Programm
- Journal
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- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 28)
- Language
- German
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ganze, einheitliche Dichtergestalt entgegen tritt. Den dieser Erkenntnis zu gründe liegenden Gedanken, -dass bei genauerem Hinsehen Shakespeare durchaus nicht , so völlig objektiv erscheint, als die landläufige Auffassung behauptet, hat am entschiedensten unter den Shakespeare - Interpreten unsrer Tage E. W. Sie vers agest 1894) in der Vorrede seines „William Shakespeare, sein . Leben und sein Dichten." (1. Band. Gotha 1866) ausgesprochen. Er bezeichnet darin sein Unternehmen als den Versuch, „ein Bild zu entwerfen von dem weltgeschichtlichen Menschen Shakespeare, von seinem Ringen und Streben und von seiner Weltanschauung;" er will zeigen, „welche grossen, allgemein mens ehrlichen und doch wieder t ief per sönl ich en Interessen ihn zum Dichten antrieben und begeisterten, und welches die ewigen Wahrheiten sind, das weltliche Evangelium, das er als ächter Dichter der Menschheit verkündigt, und in dem er selbst sein Glück oder doch seinen Frieden gefunden hat" Er führt in seinem — leider nur auf den ersten Band beschränkten — Buche den Nachweis, dass für Shakespeare, t r.o tz seiner grossen Objektivität.dieselbe persönliche Beteiligung bei seinem dichterichen Schaffen angenommen werden dürfe, wie für andere Dichter. So gewiss es unbestreitbar wahr ist, „dass es keine Poes ie g-iebt ohne d en lebendigen Hintergrund einer bestimmt ausgeprägten sittlichen PersönIic hkeit,a ebenso gewiss sei Shakespeare weit davon entfernt, seine persönlichen Ueberzeugungen zurückzuhalten oder überhaupt auf seine Person zu verzichten. Im Gegenteil beruhe vielmehr seine Poesie einzig und allein auf der Energie und Wahrheit seines persönlichen Lebens.77 Wie er dann diesen Gedanken in überaus fesselnder Weise durchführt, das verdient an Ort und Stelle nachgelesen zu werden Denn hier ist uns der Weg gewiesen, der zur Erkenntnis der einheitlichen Persönlichkeit des Dichters führt, die dem redlich Suchenden aus der Gesamtheit seiner Werke entgegen tritt. * Aber unbeschadet der Richtigkeit der Sieversschen Darlegungen, die wir bekanntlich auch sonst innerhalb der Shakespeare-Forschung angedeutet finden, darf doch diejenige Thatsache nicht übersehen werden, die wir früher als den . einzigen brauchbaren Gedanken in den gegen Shakespeares Autorschaft aufgestellten Theorien bezeichnet haben. Shakespeare hat in weit, grösserem Umfange als andere Dramatiker sich der dem Dichter zustehenden Freiheit bedient, seine Stoffe von überallher zu nehmen, um sie mit Hilfe seiner mächtig schaffenden Phantasie und seiner gewaltigen dramatischen Gestaltungskraft nach seinen Wünschen und Zwecken umzumodeln. In diesem Sinne hätten die Anti-Shakespeareaner Recht, von Mitarbeitern, zu reden und ihm das alleinige Anrecht auf einen Teil der unter seinem Namen bekannten-Dramen streitig zu machen, aber auch nur in diesem ganz beschränkten Sinne. So will auch der einzige namhafte deutsche Gelehrte, den die Gegner Shakespeares auf Grund einer gelegentlichen Äusserung ernstlich als den ihrigen in Anspruch zu nehmen versuchten, G. Körting,78 verstanden sein, wenn er sich zwar ausdrücklich gegen die Annahme verwahrt, Anhänger der Bacon-