Programm
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- Volume
- 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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…/3089693-3089776--1412-3092335- Visual Library
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Es ist auf den ersten Blick eine auffallende Erscheinung, daß, während Köln, Mainz, Speier, Worms, Würzburg und andere Orte am Rhein und Main und auch an der Donau schon im frühen Mittelalter von Juden besiedelt waren, Frankfurt bis tief in das zwölfte Jahrhundert keine Judengemeinde in seinen Mauern barg1), trotzdem es sich schon unter den Karolingern eines gewissen Rufes erfreute. Am Ende des achten Jahrhunderts sprach man von Frankfurt als von einem viel besuchten Orte2). Manche Reichs Versammlungen wurden dort abgehalten, und 876 ward es geradezu Hauptsitz des ostfränkischen Reiches genannt3). Und wenn auch Frankfurt unter den sächsischen und fränkischen Kaisern an Bedeutung verlor, da sich das Schwergewicht des politischen Lebens damals mehr nach dem Norden Deutschlands verschoben hatte, so wuchs doch die Einwohnerzahl derart, daß bei Beginn der hohenstaufischen Periode der bisherige Raum nicht mehr genügte und die Stadt ihren Mauernkranz um ein Bedeutendes erweitern mußte (erste Stadterweiterung). Aber Frankfurt lag doch abseits von den damaligen Welthandelstraßen; in seinem wirtschaftlichen Leben blieben Ackerbau und Viehzucht noch lange fast allein ausschlaggebend, und die Nachfrage nach gewerblichen Erzeugnissen befriedigten die Handwerker. Durch ihre Tätigkeit hob sich zwar der Warenumsatz, aber nicht der Handel, denn auf dem Markt verkehrten Produzent und Konsument unmittelbar miteinander; jener arbeitete nur für den heimischen Bedarf, nicht aber für die Ausfuhr, so daß für den eigentlichen Handel kein Raum blieb4). So lockte also die Juden, die zur Zeit der sächsischen und fränkischen Herrscher in Deutschland die hauptsächlichsten Träger des Handels waren, nichts an, sich dauernd in Frankfurt niederzulassen. Darum hören wir auch nichts von einer Judenverfolgung daselbst beim Beginn des ersten Kreuzzuges, während ringsherum die Juden abgeschlachtet wurden. ¥. x) Kirchner, Geschichte der Stadt Frankfurt a. Main, S. 61, meint zwar, „daß Juden damals (zur Zeit der Karolinger) hier gehauset, ist aus allgemeinen Gründen als wahrscheinlich anzunehmen", doch bemerkt er selbst, daß er dafür keinen Beweis bringen kann. 2) Kirchner zitiert (1. c. S. 22 Anm. 6) aus Stephanus Baluzius (nicht Balluzius, wie er schreibt), Tom. II S. 763: „consilium divino nutu habitum in loco celebri qui dicitur Francofurdi." Ich habe das Zitat bei Baluzius am angegebenen Ort nicht finden können. «) 1. c. S. 38. 4) S. die Ausführungen bei G. Caro, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und Neuzeit S. 431. 1*