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Programm · 1907-01-01 · 1907 · p. Seite 8

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Journal
Programm
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 8 (sequence 9)
Language
German
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Friedr. Stumpf, brachte Baerwald den Winter 1856~: 1857 in Wien zu; bald eröffnete sich ihm auch die Aussicht, die recht beschränkten äusseren Verhältnisse, unter denen er hier lebte, besser zu gestalten und auch seinen lebhaften Wunsch nach einer Lehrtätigkeit erfüllt zu sehen : Der preussische Konsul in Wien, Moritz Ritter von Goldschmidt, bot ihm die Stellung eines Erziehers seiner Kinder an. Länger als zwei Jahre hat Baerwald in dem allen idealen Bestrebungen zugänglichen Hause zugebracht; er hatte die Freude, seine Schüler nachhaltig zu fördern, und immerdar sind sie ihm in dankbarer Verehrung zugetan geblieben! Seine Stellung Hess ihm noch hinlänglich Müsse zur Fortsetzung seiner historischen Studien; zwei bedeutsame Vorarbeiten für die wissenschaftliche Aufgabe, die er sich gestellt hatte, sind während dieser Zeit erschienen; sein wissenschaftliches Hauptwerk, die Herausgabe und Erläuterung des sogenannten Baumgartenberger Formelbuchs, einer Mustersammlung von Urkundenformeln und Briefen aus der Zeit Rudolphs von Habsburg, konnte erst einige Jahre später, 1866, zum Druck gebracht'werden und wurde sogleich in wissenschaftlichen Kreisen gebührend als eine der bedeutsamsten geschichtlichen Publikationen bewertet;- auf Antrag des Präsidenten der -Kaiserl. Akademie der Wissenschaften wurde dem jungen Gelehrten eine ungewöhnliche Auszeichnung, die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft, vom* österreichischen Kaiser für diese Veröffentlichung zuerkannt. Trotz der angenehmen Stellung, in der er sich befand, trotz der engen Beziehungen zu gl eich streb enden Genossen blieb die Sehnsucht Baerwalds nach Heimat und .Elternhaus ungestillt; mit Freuden ergriff er die erste Gelegenheit, die sich ihm zur Rückkehr ins Vaterland bot, wenngleich die in Aussicht stehende Stellung namentlich in der äusseren Form wenig den Ansprüchen, die er stellen durfte, entsprach; reichlich entschädigte ihn für diese mangelnde äussere Bewertung, die Aussicht, endlich einmal schulgemässen Unterricht zu erteilen! In Berlin hatte nämlich der Rektor der Gern ein deknabenscbule Horwitz 1859 die Begründung der noch jetzt bestehenden jüdischen Lehrerbildungsanstalt erwirkt; auf Anraten einiger Berliner Freunde bewarb sich Baerwald um eine Lehrerstelle an der Anstalt und erhielt sie sogleich; um sein Einkommen wenigstens einigermassen auskömmlich zu gestalten, wurde er. daneben von der jüdischen Gemeindeverwaltung zum ersten Lehrer an der Religionsschule der Gemeinde und Vertreter des Leiters der Anstalt ernannt. Bald erwarb sich Baerwald in dem Lehrkörper der Anstalt eine hervorragende Stellung; mit seinem reichen, vielseitigen Wissen, dem feinen pädagogischen Takt, seiner vorbildlichen Lehrerpersönlichkeit half er die neue Anstalt in die rechte Bahn leiten und das aus den verschiedensten Gegenden und' verschiedenartigsten Verhältnissen stammende Schülermaterial zu. ernster Arbeit für das gemeinsame Ziel anspornen. — Ebenso übte er als Religionslehrer, vor allem durch seine sittlich-ernste Lebensauffassung, einen nachhaltigen Einfluss auf die Jugend der Gemeinde, und noch viele, viele Jahre nach Absehluss dieser seiner Tätigkeit blieben Männern und Frauen die weihevollen Religionsstunden, die sie in ihrer Jugend von ihm empfangen, in lebendigster Erinnerung. Die Befriedigung, die Baerwald in diesem eifrigen Wirken in Seminar

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