Programm
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- Volume
- 1902
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 6)
- Language
- German
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später als Messen internationale Geltung erlangten, hatten für die mittelalterlichen Verhältnisse eine hervorragende Bedeutung. Durch sie würde das Princip. der Selbstversorgung durchbrochen und' die heimischen Handwerker einer fremden Konkurrenz ausgesetzt, welche auf das-stadtische Gewerbe befruchtend einwirken musste; und überdies war der Jahrmarkt die Einrichtung, welche die Stadt mit solchen Gegenständen versorgte, die von den städtischen Handwerkern nicht hergestellt wurden. Die Städte waren auch sehr bemüht, zu ihren Märkten zahlreiche Marktfahrer heranzuziehen, indem sie ihnen besonderen Schutz gewährten; daher die Einrichtung des Marktfriedens, der sich auf den Hin- und Rückweg und den ganzen Marktort erstreckte -und die Wirkung hatte, dass Schädigungen, die den Marktleuten an Leib und Gut zugefügt wurden, als qualificierte Friedensbrüche mit doppelter Strafe bedroht wurden.1) Anderseits aber herrscht noch immer Misstrauen gegen den Marktfahrer; man befürchtet, dass er die heimischen Käufer übervorteilen könne. Die Marktbesucher müssen sich einer Reihe von Verfügungen der städtischen Behörden fügen, sie müssen sich insbesondere bei Geschäftsabschlüssen öffentlich bestellter Unterhändler bedienen, und über Preise und Beschaffenheit der Waren wird von besonderen" Kontrollorganen strenge Aufsicht ausgeübt. Die Marktfahrer, die auf den Jahrmärkten erschienen, waren vorwiegend Producenten, Gewerbetreibende also, welche eigene Erzeugnisse feilboten. Der eigentliche Händler spielte auch hier eine nur untergeordnete Rolle,, weil die Städte, bemüht, jedes preisverteuernde Zwischenglied auszuschalten, den unmittelbaren Verkehr begünstigten oder geradezu geboten. Was nun unter dem mittelalterlichen Wirtschaftssystem an Handel vorhanden* war, beschränkt sich auf die geringe Anzahl von Warengruppen, die nicht überall im deutschen Lande oder dort überhaupt nicht hergestellt wurden: auf Kolonialwaren, Pelzwerk und überdies gewisse gewerbliche Rohstoffe, wie Eisen und andere Metalle.2) Ihren Absatz an die Konsumenten und Handwerker besorgte der lokale Detailhandel, ihren Bezug aus den Produktionsstätten der Grosshandel. Den mittelalterlichen wirtschaftlichen Zuständen entsprechend unterlag der Handel den mannigfachsten Beschränkungen;. wie die Handwerker, gaben sich auch die Kaufleute eine zünftlerische Organisation, in der Absicht, das Eindringen neuer Elemente in ihren Berufsstand, zu verhindern. Die Grosshändler schlössen sich zu Gilden zusammen und verkauften lediglich en gros, soweit sie nicht, wie es manchmal der Fall war, daneben-auch die „Einzelungsgerechtigkeit", d. h. das Monopol zum Verkauf en detail inne hatten. Der Handel im Kleinen bildete das Privileg der Krämer, welche sich ebenfalls zu Zünften zusammenschlössen. Durch die Stadtbehörden wurden nun die Grenzen zwischen Gross- und Kleinhandel minutiös festgelegt. „Für jede Warengattung wurde nach Mass oder Gewicht " die Grenze bestimmt oder wo dies nicht anging, ein bestimmter Wert als Minimum des Verkaufes en gros festgesetzt. Ebenso genau wird das Gebiet, des Handels dem Handwerke gegenüber abgegrenzt, indem diesem unter Ausschluss des Handels das Verkaufsrecht auf seine Erzeugnisse vorbehalten blieb/13) 2) Bücher a. a. 0. 139. 2) Borgiiis a. a. 0. S. 43. 3) Borgitis a. a. 0. S. 45. -