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Programm · 1896-01-01 · 1896 · p. Seite 21

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Journal
Programm
Volume
1896
Date
1896-01-01
Page
Seite 21 (sequence 20)
Language
German
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— 21 — können, der vermag allerdings auch den Versuch zu machen, die Grundfesten aller Forschung zu erschüttern und die Schöpfungen eines halben Jahrhunderts, das vom Sturm und Drang einer sich zum Lichte emporringenden Litteratur erfüllt, war, einem Abgölte in den Schoss zu werfen. Aber, nicht nur der völlige Mängel all derjenigen Eigenschaften,; die wir bei dem Bildner der Shakespeareschen Gestalten voraussetzen, müssen, liegt für den unbefangenen Beurteiler des Charakters eines Bacon klar am Tage: das, was uns als geschichtlich völlig beglaubigte Ueberlieferung von ihm bekannt ist, was sein mild urteilender Biograph Montagu und sein fanatischer Verehrer Vitzthum trotz aller Bemühungen, ihn zu entschuldigen, doch nicht aus der Welt schaffen können, seine aus vorhandenen sittlichen Defekten hervorgegangenen Handlungen müssten doch auch dem Verblendetsten die Augen öffnen. Thatsächlich haben die Baconianer dem Andenken ihres Herrn und Meisters einen recht schlechten Dienst erwiesen durch ihr f Streben, ihn zum gewaltigsten Genius zu stempeln, den je die Welt gesehen. Bei ihm hätte, wenn es sich um seine Kanonisiefung handelte, der Advocatus Diaboli leichtes Spiel, und die Bacon- Anhänger, die dieses Amt gegenüber einem Shakespeare ausüben - den man allerdings eine Zeitlang nahe daran schien, heilig zu sprechen - — müssen es daher ruhig dulden, dass ihnen mit gleicher Münze heimgezählt wird, nur mit besserem Erfolge. Denn während sie aus dem angeblichen Fehlen bestimmter Nachrichten über Shakespeares Wirken einen negativen Schluss auf sein Wirken überhaupt ziehen, zeigen uns positive und historisch beglaubigte Thatsachen klar den Weg zur Zurückweisung der ihrem Helden von ihnen aufgedrungenen Ansprüche^ Auf drei Thatsachen aus verschiedenen Perioden von Bacons Leben gründen sich die Vernichtenden Urteile Popes und Macaulays über Bacon. Während aber Graf Vitzthum diese beiden klassischen Zeugen zur Strafe für ein solches Vergehen vor der Nachwelt als „Pygmäen, die die geistige Qrösse dieses Giganten kaum zu ahnen vermögen" 65 an den Pranger stellt, müsssen wir auf Grund eben dieser Zeugnisse Bacon die Fähigkeit zur Bewerbung um die Stelle Shakespeares in der .Weltliteratur entschieden absprechen. Jene drei Anklagepunkte lauten: Verrat an der Freundschaft, Grausamkeit gegen Wehrlose infolge inhumaner Anschauungen, Bestechlichkeit im Amte. Seinen Fehlern, die ihm solche Handlungen möglich machten. Käl te des Herzens und Niedrigkeit der Gesinnung, stehen allerdings Vorzüge des Geistes gegenüber, die jene im Laufe der Jahrhunderte haben völlig vergessen lassen. Aus seiner Herzenskälte ergiebt sich für ihn jener Gleichmut, der ihn an den Folgen seines Thuns nicht zu schwer tragen lässt, so dass er sich in solchen.. Fällen, wie am Ende seiner staatsmännischen Laufbahn, „vor der Welt ohne. Hass. verschliesst", sich in sein Studierzimmer zurückzieht und seine unsterblichen Werke für den Druck oder für eine neue Auflage vorbereitet. Ein Mann mit solchen Eigenschaften des Geistes, und Charakters mochte wohl im stände sein, Maskenspiele und ähnliche allegorische Dichtungen zu verfassen^ die bei Hofe und bei seinen Amtsgenossen in Gray's Inn, dem Heim der Rechtsgelehrten, beifällig

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