Programm
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- Volume
- 1902
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 5)
- Language
- German
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…/3089693-3089768--0718-3091632- Visual Library
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— 6 — duction der notwendigen /Nahrungsmittel und Rohstoffe hatte die Stadt aber wenig Raum; diese inussten daher aussdem benachbarten ländlichen Gebiete bezogen werden, und es traten Stadt und Land in einen regelmässigen Austausch, bei welchem die Stadt Handwerksprodukte und das Land Erzeugnisse, von Grund und Boden lieferte. Um nun diesen Austausch, welcher zu einer Lebensfrage der städtischen Bevölkerung sich gestaltete, vor allen Zufälligkeiten sicherzustellen, und um ihn in jene Bahnen zu lenken, durch welche das Interesse der städtischen Konsumenten am meisten gefördert wurde, schuf man, an Einrichtungen aus früheren Zeiten anknüpfend, die mittelalterlichen Märkte. Man bezeichnet mit „Markt" eine Veranstaltung, durch welche periodisch Kauf und Verkauf an einem Orte konzentriert werden.1) Sie rinden sich schon auf primitivsten Wirtschaftsstiifen vor, und entspringen einer, die gesamte Handelsentwicklung beherrschenden Tendenz, an günstig gelegenen Orten einer Vielheit von Käufern eine Vielheit von Verkäufern gegenüberzustellen. Der phönikische Händler, der auf seinen Fahrten die Waren am Strande des Meeres zur Schau stellte, um die Eingeborenen zur Besichtigung und zum Tausche anzulocken, hat im gewissen Sinne einen Markt hervorgerufen. Aber in welcher Form! Auf der einen Seite der konkurrenzlose, geschäftskundige Händler, auf der anderen die konkurrierende Menge, die ein williges Objekt der Ausbeutung bot. Das ändert sirh aber bald. Der Erwerbssinn führt zahlreiche andere Händler herbei, der-Konkurrenz der Käufer steht nun auch jene der Verkäufer gegenüber und beide Parteien vermögen nun ihr Interesse bei der Feststellung der Preise durchzusetzen; und anderseits ist durch die bewirkte Verkehrs-Konzentration die Möglichkeit geschaffen, Vorrat und Bedarf zu über-, sehen und die Grundlage für eine den ökonomischen Verhältnissen des Angebots und der Nachfrage angepasste Preisbildung zu gewinnen. .Schöpfungen früherer Zeiten, wurden nun die Märkte von den aufblühenden Städten übernommen und dem gesteigerten Austauschbedürfnis'se entsprechend weitergebildet.. Sie wurden insbesondere als Werkzeuge der städtischen Wirtschaftspolitik den mannigfachsten Zwangsbestimmungen im Interesse der Wohlfahrt der Stadtbewohner unterworfen. Der im Nachbargebiete ansässige Bauer ist verpflichtet, an bestimmten Markttagen seine Produkte zum Verkaufe auf den städtischen Fruchttnärkt zu bringen, der städtische Handwerker, die seinen täglich an bestimmten Verkaufsstätten — den Scharren oder Bänken — feilzuhalten.2) Der gesamte Verkehr vollzog sich öffentlich und er vollzog sich ohne kaufmännische Vermittlung, da die Producenteh das Alleinrecht zum Verkaufe ihrer Erzeugnisse besassen. Aber die städtische Wirtschaftspolitik erstrebte noch die Verwirklichung eines zweiten Grundsatzes: Alles, was Bürger und Bauern an gewerblichen Produkten brauchen, soll möglichst in der Stadt selbst produciert werden.3) Der städtische Handwerker hatte das Monopol auf den städtischen Markt, der Konsument war demnach verpflichtet, seinen Bedarf bei ihm zu decken. Fremde Produkte wurden nur. auf den Jahrmärkten, also nur ein- oder zweimal im Jahre zugelassen; und diese Jahrmärkte, von denen manche x) Kathgen: Art. Märkte und Messen im Wörterbuche der Volkswirtschaft von Elster; -) Borgius, Wandlungen im modernen Detailh. Brauns Archiv für sociale Gesetzgebung und Statistik. Berlin 1899, S. 43. 3) Fuchs,- Volkswirtschaft. Leipzig 1900. S. 42.