Programm
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- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 58)
- Language
- German
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I — 11 — Pflicht gemacht, die lediglieh durch die Jahrhunderte geheiligt sind, die ihren "Wort für die wahre Gottrserkenntnis und die rein«».Sittlichkeit aber längst cingebüsst haben. Andererseits haben sie ihre Zöglinge in die Pflichten eingeweiht, die für den Menschen, der Gott erkannt hat, erwachsen, und die' jeder, auch der Ärmste nnd Geringste, erfüllen kann — das ganze Leben in den Dienst der Ideale zu stellen, nach sittlicher Volikonnnenheitj nach Heiligkeit zu streben: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, Euer Gott!K In ihrem Unterricht haben sie den Schülern gezeigt, dass an diesem idealen Hingen und Streben. Religion nnd wahre Wissenschaft teilnehmen, dass bei solcher Auffassung der angeblich unüberbrückbare Gegensatz zwischen religiöser und wissensclniftliclier Weltanschauung nicht besteht: hier haben sie ihre Schüler mit der Mission vertraut gemacht, die Gotteserkenntnis, die ihnen als köstliches Erbe von den Ahnen überkommen ist. in unerschütterlicher Treue zu bewahren und dem künftigen Geschlecht zu überliefern, damit einst die-gesamte Menschheit mit diesem Segen beglückt werde und geeint sei in den Grundwahrheiten der Einheit Gottes und des Menschengeschlechts und in den sittlichen Prineipien; hier haben sie ihre Zöglinge mit der hoffnungsreichen Zuversicht erfüllt, dass sich diese Einigung vollziehen wird, dass sich schon „immer deutlicher eine Annäherung an die Ziele, die dem Judentum auf seiner geschichtlichen Bahn zu allen Zeiten vorgeschwebt haben — trotz zeitweiliger Rückschritte — vollzieht." Eine gleiche Ausgestaltung und Vertiefung wie die religiösen erfuhren im Laufe der Zeit die politischen Ideen 5 die Anschauung von Vaterland und den Pflichten und Rechten der Bürger des Staates tritt in der Schule vor allem, wie erwähnt, im Geschiehts- und deutschen Unterricht zu Tage. Zu welcher Auffassung von Heimat und Vaterland mnssten die Begründer der Anstalt, wenn sie einen Blick in d'ie Vergangenheit, warfen,-gelangen? Als Fremde, von der europäischen Kultur abgeschlossene Nation hatten ihre Glaubensgenossen Jahrhunderte hindurch in Deutschland geweilt. Religionshass, Verfolgung und Verhöhnung hatten in ihnen das Bewusstsein von der Zugehörigkeit zum Vaterland, das Heimatsgefühl, das in der ersten Hälfte des Mittelalters mächtig in ihrer Brust gewogt, schwinden lassen. Da erschien die Sonne der Aufklärung am Horizont der Welt; sie drang bei ihrem Zcnitlistand auch in die eng aneinander gedrängten, dumpfen Häuser des Ghetto und brachte seinen geknechteten, von Druck und Elend, gekrümmten Bewohnern die Frühlinirshoffnunir einer neuen. u'Ii Ick lieberen Zeit. ■ m *- «- ■ «■ Mit lautem Jubel vernahmen sie das Wort von der wesentlichen Gleichheit der menschlichen .Natur, von den Zufälligkeiten der historischen Bildungen, die abgestreift werden müssen, damit das Wirkliche, Natürliche und Vernünftig«? zur friedlichen Herrschaft gelangen könne. Zu diesen Zufälligkeiten gehören nach dem Ausspruch der Wortführer der neuen Bewegung auch die nationalen Unterschiede: die fortschreitende Bildung setzt, an ihre .Stelle die kosmopolitische Idee, die sich nun bis zu der gewaltigen Erhebung des deutschen Geistes in den Freiheitskriegen allerorten behauptet, in diesen* 'Gedankenkreis treten die durch, das Ghetto bisher Zurückgedrängten aus der engen Schranke sofort in ein -Weltl>ürgertnnu dessen einziges Interesse eine vernünftige Regierung ist. «.las kein Verständnis besitztfür den nationalen Staat, die nationale Einheit, das Nationaigcfühl. Zu diesem Weltbürgertum, denr übrigens damals alle Bevölkerungsschichten, nicht bloss die Juden, anhingen, wird die Jugend in dem neubegründeten Philanthropin wie auch in .den übrigen Schulen herangebildet: niemand empfindet die Schmach, die dem deutschen Namen grade tun di«.\se Zeit angetan wird, in begeisterten Worten begrüssen Gruner von der Musterschule wie Geiseuheimer und H«.'ss vom Philanthropin die nene Zeit des freien Menschentums, des tatkräftigen Idealismus, nicht genug können sie den Fürstprimas von Dalberg preisen, dessen „heiliger Wandel" „der Leitfaden'' sein soll, nach dem sie ihr Wirken richten wollen_ Und doch tritt noch während der napoleonischen Aeraein Umschwung in diesen Anschauungen ein. Die hehren Schöpfungen der deutschen Geisteshelden, mögen diese selbst auch von -kosmopolitischen Ideen erfüllt sein, schaffen einen neuen Boden für deutsche Bildung, aus der sieb als herrliche Frucht der nationale Gedanke erhebt. Wie für alle Schulen gibt er auch für das Philanthropin fortab die Grundlage der Erziehung: Eine deutsche Schule zu sein, bleibt allezeit unserer Anstalt Stolz; deutsche Bildung,deutsche Gesittung «a pflogen ihr oberstes Ziel. Die grossen Gestalten, die bedeutenden Begebenheiten der deutschen Vorzeit machen die Schüler mit. den historischen Grundlagen des Staates, dessen Bürger sie später worden sollten, bekannt; aus den Werken