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Programm · 1896-01-01 · 1896 · p. Seite 20

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Journal
Programm
Volume
1896
Date
1896-01-01
Page
Seite 20 (sequence 19)
Language
German
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— 20 — heimische Verfasser der Shakespeare-Dramen sich eine ganze Reihe der allergewöhnlichsten geographischen, geschichtlichen und kulturgeschichtlichen Schnitzer bzw. Anachronismen zu schulden kommen lässt, die uns bei einem seif-meide vtan wie Shakespeare durchaus nicht befremden dürfen.62 Und doch verkünden sie mit Stolz, das Bacon, nach Ben Jonsons Angabe, alle seine' Schriften mit der grössten Sorgfalt feilte und manche derselben bis zu 12 mal abschreiben liess, ehe er sie dem Drucke übergab. Aber alle diese und viele andere Einwände gegen Bacons Autorschaft an Shakespeares Werken erseheinen, bei aller Wichtigkeit'im einzelnen, doch nur als Argumente zweiten: Ranges gegenüber denjenigen, die wir aus zwei scheinbar völlig verschiedenen Seiten Bacons, der Persönlichkeit und den Werken des grossen Philosophen schöpfen. b, Zurückweisung Baeons auf Grund seines Charakters. In seiner klaren und tief in den Gegenstand eindringenden Weise hat K. Fischer im 1. Kapitel seiner für unsere Frage äusserst wichtigen Schrift „Franz Baco von Veruläm" (s. Anm. 1 u. ö.), da wo er dessen moralischen und wissenschaftlichen Charakter zergliedert, unter Hinweis auf den entschiedenen Gegensatz in . der Beurteilung desselben durch seinen Biographen Möntagu und dessen Kritiker Macaulay, auch für Bacon „nach dem Einklang" gesucht, „in welchem jeder bedeutende Charakter'mit sich steht." (S. 6). Zwar räumt auch er ohne weiteres ein, dass „die Vorwürfe, welche das Leben Bacos verdient (von denen wir weiter unten zu sprechen haben), nicht blos menschliche Schwächen und Irrtümer, sondern unwürdige Gesinnungen und bürgerliche Verbrechen" waren (S. 7). Er will ihn auch nicht verteidigen gegen diese unzw eifelhäft bewiesenen sittlichen Mängel. Dann führt er aber in schärfsinniger Weise aus, wie ein Vergleich von Bacons moralischer Disposition mit seinem wissenschaftlichen Charakter keinen „räthselhaften Widerspruch, sondern eine natürliche Analogie" zeigt. „Nur dass dieselben Züge seiner Wissenschaft zu gute kamen* die seinem Leben nachteilig und gefährlich wurden." (S. 25.) Diesen Gedanken entwickelt er dann ausführlich in jenem in vieler Beziehung lehrreichen Kapitel, das sich liest wie eine Illustration zu dem bekannten BufFonschen Satze:' Le style dest Vkomme** Aus diesen Betrachtungen%könnten die Vertreter der Bacon-Theorie vor allem das eine lernen, dass jene Eigenschaften wohl einen grosseh Philosophen, einen weitschauenden Staatsmann, einen fesselnden und vielbewunderten Redner aus Bacon machen konnten, aber nimmermehr einen in die Tiefen der menschlichen'Seele dringenden Schilderer aller dieselbe bewegenden Leidenschaften. Wer es für möglich hält, dass ein Mann von den kühlen, leidenschaftslosen Natur eines Bacöri, die weder wahrhaft lieben noch gründlich hassen könnte,64 das hohe Lied der Liebe in Romeo und Juliet, die furchtbaren Wirkungen der Eifersucht im Othello, die herzzerreissenden Töne des Hasses in King Lear habe darstellen *

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