Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3089693-3089748--0464-3091372- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2. Begründung des Anspruchs Shakespeares auf seine Werke durch die Überlieferung und die zeitgenössischen Zeugnisse. Nachdem wir nunmehr gegenüber den von den Baconianern für ihren unfreiwilligen Helden ins Feld geführten Scheingründen den Sachverhalt festgestellt haben, bedarf es — nach dem oben angegebenen Plane — nur noch des Hinweises auf die durch zahlreiche zeitgenössische Zeugnisse bekräftigte Überlieferung, um die Stellung des rechtmässigen, in seinen Ansprüchen angegriffenen Verfassers von neuem zu befestigen. Sind wir auf dem bisher eingeschlagenen Wege zu dem Ziele gelangt, den einzigen einigermassen ernst zu nehmenden- Gegner aus dem Sattel zu werfen, so wird uns die nun noch zu erledigende Aufgabe, mit dessen ehemaligen Verbündeten abzurechnen, nicht allzu schwer werden. Es steht uns in diesem Kampfe eine Jahrhunderte alte Überlieferung zur Seite, die, nur von dem Glänze des Namens eines Bacon in den Hintergrund gedrängt, nach der Beseitigung dieses gefährlichsten Gegners uns wieder zur zuverlässigen Stütze wird. Von geringerem Gewichte sind in unserem Falle die Ergebnisse der neueren Forschung, die weniger hat leisten können durch Aufhellung noch dunkler Punkte in den uns bekannten Partien des Lebensganges Shakespeares, als durch meist unzweifelhafte Bestätigung des bereits Bekannten. Auch der durch die Angriffe der Anti-Shakespear'eaner frisch angeregte Forschereifer hat in dieser Hinsicht nichts Neues zu Tage fördern können; vielmehr werden wir wohl die Hoffnung aufgeben müssen, das so lückenhafte Lebensbild eines der grössten Künstler aller Zeiten zu einem Ganzen abgerundet zu sehen und auf die s em Wege zugleich zu einem ein dringen deren Verständnisse seiner Kunstwerke zu gelangen. Es ist wohl anzunehmen, dass mit der epochemachenden Shakespeare-Biographie von Karl Elze74 das Standard Work gegeben ist, über das hinaus weder in der Form der Darstellung noch in dem gebotenen Inhalte ein wesentlicher Fortschritt mehr zu erwarten ist, wenn nicht der bisher vergebens ersehnte Zufall uns neues biographisches Material aus dem Staube der -verflossenen Jahrhunderte hervorzaubern sollte. Die äusserst verdienstvollen neueren Werke eines ten Brink, Brandl, Koch u. a. m. (s. Anm. 7) haben allerdings, im Sinne der von Elze in Gemeinschaft mit Bodenstedt, Oechelhäuser und anderen angebahnten Tendenz der deutschen Shakespeare- Gesellschaft, ihr redlich Teil zur Popularisierung der Kenntnisse über den Dichter beigetragen, wohl auch in der Erwägung und Erkenntnis, dass — nach Brandl — als „das beste Heilmittel gegen den Bacon-Unfug die Verbreitung der wirklichen Kenntnisse, die wir über den Dichter besitzen" zu empfehlen sei. Wir sind vollauf zu der Hoffnung berechtigt, dass in diesem Sinne auch das neueste, noch im Erscheinen begriffene, grösser angelegte Werk von G. Brandes Erspriessliches zur Aufklärung weiter Kreise leisten wird. Die in den vorgenannten Werken deutscher Shakespeare-Forscher enthaltenen Thatsachen finden, ihre feste Stütze in den zahlreichen zeitgenössischen Zeugnissen,75 denen wir in den Schriften gegen die Bacon-Theorie alierwärts als willkomme-