Programm
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- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 21)
- Language
- German
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aufgenommen wurden (s. Anm. 57) zu einer Zeit, da das Volk und bisweilen auch die über die Vorurteile ihres Standes erhabenen Vornehmen schon dem Genüsse echt dramatischer Kunst sich hingeben durften im Globe, im Blackfriars-Theatre u. a., den geweihten Stätten der Shakespeareschen Muse. Auch als Verfasser der utopistischen Allegorie „The New Atlantis," einer Art Gelehrtenrepublik nach platonischem Vorbilde, sowie von gereimten Uebersetzungen können wir uns diesen wissenschaftlich angelegten Geist denken. Als solcher besass er gerade genug Phantasie, um in seinen Reden die Hörer durch treffende, oft seiner umfassenden Lektüre entnommene Bilder und Gleichnisse zu entzücken,66 die der Natur der Sache nach sich bei zeitgenössischen Dichtern in ihren Grundgedanken und mitunter auch gewiss in ähnlicher Form wieder finden. Aber derselbe Mann, der es über sich brachte, lediglich um in seiner „Carriere" nicht gestört zu werden, gegen seinen Freund und Wohlthäter Essex als öffentlicher Ankläger aufzutreten und die Richter durch die Macht seiner Rede zur Fällung des Todesurteils zu bestimmen, 67 der dann sich nicht scheute, in einer Rechtfertigungsschrift zu gunsten der von Gewissensqualen gepeinigten Königin noch das Andenken des gemordeten Freundes zu schmähen, — alles nur um äusseren Vorteils willen — der kann uns nimmermehr als der Verkünder der goldenen Worte über Freundschaft und Treue glaubhaft gemacht werden, die Shakespeare dem Vater (nicht dem Hofmann) Polonius beim Abschiede von seinem Sohne in den Mund legt (Hamlet 1. 3. nach der Schlegel-Tieckschen Uebersetzung): „Den Freund, der dein, und dessen Wahl erprobt, Mit ehernen Haken klammr* ihn an dein Herz!" und zum Schlüsse: „Diess über alles: sei dir selber treu, Und daraus folgt, sowie die Nacht dem Tage, Du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen \" Ferner ist es undenkbar, dass eine der wunderbarsten, ergreifendsten Scenen in den Dramen, diejenige, in der der junge Arthur durch das Feuer seiner jugendlichen Beredsamkeit den Vollstrecker der grausamen Befehle seines Oheims entwaffnet (König Johann IV. 1.) von einem Manne verfasst sein könne, der als Sekretär der berüchtigten „Sternkammer" (Gerichtshof für Staatsverbrecher) einen bejahrten Geistlichen auf die Folter spannen Hess und so in eigener Person verhörte, lediglich um ihm das Eingeständnis einer lächerlich geringfügigen Schuld zu erpressen. (Macaulay a. a. C S. 329 fg.) Es kommt noch dazu, dass ein solches, von der inhumansten Gesinnung zeugendes Verfahren selbst in jener Zeit „von den Juristen fiir ungesetzlich erkannt, von dem Publikum als barbarisch verwünscht wurde,"68 ebenso wie seine geheimen Unterhandlungen mit den Richtern, um dieselben zu einer Verurteilung in jedem Falle zu bestimmen, als ,,etwas Unerhörtes (of new and jpernieious tendency) und durchaus nicht den Sitten des Königreichs Entsprechendes'4 (S. 332) von eben diesen Richtern bezeichnet wurden,—Wie soll man endlich noch eine Theorie ernst nehmen, deren Vertreter es für möglich