Programm
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- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 10)
- Language
- German
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und Religionsschule fand, gestaltete sich zu geradezu vollendetem Glück , als er einen eigenen Hausstand begründen konnte. In dem feinsinnig-behaglichen Heim trafen sich neben Kollegen zahlreiche Freunde zu geistig angeregtem Verkehr; zu ihnen gehörte u. a. Ed. Lasker, den die gleiche Begeisterung für ein einiges; deutsches Vaterland und die gleichen Ideen über die Grundlagen des Rechts und der Freiheit, auf denen es errichtet werden müsse, mit Baerwald verbanden. Bei einer dieser Zusammenkünfte im Mai 1867 wurde, wie uns Baerwald in der Geschichte des Philanthropins anschaulich schildert, der schmerzvolle Verlust besprochen, der das moderne Judentum und insbesondere unsere Anstalt durch das frühe Hinscheiden Sigismund Sterns betroffen, und die Frage der Nachfolge in der Leitung des Philanthropins erörtert. Lasker vertrat die Meinung, dass Baerwald für diese Stellung die geeignetste Persönlichkeit sei, und übernahm es , die Angelegenheit an zuständiger Stelle anzuregen. In einem warmen Schreiben schilderte der hervorragende Parlamentarier — durch Vermittlung Berthold Auerbachs — dem Schulrat die wissenschaftliche Bedeutung und den trefflichen Charakter seines Freundes; der Brief hatte zunächst die Wirkung, dass der Schulrat seinen bisr herigen Präsidenten Jos. Rütten, der gerade eine Reise nach Berlin unternahm, beauftragte, mit- Baerwald in persönliche Verbindung zu treten. Die damals geschlossene Bekanntschaft gestaltete sich bald zu einem innigen Freundesbunde zwischen den beiden gleichgestimmten Männern, der durch ein Jahrzehnt, bis zum Hinscheiden des um unsere Schule hochverdienten Mannes, sie eng an einander kettete. Nachdem dann Baerwald in der Weihnachtszeit 1867 noch hier zu persönlicher Vorstellung erschienen und Einblick in die Verhältnisse der Schule genommen, kamen im Mai 1868 die Wahl Verhandlungen zum Abschluss. Der staatlichen Bestätigung ■ hatte ein colloquium vor dem Berliner Provinzialschulkollegium vorzugehen; gegen Ende desselben legte ihm, so berichtet Baerwald, der Oberpräsident von Jagow die Schwierigkeiten dar, die er als preussischer Direktor in der alten, erst vor kurzem in. den preussischen Staatsverband aufgenommenen Reichsstadt finden würde, und richtete an ihn die Frage, wie er diesen Schwierigkeiten begegnen, was er zur Erlangung des unerlässlichen guten Willens und der freudigen -Mitarbeit der Lehrer, zur Behauptung seiner Autorität tun würde? „Primum incipere a se ipso" — „Zuerst bei mir selbst anfangen!" „Ich werde mich selbst in Zucht nehmen und jederzeit meine Pflicht und Schuldigkeit tun. Ich habe früh aus innerer Neigung den Lehrberuf ergriffen, ich liebe meine Schüler, mir ist jede Unterrichtsstunde eine Stunde der Weihe, des Gebens und Empfangens. Mich erfüllt jede Lehrerpersönlichkeit mit hoher Achtung. Von denen, die ich dort im Lehrerkollegium als solche erkenne, werde ich lernen, mit ihnen werde ich mich verbinden, allen aber möchte ich ein Beispiel werden treuer Pflichterfüllung. Ich bin entschlossen, mit aller Kraft und mit Einsetzung meiner ganzen Persönlickeit der Schule zu dienen. So hoffe ich, nach und nach aller Schwierigkeiten Herr-zu werden!" Wo solch ernster Wille, solche Selbstzucht und solche Begeisterung herrschen, da muss bald reicher Segen der Arbeit Lohn sein, und sc* ist die mehr als 30jährige Tätigkeit Baerwalds für die Schule eine fortdauernde