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Programm · 1902-01-01 · 1902 · p. Seite 5

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Journal
Programm
Volume
1902
Date
1902-01-01
Page
Seite 5 (sequence 4)
Language
German
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wiesener Völker, diese Gegenstände vom Orte der Produktion an den Ort des Verbrauches zu bringen. Aller Handel ist somit ursprünglich eine Thätigkeit nach der Ferne; er führt Angehörige fremder Stämme und Völker zusammen, insbesondere Yölker entwickelter Kultur mit solchen auf niederen Kulturstufen; und darauf beruht die civilisatorische Bedeutung des Handels. Er verbreitet Güter unter den Menschen, er weckt Bedürfnisse, er regt aber die Menschen auch an, diese Bedürfnisse durch eigene Arbeit zu befriedigen,, er gibt einen Anstoss zur Entfaltung des Geistes und zum Schaffen auf allen Gebieten menschlichen Könnens und "Wissens. In seinen letzten Wirkungen ist der Handel ein mächtiger Faktor friedlicher Annäherung und Verbindung, wenn auch die Anfänge der Handelsbeziehungen mit kriegerischen Unternehmungen eng verknüpft sind. Dem stammesfremden Händler'begegnet man mit Misstrauen, und er muss oft mit List und Gewalt den Zutritt erzwingen; anderseits bieten aber die Waren des Händlers reiche Beute und er hat sich daher gegen Angriffe zu rüsten, welche ihm im fremden Lande drohen. Diese Umstände prägen dem Handel , der ältesten Zeiten den ihm eigentümlichen kriegerischen Charakter auf und durch sie wird auch die Form seiner Organisation bestimmt. Um Widerstand und Angriffe zu bewältigen, schliessen sich die stammverwandten Kaufleute zu Gemeinschaften zusammen, zu Lande zu Karawanen, zu Wasser zu Admiralschaften. Der Händler ist zugleich Krieger, . er gilt für einen kühnen Mann, und der Handel für eine Beschäftigung der Vornehmsten und Keichsten. „Bei den ältesten Völkern, die wir kennen, und heute noch bei primitiven Rassen, sind die Häuptlinge und Fürsten im Besitze des Handelsverkehrs'-.1) Nicht blos aber, weil Mut und abenteuerlicher Sinn zum ältesten Handel gehörte. Diesen konnten viel mehr nur die Vornehmen betreiben, weil nur sie die Mittel hatten, die notwendigen Waren zu erlangen, und weil nur ihnen Schiffe und andere Beförderungsmittel und zur Bewachung der Transporte zahlreiche Sklaven zur Verfügung standen. Ebenso wie der Kreis der Personen ist auch der Kreis der dem Handel unterworfenen Objekte ein eng begrenzter. Für Waren von hohem Werte gelangten in den Verkehr, weil nur sie eine Preiserhöhung zuliessen, welche die'Beschwerden und Gefahren der Transporte aufwiegen konnte. Schmuekgegenstände, Waffen, feine Stoffe sowie Sklaven beherrschen durch lange Zeit den Handelsverkehr, während Gegenstände des täglichen Bedarfs im allgemeinen, ausgeschlossen waren; aus diesem Grunde vermochte der Handel auch nicht das wirtschaftliche Leben nachhaltig zu beeinflussen; dieses vollzog sich vielmehr nach dem Grundsatze, den eigenen Bedarf durch Selbstproduktion zu decken und nur in Ausnahmefällen dem Handel in die geschlossene Hauswirtschaft Eingang zu gewähren. Die Auflösung des engen," hauswirtschaftlichen Verbandes wurde bei den abendländischen Völkern im Mittelalter durch die Entwicklung der Städte angebahnt. Innerhalb derselben gelangte die auf Verarbeitung der Rohstoffe gerichtete gewerbliche Thätigkeit zur selbständigen Entfaltung, der Bürgerstand wird der Träger dieses Gewerbes und bildet als der Standder Handwerker den Kern der städtischen Bevölkerung^ überdies werden die Städte Sitz glänzender Hofhaltungen, um welche sich der Adel scharte. Für die Pro- . x) Schmoller, Die Tliatsachen der Arbeitsteilung. Jahrb. für Gesetzg., Verw. u. Volksw. Leipzig 89, S. 107. —

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