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Programm · 1903-01-01 · 1903 · p. Seite 25

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Journal
Programm
Volume
1903
Date
1903-01-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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— 25 Bei Beginn des Schuljahrs hat Herr Dr. Adolf Brüll den ihm gewährten Urlaub angetreten, nach dessen Ablauf der langjährige Eeligionslehrer unserer Anstalt in den Ruhestand treten wird. Dr. Adolf Brüll ist am 27. April 1846 zu Kojetein in Mähren geboren; er entstammt einer berühmten Gelehrtenfamilie, in welch3r die Wissenschaft des Judentums traditionell, eifrige Pflege;fand. Sein Vater, der das Amt des Rabbiners zu Kojetein bekleidete, hat sich namentlich durch seine Forschungen zur Mischna einen geachteten Namen in der wissenschaftlichen Welt erworben; sein Bruder, der ehemalige Rabbiner zu Frankfurt a. M., Dr. Nehemias Brüll, gehört zu den hervorragendsten Vertretern der Wissenschaft des Judentums im letzten Jahrhundert. Adolf Brüll besuchte das academische Gymnasium zu Wien, widmete sich alsdann auf der Universität Breslau philosophischen Studien und war gleichzeitig ordentlicher Hörer an dem Breslauer jüdischtheologischen Seminar; auf Grund seiner Dissertation „Fremdsprachliche Redensarten und ausdrücklich als fremdsprachlich bezeichnete Wörter in den Talmiden und Midraschini" promovierte er am 20. Februar 1869 in Jena,.am 15. Juni 1869 erwarb er sich das Rabbinatsdiplom. Mit regem Eifer beteiligte sich der junge Gelehrte sodann an den von seinem Bruder herausgegebenen Jahrbüchern für jüdische Geschichte und Litteratur und zeigte sich dabei als tüchtig vorgebildeter Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Altertumskunde und der Sprachwissenschaft. Michaelis 1871 trat er als Hilfslehrer in unsere Schule ein, wurde Ostern 1873 zum ausserordentlichen Lehrer ernannt und 1876 als ordentlicher Lehrer für den hebräischen und Religionsunterricht an der Real- und Mädchenschule an- . gestellt. Als Ergebnis seiner planvoll fortgesetzten wissenschaftlichen Tätigkeit hat er eine Reihe von Schriften, namentlich über die Geschichte und Litteratur der Samaritaner, veröffentlicht.*) Als Schriftleiter der „Populär-wissenschaftlichen Mbnatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen" versucht Dr. Brüll seit nun 23 Jahren für die fortschrittliche Richtung innerhalb des Judentums und die Verbrüderung aller Menschen im Geiste der Humanität und Erkenntnis zu wirken. Möge es ihm beschieden sein, die Erfolge dieser seiner Tätigkeit.in reichem Masse zu schauen! Den eben genannten Mitgliedern des Kollegiums war es vergönnt, nach einer vieljährigen Tätigkeit von der Anstalt zu scheiden, um die weiteren Jahre ihres Lebens in wohlverdienter Ruhe oder wissenschaftlicher Beschäftigung zu verbringen: Hermann Do- > briner wurde uns jäh und unvermittelt, mitten in segensvoller Tätigkeit, in der Yollkraft seiner Jahre genommen! Dr. Hermann Dobriner wurde am 5. November 1857 zu Schmaleningken in Ostpreussen geboren; er besuchte von Ostern 1867 ab das Realgymnasium auf der Burg zu Königsberg i. Pr. und studierte daselbst Michaelis 1875 bis Ostern 1880 Mathematik und *) Trachten der Juden im nachbiblischen Altertum. Ein Beitrag zur allgemeinen Kostümkunde. Frankfurt a. M. 1873; Das samaritanisehe Targumi zum Pentateuch. ibid. 1875; Kritische Studien über Manuseript-Fragmente des samaritanischen Targums zu Oxford, ibid. 1875; Zur Geschichte und Litteratur der Samaritaner. Prgr. des Phüanthropins 1876. Beiträge zur Kenntnis der jüdischdeutschen Litteratur. Frankf. 1877; Dr. David Einhorn und seine Bedeutung für das Judentum, ibid. 1882; ausserdem zahlreiche Beiträge in den „Populär-wissenschaftlichen Monatsblättern" (Bd. 1—23), der „Allgemeinen deutschen Biographie" und der„The Jewish Encyelopedia".

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