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Programm · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 25

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Journal
Programm
Volume
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 25 (sequence 24)
Language
German
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— 25 — So handelt sie unter Leitung ihres Direktors pflichtgemäß gegen die Schüler, gegen die menschliche Gesellschaft, gegen den Staat. Wo aber solche. wissenschaftliehe und . patriotische Bestrebungen zusammenwirken, da wachsen auch Tugend, Ehre, Charakter und Freiheit tief in die Seele des Menschen, da bildet sich auch trotz unserer vielverschrieenen materiellen Zeit in jedem Menschen noch ein Ideal, ein Inbegriff des höchsten Gutes in seinem nationalen und sittlichen Leben, und die Ideale, die in unseren Schülern erweckt werden, lauten: Gottesfurcht; Nächstenliebe, Vaterlandsliebe." - Der Kedner gedachte der Bestrebungen des Direktors nach diesen Bichtungen hin und fuhr dann fort: „In unserer israelitischen Gemeinde bestehen, ich möchte sagen naturgemäß wie in jeder großen Gemeinde, geteilte Meinungen und verschiedeneStrömungenin Keligionsfragen, aber die gegenseitige Duldung,, die Einheit in der Ausführung guter Werke leidet darunter nicht . ... Diese Schule, entstanden zu einer Zeit, wo Staat und . Stadt sich um die Ausbildung der Juden noch gar nicht kümmerten, hervorgegangen also aus einem Nothstand, anderseits aber auch aus einem Herzens- und Gewissensbedürfnis erleuchteter Männer, diese Schule, die. für die Entwickelung unserer Gemeinde von höchster Bedeutung war, will die israelitische Gemeinde auch unter veränderten Zeitverhältnissen förterhalteri, nicht, wie ich wiederholt betone, um uns abzusondern, sondern weil sie fast ein Jahrhundert edel und in mancher Beziehung mustergiltig gewirkt hat .... sie soll und wird wie bisher auch in Zukunft an ihrem Teile dazu, beitragen, daß in unserer alten Kaiserstadt Frankfurt kein Unterschied bestehe zwischen den Angehörigen der verschiedenen Confessionen.1' Im Namen des Lehrerkollegiums begrüßte Herr Prof.* Dr. Epstein den Jubilar. Er sprach mit Beziehung auf den Jubilar von der. erziehenden Aufgabe der Schule und von den , Anf ord eru n gen derselben an die Persönlichkeit des Lehrers. „In gemeinsamer Arbeit mit Ihnen vereint, haben wir in zweifacher Eichtling unsere Kräfte anzuspannen: als Erzieher und als Lehrer. Ich erwähne mit Absicht den Erzieher vor dem Lehrer, denn des Lehrerberufes besserer Teil ist die Erziehung ..... Sie haben diesen Standpunkt stets eingenommen'. Sie haben diese Überzeugung bekundet durch Wort und That . . ... Mir will es scheinen, als ob das, was der Mensch mit Kopf oder Hand leistet, nicht vollwertig genug sei, und wäre es noch so bedeutend, sobald das Herz dabei fehlt. So gewiß dies für den Künstler gilt, so meine ich hat es auch Anwendung auf den Pädagogen zu finden. Ich berufe mich hierbei auf das treffende Dichterwort: Adel ist auch in der sittlichen Welt: Gemeine Naturen Zahlen mit dem was sie thun, edle mit dem was sie. sind. . . Den Grund aller charakterbildenden Erfolge in der Jugenderziehung hat man in dem persönlichen Wesen des Lehrers zu suchen; denn nur der Lehrer kann hier ans Ziel gelangend der durch seine eigene Persönlichkeit einen Einfluß auf seine Schüler auszuüben imstande ist. .Dazu gelangt er nur durch Selbsterziehung, durch unablässiges Arbeiten an sich selbst, durch den sittlichen Ernst, mit dem er seinen Beruf als einen hohen und heijigen erfaßt, durch Pflichterfüllung,; Gewissenhaftigkeit und Arbeitsamkeit . . . . Man würde aber weit fehlen, wollte man den Einfluß eines solchen Lehrers als einen äußerlichen auffassen. Nein, er geht viel tiefer, er ist ein Ausfluß der Liebe, welche Schüler und Schülerinnen zu ihrem Lehrer im Herzen tragen t . . . . Nicht durch ein klug eingerichtetes Verhalten 4

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