz, der etwa um 1150 blühte2), erwähnt ihn an zwei Stellen seines Werkes Eben-ha-Eser. An der einen8) spricht er davon, wie die zur Messe nach Frankfurt ziehenden Juden sich dort durch geeignete Maßnahmen vor der Entweihung der Sabbatruhe bewahren könnten. Auf eine dauernde Anwesenheit von Juden in Frankfurt wäre daraus nicht zu schließen, wohl aber unzweifelhaft aus der zweiten Stelle. Danach befand sich damals eine geringe Anzahl von Juden in Frankfurt und zwar von solchem Wohlstand, daß sie keiner Armenunterstützung bedurften und deshalb auch keine Armenverwaltung hatten4). *) S. dagegen Graetz, Geschichte der Juden Band vn S. 100 Anm. 4; er beruft sioh dabei auf H. B. Auerbach. 2) Über seine Zeit s. die Auseinandersetzungen bei Groß in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 34. Band S. 306. 8) Fol. 71 a. Näheres hierüber bei Grotefend, Die Frankfurter Judenschlacht von 1241 in Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Frankfurt a. M. Band VI S.60. *) Die betreffende, öfters falsch gedeutete Stelle (Fol. 79 c) lautet: „Wer Spenden für die Armen in Aussicht stellt, muß sie an den Ort abführen, an dem er sie versprochen hat, es sei denn, daß eine geordnete Verwaltung an dem Ort des Versprechens noch nicht vorhanden ist. In Orten wie Frankfurt, die einer derartigen Einrichtung ermangeln, heißt es dann weiter, „darf der Spender seine Gaben für die Armen seiner Heimat verwenden". Also zur Zeit des R. Elieser b. Natan entbehrten die in Frankfurt wohnenden Juden noch eines festen Verwaltungsbandes. Arme, Unterstützungsbedürftige gab es zunächst noch nicht unter ihnen, denn es liegt auf der Hand, daß solche sioh nicht gerade in einer für die Juden neu erschlossenen Stadt niederlassen. Auch wenn man Chaber ir anders als Armenverwaltung deutet, bleibt doch das Ergebnis dasselbe.

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