Programm
- Journal
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- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 29)
- Language
- German
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Theorie zu sein, die er als solche unbedingt verwerfe. „Aber", fährt er dann fort, „allerdings glaube ich an das Vorhandensein einer Shakespeare-Frage, d. h. ich glaube, dass der geschichtliche Shakespeare nicht in dem unbedingten Sinne des Wortes Verfasser der ihm beigelegten Dichtungen ist, wie etwa Göthe der Verfasser seiner Dramen ist, sondern dass angenommen werden muss, Shakespeare habe in weit grösserem Umfange, als man bisher geglaubt hat, teils ältere, teils zeitgenössische Dramen umgearbeitet und verarbeitet". Shakespeares Anteil festzustellen, betrachte er als eine für die englische, im besonderen für die Shakespeare-Philologie wichtige Aufgabe- Mit dieser Auffassung der Shakespeare-Frage sind wir bei dem extremsten Standpunkte, bei derjenigen Kritik angelangt, die sich am meisten der Negation nähert; aber zwischen diesem Standpunkte und demjenigen, der von dem bedeutendsten Änti-Shakespeareaner, A. Morgan* in seinem „Shakespearean Myth" einst vertreten wurde, liegt noch eine unausfüllbare Kluft. Nachdem sich aber dieser einzige beachtenswerte Shakespeare^Gegner, der nicht auf Bacon eingeschworen war, wie oben gezeigt, zum Widerruf seiner früheren Angriffe auf die Person des Dichters bequemt hat, ist doch wohl die Hoffnung nicht unberechtigt, dass alle weiteren Theorien, die den Schöpfer der gewaltigsten Dichtungen der Neuzeit als Strohmann eines Grösseren hinzustellen versuchen, in absehbarer Zeit ein gleiches Ende finden werden. Noch ein Wort zum Schlüsse über einige Fragen, deren Beantwortung in der vorstehenden Darlegung vermisst werden könnte. Ich habe mit Absicht der Versuchung widerstanden, das bis heute feststehende biographische Material für Shakespeare beizufügen, statt dessen vielmehr auf einige vorzügliche deutsche Schriften über das Leben des Dichters hingewiesen. Wer an der Hand einer derselben die vorstehenden Ausführungen auf . sich wirken zu lassen versucht, der wird etwa vorhandene Zweifel leicht zu beseitigen in der Lage sein. Ferner schien ein Eingehen auf viele einzelne Einwände der Ariti-Shakespeareaner hier entbehrlich in Anbetracht der zahlreichen z. T. . äusserst eingehenden Widerlegungen in den mehrfach citierten Schriften, besonders derjenigen von J. Schipper (s. Anm. 14 und zuletzt in einem mir erst nach Beendigung dieser Schrift durch die Freundlichkeit des Verfassers zugegangenen Feuilleton der N. Fr. Presse v. 18. u. 30. April 1895), ferner von L. Frankel (Engl.- Studien XX) und R. Wülker (a. a. O.) Endlich durfte auch eine besondere Zurückweisung der durch die Delia Bacon-Donnellyschen Entzifferungsversuche veranlassten Bemühungen in unseren Tagen, auf eine in den Dramen angeblich versteckte Geheimschrift Beweise für Bacons Autorschaft zu begründen, überflüssig erscheinen, nachdem in den obigen Ausführungen, sowie in den vielen einschlägigen Schriften, auf die wir uns dabei stützen konnten, der Nachweis erbracht sein dürfte, dass von einem Ansprüche Bacons auf die Werke Shakespeares überhaupt nicht die Rede sein kann-