Programm
- Journal
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- Volume
- 1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 6)
- Language
- German
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sionen über die sogenannte Shakspere-Bacon-Frage, die an einen Vertreter der englischen Philologie heutigen Tages auf Schritt und Tritt herantreten, einigermassen ausweichen zu können, teils in der Hoffnung, der grossen Menge von allgemein Gebildeten, welche durch das immerwährende Gerede ja doch auf die Sache aufmerksam werden müssen und, da sie meist ohne nähere Kenntnis der literarischen Hilfsmittel sind, in ihren bisherigen unbefangenen und gesunden Anschauungen irre gemacht werden könnten, einen Dienst zu erweisen." Die vorliegende Abhandlung ist durchaus von dem hier hervorgehobenen Gesichtspunkte aus unternommen worden. Was Schipper vor nunmehr 7 Jahren als eine Notwendigkeit erkannte, der er sich im Interesse der guten Sache, wenn auch widerwillig, fugte, das ist es heute noch mehr als damals, trotz der vortrefflichen Leistung jenes Gelehrten und vieler Gleichstrebenden. Denn seine von Resignation erfüllte Voraussagung, dass es auch ihm nicht gelingen werde, „die wirklichen Baconianer von ihrem Wahne zu heilen'*, ist leider im vollen Umfange Wahrheit geworden. Im Gegenteil, die Aufgabe, dem gebildeten Publikum die Möglichkeit zu einer Orientirung über diese fortschreitende „litterarische Krankheit" zu verschaffen, erscheint heute, nach der Veröffentlichung eines „Das Shakespeare-Geheimniss" betitelten Buches von E. Bormann (1894) dringender als zuvor. Zwar hat die viel erörterte Frage durch dasselbe keine neue Beleuchtung erfahren; allein der Verfasser jenes Buches hat es verstanden, auf der Grundlage eines umfangreichen, zum Teil wissenschaftlichen Beweismaterials dieselbe mit solcher Energie wieder in den Vordergrund der litterarischen Tagesfragen zu rücken, dass selbst weniger leichtgläubige Gemüter, als die geschworenen Shakespeare-Gegner es sind, irre geführt werden könnten, ohne die nötige Stütze von der Gegenseite. Allerdings ist auch in dieser Richtung bereits vieles und verdienstliches geschehen (vgl. Anm. 50); und es ist sogar dem Bormannschen Vorstosse zu danken, dass, die Gefahr erkennend, sich neue. Vorkämpfer in nicht geringer Zahl zu den früheren gesellt haben. Mit dem ganzen Aufwände wissenschaftlicher Sachkenntnis ausgerüstet, haben dieselben die Unhaltbarkeit der Bacon-Theorie trotz Bormann und seiner Mannen nachgewiesen, die weder durch die Gegenüberstellung der verführerischsten Obereinstimmungen in Wort oder Bild, noch durch die scheinbar unwiderleglichen Entdeckungen von „Geheimschriften" zu einer Thatsache werden kann. Dass zwar auchT'durch das besonnene und sachgemässe Vorgehen dieser erlesensten Schar von wissenschaftlichen Vorkämpfern kein wesentlich besseres Ergebnis gegenüber den eifrigen Antishakespeareanern zu erzielen sein wird, dessen sind sie sich gewiss alle ebenso bewusst, wie sich Schipper früher darüber klar war. Aber heute gilt es, wie schon früher betont wurde, nicht so sehr, den Gegner zu überzeugen, als der grossen Menge der Gebildeten die Hilfsmittel zu einer sachgemässen Beurteilung der Frage zu bieten. In diesem Sinne wollen auch die nachstehenden Ausführungen, auf* genommen sein.