Programm
- Journal
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- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 24)
- Language
- German
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Zu. reichem Segen hat auch Frl. Emma Meier, die uns, noch nicht 50 Jahre alt, durch den Tod entrissen wurde, gewirkt. In unserer Schule hatte Erl. Meier in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ihre Vorbildung empfangen, zu ihr kehrte sie nach trefflich abgelegter Lehrerinnenprüfung arbeitsfroh und schaffensfreudig zurück und konnte hier neben ihrer Schwester durch 24 Jahre die reichen Gaben des Geistes und Wissens, die ihr eigen waren, zum Wohle der Jugend verwerten. Namentlich den Kleinen, die ihrer besonderen Obhut anvertraut waren, war Frl. Meier nicht nur die Lehrerin, die" das Wissen der Kinder mehrte und die kindlichen Kräfte zur Entfaltung brachte — sie erblickte mit Kecht ihre Hauptaufgabe in der erziehlichen Tätigkeit, in der Gewöhnung der Kinder zum Rechttun, zur Uebung alles Guten und Edlen. Ihre verdienstvolle Wirksamkeit wie das herzliche Interesse, das sie allen Schülerinnen ent-* gegenbrachte, erweckte in diesen eine dankbare und innige Verehrung für die geliebte Lehrerin, die sich bei den Kleinen in oft rührender Form äusserte und bei den längst der Schule entwachsenen früheren Zöglingen in einer innigen u'nd herzlichen Anhänglichkeit zum Ausdruck gelangte. Leider trug »Frl. Meier schon lange Zeit den Keim eines schweren Leidens in sich; bei ihrem tiefen Pflichtgefühl, ihrer Liebe zu den Kleinen und ihrer Anhänglichkeit an die Schule harrte sie aber aus, so lange es ihre Kräfte irgend zuliessen. Nach einer längeren Unterbrechung im vergangenen Schuljahr versuchte sie noch einmal bei Beginn des gegenwärtigen die so gern geübte Tätigkeit aufzunehmen, erneut auftretende Schmerzen warfen sie indes bald auf das Krankenlager, von dem sie erst nach langen qualvollen Leiden der Tod befreite. Am Tage der Beisetzung der dahingeschiedenen Kollegin blieb die Schule geschlossen; an ihrem Grabe widmete der Direktor der Früh vollendeten Worte des Dankes und das Gelöbnis treuen Andenkens. An der Stätte ihres langjährigen Wirkens fand kurz nach der Beisetzung eine Trauerfeier für die heimgegangene Lehierin statt, bei der Herr Oberlehrer Dr. Cohn den Schülerinnen in warm empfundenen Worten ein Bild von der Persönlichkeit und dem segensvollen Wirken der Dahingeschiedenen entwarf. Trauergesänge des Schülerchors eröffneten und schlössen die Gedenkfeier. Am 25. November war ein Jahr dahingegangen, seitdem Hermann Dobriner in der Vollkraft seiner Jahre uns durch einen plötzlichen Tod genommen worden war. An seinem Grabe vereinigten sich an diesem Tage mit den Hinterbliebenen und Freunden die Mitglieder des Lehrerkollegiums und zahlreiche gegenwärtige und ehemalige Zöglinge zu einer Gedenkfeier und zur Weihe des Grabmals, das Dankbarkeit und Freundschaft dem Dahingeschiedenen gewidmet hatte. Nach dem Gesang, des Schülerchors entwarf der College und Freund -Dobriners, Prof. Dr. Kracauer, ein lebensvolles Bild von dem Wesen und Wirken des Frühvöllendeten, darauf legte der Direktor am Grabmal namens des Schulrats, des Lehrerkollegiums und der Zöglinge einen Kranz nieder. Mit einem Schlusschor endete die stimmungsvolle Feier. Das Denkmal, entworfen von dem hiesigen Architekten, Privatdocent an der technischen Hochschule zu Darmstadt, Dr. Julius Hülsen, und ausgeführt von der Firma S. Hollaender, stellt sich als ein emporstrebendes, ..gedrungenes Gehäuse von rechteckigem Querschnitte dar, dessen Rückwand geschlossen ist. Durch mehrfache geringe Abtreppung der schlichten Masse ist eine monumentale Wirkung angestrebt, die nöch durch zwei den dachartigen Denkstein stützende romanisierende 'Zwergsäulen aus