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Programm · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 26

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Journal
Programm
Volume
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 26 (sequence 25)
Language
German
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— 26 - der Hauptangeklagten während des Prozesses stand im schroffsten Gegensatz zu ihrem früher zur Schau getragenen Übermut. Jeder von ihnen suchte sich dadurch zu entlasten, daß er sich als Verführten, die anderen als Verführer hinstellte; sie baten alle fußfällig um Gnade. Endlich, am 21. Februar 1616, erklärten die Kommissarien die Untersuchung sür abgeschlossen und setzten den 28. als den Termin für die Urteilsvollstreckung fest. An demselben Tage sollte auch die feierliche Wiedereinführung der Juden stattfinden. Durch eine Reihe strenger Verordnungen suchte der Rat für diese Zeit die Ruhe in der Stadt aufrecht zu erhalten; so mußten schon vom 26. ab alle Wirtschaften geschlossen bleiben. In der Frühe des 28. wurden die Wälle und andere wichtige Punkte militärisch besetzt. Schon vor Tagesgrauen sammelte sich eine große Volksmenge auf dem Roßmarkt an, auf dessen Mitte das Schaffst errichtet war. Den Sachsenhäusern, deren unruhigem Geist man nicht traute, wurde an diesem Tage das Verlassen ihrer Wohnungen verboten; hingegen war den Zunftmeistern und Vorstehern der Gesellschaften ausdrücklich befohlen worden, in Gemeinschaft mit Rat, Bürgermeistern u. s. w. der Exekution beizuwohnen. Von kurmainzischen und landgräflich-hessischen Soldaten geleitet, wurden die Verurteilten um sieben Uhr morgens zur Richtstätte gefahren. Dort angelangt las einer der Subdelegierten zuerst Fettmilch als dem Hauptschuldigen das Urteil vor. Dieser zeigte sich von tiefer Reue ergriffen und erkannte den Spruch als gerecht an. Er wurde alsdann dem Scharfrichter übergeben, der ihm zunächst zwei Finger der rechten Hand abhackte und ihn darauf mit dem Schwert hinrichtete. Der Körper wurde gevierteilt, der Kopf aus eine eiserne Stange gesteckt und auf dem Brückenturm aufgerichtet. Sein Haus wurde dem Erdboden gleichgemacht, sein Vermögen konfisziert, seine Familie Landes verwiesen. Außer ihm erlitten noch Schopp, Gerngroß, Kantor, sowie drei andere Rädelsführer die Todesstrafe. Weitz kam mit einer viel milderen Strafe davon, obgleich der Urteilsspruch hervorhob, „daß man wohl die Schärfe gegen ihn vorzunehmen befugt gewesen wäre." Er hatte während der Verhandlungen durch juristische Spitzfindigkeiten die Richter vielfach irre zu führen versucht und sich schließlich, als alle Stricke zu reißen drohten, durch seinen Übertritt zum Katholizismus hohe Gönner in Wien erworben. Diese setzten schon nach zwei Jahren durch, daß die lebenslängliche Verweisung aus der Stadt, zu der verurteilt worden war, aufgehoben wurde, und er nach Frankfurt zurückkehren durfte, wie sehr auch der Rat und der Landgraf von Hessen dagegen protestierten. Außer Weitz wurde noch eine Anzahl aufrührerischer Bürger mit Ausweisung bestrast, so der Buchdrucker Sauer; die neun am stärksten Kompromittierten wurden zuvor gestäupt. Was ihnen die Strafe noch empfindlicher machte, war, daß sie die Nutenschläge angesichts der vor dem Galgenthor (Gallusthor) versammelten Juden empfingen. Nach Vollstreckung aller Strafen verlasen die Subdelegierten ein kaiserliches Mandat, laut dem „die Juden mit Weib und Kind wieder in ihre Gasse aufgenommen, alle ihre Häuser repariert, auch alles spoliierte Silber, Gold und Geschmeide u. s. w. ihnen innerhalb dreier Monate wieder zugestellt, und sie fortan bei Strafe der Acht nicht mehr molestiert werden sollten." Unter Trommeln und Pfeifen zogen hierauf Abteilungen von Fußvolk und Reiterei mit fliegenden Fahnen nach der Galgenpforte, um die Juden feierlichst einzuholen. In wohlgeordneten Reihen bewegte sich der Zug durch die Stadt. Zwei Wagen eröffneten ihn; in dem einen befand sich ein hochbetagter Greis mit schneeweißem Bart und ein Kind; in dem andern drei kaiserliche Adler, die die Aufschrift trugen: Römischer Kaiserlicher Majestät und des heiligen Reiches Schutz. Nachdem der Führer des Zuges die Adler an die drei Thore der Judengasse befestigt hatte, ließ ein höherer Beamter die Vorsteher der Juden zu sich treten, erklärte die alte Stättigkeit für erloschen und verlas eine neue Stättigkeit. Dann wurden die Thore geöffnet. Ein Trompeter

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