Programm
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- Volume
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 24)
- Language
- German
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…/3089693-3089732--0241-3091145- Visual Library
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verbarrikadierten und sich geberdeten wie Leute, die ihr Leben teuer zu verkaufen gedachten. Aber als eine Schar Bürger unter Bauers Führung anrückte, sank ihnen völlig der Mut, und sie ergaben sich. Man brachte sie in das Gefängnis an der Katharinenpforte. Fettmilchs Genossen, darunter Weitz, wurden nun gleichfalls verhastet und unter starker Bedeckung nach Aschaffenburg übergeführt, wo sie bis zum Ende der gerichtlichen Untersuchung blieben. VI. Mit größter Spannung hatten die Juden die Ereignisse verfolgt, die sich in Frankfurt seit ihrer Vertreibung abgespielt hatten. Das Jahr 1614 verstrich, ohne daß ihre Hoffnung, dorthin zurückkehren zu dürfen, sich erfüllt hätte. Wohl war nach Gefangennahme der Rädelsführer sofort Ruhe und Stetigkeit in den Verhältnissen wieder eingetreten; die Jnterimsräte hatten ihr Amt niedergelegt, und der alte Rat nahm die Zügel des Regiments, die er sich so schmählich hatte entreißen lassen, wieder in die Hand. Aber von der Zurückführung der Juden war keine Rede; die städtischen Bauherren beantragten sogar, durch Niederlegung von Häusern in der Judengasse einen Durchgang zur Allerheiligenstraße zu eröffnen, und die Bürger begannen, einzelne Gebäude in der Gasse niederzureißen und das Material für ihre Zwecke zu verwenden. Erst ein scharfes Reskript der Kommissarien that diesem Zerstörungswerk Einhalt. Freilich hielten sie einstweilen den Zeitpunkt noch nicht für gekommen, die vom Kaiser befohlene Rückführung der Juden ins Werk zu setzen, denn sie wußten, daß der Haß gegen diese bei einem Teile der Bevölkerung noch unter der Asche fortglomm. Um aber inzwischen etwas sür die Ausgewiesenen zu thun, verlangten sie von der Stadt vollständigste Entschädigung der Juden für die entwendete Habe, Wiederaufbau der demolierten Häuser und Herstellung des zerstörten Thores der Gasse. Der Rat sträubte sich ganz entschieden dagegen. Das Thor zwar wollte er wieder herstellen lassen, aber er weigerte sich, der Stadt weitere finanzielle Opfer aufzuerlegen, da sie ohnedies schon durch die seit drei Jahren währenden Unruhen in ihrer Steuerkrast völlig gelähmt sei. Noch herrsche vielfach, erklärte er den Kommissarien, eine feindselige Stimmung gegen die Juden, die man durch solche Zumutungen nicht verschärfen dürfe; es sei auch unbillig, ein ganzes Gemeinwesen für das leiden zu lassen, was einzelne unruhige Köpfe angestiftet hätten. Er thue zur Genüge seine Schuldigkeit, wenn er nach den gestohlenen Sachen sahnde und sie sich abliefern lasse; übrigens wolle er die Juden beschicken und ihnen „allerhand zu Gemüte führen", um sie zur Einstellung ihrer Forderungen zu bewegen. Die Kommissarien gaben einstweilen keine direkte Antwort auf diese Einwendungen und verlangten nur vom Rat, die Juden am Aufbau ihrer Häuser nicht zu hindern und ihnen gegen Entgelt die dazu nötigen Materialien und Handleistungen zu gewähren. Dem fügte sich auch der Rat und übergab Mitte August 1615 den Vorstehern der Gemeinde die Schlüssel zur Gasse, damit sie den Wiederaufbau der Häuser und der Synagoge, „mit der sie in Gottes Namen den Anfang machen wollten", beginnen könnten. Zur Überwachung der Arbeiten gestattete er einer beschränkten Anzahl von Juden den Aufenthalt in der Stadt. Da die Zustände noch sür zu ungesichert galten, sträubten sich die meisten, dies Amt zu übernehmen; die Vorsteher mußten 40 Familien durch das Los dazu bestimmen. Mitte September trafen diese ein und begannen unter dem Schutze einer vom Rat auf ihre Kosten gedungenen Wache die Aufräumungsarbeiten. Inzwischen war die Untersuchung gegen die Häupter der Aufständischen eingeleitet worden und nahm immer größeren Umfang an; neue Ächtungen erfolgten, weitere Verhaftungen fanden statt. Die Haltung 4