Programm
- Journal
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- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 5)
- Language
- German
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es auch nur für denkbar hält, dass Bacon die unter Shakspere's Namen gehenden Werke geschrieben haben könne, muss weder Bacon noch Shakspere kennen."9 (S. 6.) In ähnlichem Sinne sprechen sich sämtliche Shakespeare-Kenner aus, so oft sie genötigt sind, sich mit der ihnen aufgedrungenen Frage zu beschäftigen. Allein es handelt sich heute nicht mehr so sehr um die Ansichten der Shakespeare- Kenner und -Forscher, die geschlossen dieser Frage mit entschiedener Ablehnung gegenüberstehen, als um das grosse, gebildete Publikum, das, durch das entschiedene Auftreten der Baconianer in Zweifel versetzt, dringend Aufklärung fordert. In der Tagespresse hatte man diese Notwendigkeit allerdings schon länger als vor einem Jahrzehnt erkannt, zu einer Zeit, als von einer Verpflanzung der Anti-Shakespeare- Theorie auf deutschen Boden eigentlich noch nicht die Rede sein konnte, wenn auch die Kenntnis von den absonderlichen Ansichten einer Mrs. Pott u. a. m. (s. Anm. 14 u«. 36) schon in weitere Kreise vorzudringen begann. Doch nun traten auch bald die deutschen Vertreter der Wissenschaft auf den Plan, nachdem dieselben die drohende Gefahr einer Verschleppung der überseeischen Epidemie zu uns erkannt hatten.10 Was für den beschränkten Kreis der Fachgenossen Richard Wülker in seiner Zeitschrift „Anglia"11 unternahm, das führte E. Engel in einer für das grössere Publikum bestimmten Schrift12 aus. Mit wohlthuender Energie und vollberechtigter Ironie wendet sich Engel in dieser Broschüre nicht nur gegen die unhaltbaren Ausführungen der Mrs- Pott, sondern auch gegen deren Vorkämpfer auf deutschem Boden, insbesondere einen anonymen Herrn V. der „Augsburger (heute „Münchener") Allgemeinen Zeitung"> als den sich später in seinem noch zu besprechenden Buche (s. Anm. 5) Graf Vitzthum von Eckstädt bekannte. Aber erst als durch die im Jahre 1888 erschienene Schrift des letzteren („Shakespeare und Shakspere4') die Bacontheorie mit all ihren im Auslande gewachsenen Unwahrscheinlichkeiten, vermehrt um einige dem deutschen Autor allein zukommende seltsamen Ideen, endgiltig nach Deutschland verpflanzt worden war, da machte sich die Notwendigkeit einer entschiedenen, allgemein verständlich gehaltenen Abwehr auf deutschem Boden unabweislich geltend. Es ist das Verdienst des bekannten Wiener Anglicisten J. Schipper, dieser Notwendigkeit in gebührender und erfolgreicher Weise gerecht geworden zu sein. Zwar erkennt auch er 18 „ein wissenschaftliches Bedürfnis zur Veröffentlichung einer derartigen Arbeit" durchaus nicht an; aber es scheint ihm notwendig, „das gebildete Publikum über die gänzliche Hinfälligkeit der Behauptung, dass die unter Shaksperes Namen gehenden Dramen nicht von diesem, sondern von dem gleichzeitigen Philosophen und Naturforscher Bacon von Verülam geschrieben sein sollen, aufzuklären" (Vorwort). Wie schwer es auch ihm geworden ist, sich „auf eine Widerlegung eines derartigen ,Unsinns', wie die Bacon - Theorie es ist, bei so geringer Neigung und so gänzlich fehlender wissenschaftlicherNötigung zu einer solchen Arbeit" überhaupt einzulassen, zeigt er am Schlüsse seiner klaren Auseinandersetzungen (S. 87), wo er sein Unternehmen mit der Begründung rechtfertigt: Er habe dies dennoch thun zu sollen geglaubt, „teils um Stegreif-Discus-