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Programm · 1902-01-01 · 1902 · p. Seite 4

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Journal
Programm
Volume
1902
Date
1902-01-01
Page
Seite 4 (sequence 3)
Language
German
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IL Für die wirtschaftliche Entwicklung der europäischen Kulturvölker lassen sich nach den Forschungen von Prof. Bücher in Leipzig drei Stufen aufstellen: I. die geschlossene Hauswirtschaft (Eigenproduktion, tauschlose Wirtschaft); IL die Stadtwirtschaft (Kunden- . Produktion, direkter Austausch); III. die Volkswirtschaft (Warenproduktion, Güterumlauf).1) Um seine Bedürfnisse zu befriedigen, ist der Mensch zu einer Eeihe von Handlungen gezwungen, durch welche er sich die Verfügung über die Mittel der Bedürfnisbefriedigung, über wirtschaftliche Güter sichert; er muss vor allem, um die natürliche Güterknappheit zu überwinden, die benötigten Gegenstände selbst erzeugen, er muss produzieren; die Ergebnisse dieser Produktion verwendet er für seine Bedürfnisse, indem er konsumiert. Komsumtion ist also der Zweck und Produktion das Mittel der auf Bedürfnisbefriedigung gerichteten Thätigkeit, oder, wie man diese auch bezeichnet, der Wirtschaft der Menschen. Die west- und centraleuropäischen Völker stehen nun von der Zeit ihres Eintrittes in die Geschichte bis tief in das Mittelalter .im Zeichen der geschlossenen Hauswirtschaft. Jede Familie bildet eine sich selbst genügende und unabhängige Wirtschaft. Aber die Familie ist auf dieser Stufe nicht die kleine Sonderfamilie der Neuzeit, sie bildet vielmehr einen 1 aus 80—100 Personen bestehenden Verband, in welchem sich mehrere Verwandtengruppen in ihren Kräften durch unfreie Arbeiter verstärkt, in die mannigfachen wirtschaftlichen Aufgaben teilen. Innerhalb dieser „Grossfamilie'c vollzieht sich nun Produktion und Konsumtion. Die Familienangehörigen gewinnen die nötigen Kohstoffe und Lebensmittel, die sodann im Hause verarbeitet und verbraucht werden. Die Gemeinschaften produzieren also selbst und sie produzieren ausschliesslich für sich selbst, für den eigenen Bedarf. Selbstversorgung war somit das Ziel jeder einzelnen Wirtschaft; aber nicht immer konnte dieses Zieh auch völlig erreicht werden; nicht immer war es möglich, den Bedarf durch Eigenproduktion zu decken. Infolge ungünstiger Verhältnisse, z.B. Missernten, musste sich empfindlicher Mangel fühlbar machen, und es mussten dann zur Ergänzung der eigenen Produktion die Erzeugnisse benachbarter Wirtschaften herangezogen werden; da nun als Gegenwert "Überschüsse der eigenen Erzeugung hingegeben wurden, so trat auch der Tausch jnit den Nachbarn vorübergehend in den Bereich des wirtschaftlichen Handelns; aber diese mehr zufälligen, als regelmässigen Tauschakte wurden von den tauschlustigen Personen selbst besorgt, für die Vermittlung durch einen besonderen Handelsberuf waren sie zu selten und zu geringfügig. Das Streben nach Selbstversorgung musste aber auch da seine natürliche Grenze finden, wo es sich darum handelte, Güter zu erlangen, welche weder im Hause, noch in der Nachbarschaft, sondern nur unter ganz besonderen Verhältnissen und an weit entfernten Orten produciert weiden konnten; auch diese mussten im Wege des Tausches erworben werden, und da infolge der Entfernung ein direkter Austausch zwischen den Prödücenten unthunlieb war, oblag es den Angehörigen gewisser, durch die geographische Lage oder die Beschaffenheit ihrer Wohnsitze auf die Handelstätigkeit besonders hinge- *) Bücher, die Entstehung der Volkswirtschaft, Tübingen 1901 bs. 3. Vortrag: Die Entstehung der Volkswirtschaft.

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