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Programm · 1911-01-01 · 1911 · p. Seite 5

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Journal
Programm
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
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— 5 — Christliche Quellen erwähnen eine dauernde Niederlassung von Juden in Frankfurt erst am Ausgang des zwölften Jahrhunderts. Wir entnehmen aus ihnen, daß die Frankfurter Juden in Beziehungen zu denen Kölns standen. Diese Stadt war damals wohl der größte Handelsplatz Deutschlands und pflegte lebhaften Warenaustausch mit England, Frankreich und Italien. Die dortige Judengemeinde war die älteste Deutschlands. Das Kölner Schreinsbuch aus der Zeit von 1175—1191 berichtet uns, daß ein Goldschmied namens Hermann vom Juden Gottschalk aus Frankfurt die Hälfte von dessen Haus in Köln erworben habe1). Dieser war demnach nach Frankfurt gezogen, vielleicht weil er hier auf leichtere Weise seinen Unterhalt zu finden hoffte. Und daß die Verbindung zwischen den Juden beider Städte auch noch für die Folgezeit nicht unterbrochen war, das beweisen andere Stellen des Schreinsbuches2). Eine dritte Erwähnung von Frankfurter Juden haben wir aus dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts. Sie bezieht sich auf ein sonst nicht bekanntes Ereignis. Wir hören von einer Einkerkerung mehrerer Juden in Frankfurt. Auf die Kunde hiervon begab sich Rabbi Elieser b. Joel-ha-Levi dorthin, und es gelang ihm, die Gefangenen durch ein Lösegeld zu befreien3). Daß um diese Zeit oder nicht viel später die Frankfurter jüdische Gemeinde nicht so unbedeutend an Zahl der Mitglieder gewesen ist, beweist am besten die Tatsache, daß einer der hervorragendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters damals in ihrer Mitte weilte, Rabbi Simon mit dem Beinamen Hadarschan (der Prediger). Er ist der Verfasser des Jalkut, einer Sammlung der im Talmud und in den Midraschen sich findenden agadischen Deutungen der Heiligen Schrift. Auch Sagen, Parabeln, Legenden und Sprüche, die sich an das Schriftwort anlehnen, sind zur Belehrung und zur Erbauung der Leser aufgenommen. Zum Abfassen eines Werkes von solchem Umfange — aus mehr als 50 Werken hatte Simon gesammelt und geschöpft — gehörten viele Jahre ungestörter Ruhe; diese waren wohl Simon in Frankfurt vergönnt,!) Hoeniger, Kölner Schreinsur künden des zwölften Jahrhunderts Band I S. 258 Nr. 7, in Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde. Aronius, Regesten zur Geschichte der Juden im fränkischen und deutschen Reiche S. 149 Nr. 332. 2) Hoeniger und Stern, Judenschreinsbuch S. 15 Nr. 78 und 79; Aronius 1. c. S. 300 Nr. 720 aus den Jahren 1262—1266, und Hoeniger und Stern Nr. 136 und 137 aus den Jahren 1275—1279. 3) S. Groß, Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 34. Band S. 373. Nach einer Notiz von Carmoly soll Rabbi Elieser b. Joel Freitag den 5. Nisar 984 (1224) in Frankfurt gestorben sein (Horovitz, Frankfurter Rabbinen Band I, Vorbemerkungen S. IV).

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