Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3089693-3089732--0240-3091144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 24 — zu verfahren, da andernfalls ihr Leben gefährdet sei. Waren sie doch noch immer Gefangene des Ausschusses, und wenn man ihnen auch jetzt etwas freiere Bewegung gestattete, so wurden sie doch noch auf Schritt und Tritt von bewaffneten Bürgern begleitet. Nur um loszukommen, unterschrieben sie, vorbehaltlich höherer Bestätigung, alle von den Aufrührerischen gestellten Forderungen. Zu diesen gehörte auch, „daß man alle der Plünderung verdächtigen Handwerker nicht durch unzeitiges Vorfordern noch mehr aufwecke, sondern sie ungeniert an ihrer Arbeit lassen solle", und daß sie „den ganzen Verlauf der Dinge ihren Herren üäslitsr also referieren sollten, daß sich die Bürgerschaft dessen zu erfreuen haben möge". Als die endlich befreiten Subdelegierten nach Aschaffenburg abreisten, gaben ihnen der Rat und der Ausschuß Schreiben an die Kommissarien mit. Der Rat suchte das Geschehene mit seiner völligen Ohnmacht zu entschuldigen; der Ausschuß erging sich in Friedensversicherungen und Ergebenheitsbezeugungen und erwähnte nebenbei auch, daß er die Subdelegierten gelegentlich eines Auflaufes in der Judengasse in seinen Schutz genommen habe. Die Kommissarien ließen Rat und Zünste nicht lange in Ungewißheit darüber, wie sie die Ereignisse beurteilten. Sie beschuldigten nicht allein die Gesellen, sondern auch deren Meister und den größeren Teil der Bürgerschaft „mit etlichem Gesindel die Gasse feindselig und friedbrüchiger Weise überfallen, Thür und Thor, Kisten und Kasten zerschlagen zu haben u. s. w. Deswegen behielten sie sich noch alle gebührenden Ahndungsmittel vor, auch der Kaiser werde schon, was seines Amtes sei, walten". Einen weiteren Grund zur Erbitterung gegen die Bürgerschaft hatten die Kommissarien durch die am 5. September erfolgte Ernennung von dreiundzwanzig neuen Ratsherren (Jnterimsräten), deren Wahl der Ausschuß auf Weitzens und Fettmilchs Drängen durchgesetzt hatte, anstatt daß endlich die alten Ratsmitglieder wieder ihre Sitze erhielten, wie es Mathias verlangt hatte. Es verging immerhin geraume Zeit, bis der Kaiser durch seine Kommissarien von der Plünderung der Judengasse und der Wahl der neuen Ratsherrn unterrichtet wurde. Doch bedurfte es gar nicht erst der Kunde von diesen beiden Gewalttaten, um endlich das Maß seines Zornes zum Überfließen zu bringen. Bereits am 4. September that er Vincenz Fettmilch, Konrad Gerngroß und Konrad Schopp in die Reichsacht, samt denjenigen, welche ihnen „Vorschub, Beifall, Beherbergung, Unterschlupf und Aufenthalt" geben würden. Aber so sehr stand noch der Rat unter dem Banne Fettmilchs und seines Anhangs, daß er nicht einmal wagte, das Ächtungsdekret nach des Kaisers Befehl öffentlich anschlagen zu lassen, geschweige denn, es zu vollstrecken. Da erkannten die Kommissarien, daß nur ein direktes Einschreiten ihrerseits den auf die Bürgerschaft ausgeübten Terrorismus zu brechen vermöge. Am 24. Oktober forderten sie nochmals im Namen des Kaisers die Zünste und Gesellschaften auf, bei Strafe der Reichsacht zu „parieren" und verliehen diesem Befehl dadurch mehr Nachdruck, daß sie unnachsichtig jeden Frankfurter Bürger verhasten ließen, der außerhalb der Stadt ohne Paritionsschein betroffen wurde. Es zeigte sich alsbald, daß der Widerstand gebrochen war. Eine Zunft nach der andern parierte, und die Häupter des Aufstandes waren in kurzer Zeit ganz isoliert. Aber noch war der an ihren Namen geknüpfte Schrecken zu lebendig; es wagte keiner, Hand an sie zu legen. So galt es als ein Zeichen hervorragenden Mutes, als am 27. November der Ratsherr Hans Martin Bauer Fettmilchs Verhaftung ins Werk setzte. Von einigen beherzten Männern begleitet, drang er in das Wirtshaus ein, wo dieser mit mehreren Genossen zechte. Ehe noch Fettmilch eine geladene Pistole aus seiner Brusttasche hervorziehen konnte, überwältigte ihn Bauer und ließ ihn gefangen nach dem Bornheimer Turm bringen. Zwar gelang es einem Pöbelhaufen, ihn zu befreien, und er warf sich mit einigen der ihm treu gebliebenen in sein Haus, wo sie sich