Programm
- Journal
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- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 9)
- Language
- German
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Eigenschaft als Schauspieldirektor — von verschiedenen Seiten zugekommenen Dichtungen bühnengerecht verarbeiten. Er selbst nennt seine Anschauung „the New Theory" im Gegensatze zu derjenigen Delia Bacons (s. o. S. 9.) und der der strengen Baconianer — der Unitary-Theory —, während thatsächlich seine Hypothese nur als eine Weiterbildung der ersteren gelten kann. 22 Aber gerade ihn, den vorsichtigsten Antishakespeareaner, dessen „Shakespeare-Mythus" (1889) als das wichtigste der gegen Shakespeares Autorschaft erschienenen Werke anerkannt worden ist, sollte weniger Jahre nachher das Schicksal ereilen, das die treffliche Mrs. Stopes in liebenswürdiger Weise für ihn erhoffte zu einer Zeit, als diese ihre Hoffnung/ „ihn zu dem Glauben seiner Väter zurückkehren" zu sehen, schon ihrer Erfüllung nahe war. In der Vorrede zu seinem zweiten, im Jahre 1888 erschienenen Buche, 28 einer Sammlung von 10 Aufsätzen über Shakespeare und Bacon, Hess sich nämlich Morgan zu einem teilweisen Widerruf seiner früher geäusserten Ansichten, besonders über die Persönlichkeit Shakespeares herbei, von dem er nunmehr zugesteht, dass er „doch ein Mann von grossem Geiste und weltumfassendem (oceanic) Genie" gewesen sei; auch bekennt er „im Laufe der Zeit und des Studiums recht viele der in seinem 'Shakespeare-Mythus' niedergelegten Ansichten geändert" zu haben. —- Auf einem ähnlichen Standpunkt wie Morgan in seiner ersten Schrift steht auch Wigston, 2i der unter Bezugnahme auf Bacons Beziehungen zum Geheimbunde der Rosenkreuzer sowie seiner „New Atlantis" die Dramen für das Produkt einer „gelehrten Gesellschaft" erklärt, die „von einem göttlichen Geiste zu einem System dramatisierter Philosophie vereinigt, sich bemüht, die Natur in der dramatischen Kunst darzustellen und einem anderen Zeitalter die geheime Kunde ihrer Gesellschaft zu überliefern." Jener göttliche Geist war natürlich Bacon. Jn einer später erschienenen Schrift25 führte er seine Ansicht von der dramatisierten Naturphilosophie weiter aus und wurde so der intellektuelle Urheber des allerneuesten Erzeugnisses auf diesem Gebiete, des Bormann'schen „Shakespeare - Geheimniss". Doch ehe wir uns der in dieser Schrift zu ihrer höchsten Blüte entfalteten „reinen" Bacon-Theorie zuwenden dürfen, ist es der Vollständigkeit halber nötig, noch auf einige durch die letztere hervorgerufene Hypothesen hinzuweisen, die fast den Eindruck einer Parodie derselben machen. So ist, durch das Vorschieben Bacons veranlasst, bereits eine Anti-Bacon- Theorie aufgestellt worden, die da's von den Baconianern behauptete Verhältnis zwischen den beiden Zeitgenossen geradezu auf den Kopf stellt. Es ist darin sogar von zwei kurz hinter einander in London auftauchenden William Shakespeare die Rede, der erste Philosoph und Dichter, der zweite Schauspieler und Schauspieldirektor; die philosophischen Arbeiten des ersteren habe Bacon unter seinem eigenen Namen, dessen dramatische Werke unter dem des Shakespeare Nr. II herausgegeben26. Ganz neu war auch diese erstaunliche Idee nicht, die, ohne es zu wollen, die ganze Theorie ad absurdum führte; vielmehr war ein ähnlicher Gedanke schon kurz vorher geäussert27 und dabei auch — offenbar ironisch — die „Möglichkeit" ausgesprochen worden, „dass es wirklich König Jakob der Erste