Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3089693-3089748--0468-3091376- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Alle im Vorstehenden dargelegten Angriffe gegen die Persönlichkeit des grössten dramatischen Genies aller Zeiten hat einer unsrer führenden Geister, Herder, bereits vor mehr als einem Jahrhundert — in jenem glücklichen Zeitalter, das keine Bacon-Theorie u. ä. kannte — treffend gekennzeichnet in den Worten, mit denen schon E. Engel seine Zurückweisung der Pottschen Behauptungen schloss, und die auch am Schlüsse dieser Darlegungen eine Stelle finden mögen.19 „Wenn bei einem Manne mir jenes ungeheure Bild einfällt: 'Hoch auf einem Felsengipfel sitzend! zu seinen Füssen Sturm, Ungewitter und Brausen des Meeres; aber sein Haupt in den Strahlen des Himmels'/ — so ist's bei Shakespeare! Nur freilich auch mit dem Zusatz, wie unten am tiefsten Fusse seines Felsenthrones Haufen murmeln, die ihn erklären, retten, verdammen, entschuldigen, anbeten, verläumden, übersetzen und lästern — und die er alle nicht höret!" Aber auch die sich hier anschliessenden Worte des fein empfindenden Kenners fremdländischen Geistes möchte ich mir noch zu eigen machen, wenn auch in etwas anderem Sinne: „Welche Bibliothek ist schon über, für und wider ihn geschrieben! — die ich nun auf keine Weise zu vermehren Lust habe. Ich möchte es vielmehr gern, dass in dem kleinen Kreise, wo dies gelesen wird, es niemand mehr in den Sinn komme, über, für und wider ihn zu schreiben, ihn weder zu entschuldigen, noch zu verläumden; aber zu erklären, zu fühlen wie er ist, zu nützen!"