Programm
- Journal
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- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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— 23 — Simpl. Darauf läßt sich erwidern, daß die Luft, weil innerhalb ihrer Region Weder leicht noch schwer i,) außerordentlich geneigt ist jeden Impuls aufzunehmen und ihn ferner zu bewahren. Salv. Wenn uns aber die Pendel jetzt eben gezeigt haben, daß der Körper, je weniger er der Schwere teilhaftig ist, in um so geringerem Maße die Fähigkeit besitzt, seine Bewegung beizubehalten, wie soll die Lust, welche innerhalb der Luft gar keine Schwere hat, ganz allein die empfangene Bewegung beibehalten? Ich bin der Ansicht und weiß, auch Ihr seid jetzt der Ansicht, daß, wenn kaum der Arm stille hält, so auch die umgebende Luft sosort wieder ruhig wird. Laßt uns ins Zimmer gehen und schwenken wir ein Handtuch, um die Luft so viel wie möglich aufzurühren; sobald das Tuch dann ruhig ist, bringe man ein kleines angezündetes Kerzchen ins Zimmer oder lasse ein Blatt Flittergold fliegen. Ihr werdet dann an der ruhigen Bewegung des einen wie des anderen bemerken, wie die Luft sofort wieder stille wird. Ich könnte Euch tausend derlei Versuche anführen; aber wem ein einziger nicht schon ausreicht, an dem wäre alle Mühe verschwendet. Sagr. Wenn man einen Pfeil gegen den Wind abdrückt, wie unglaublich ist es, daß jenes schmale Streischen Lust, von der Sehne getrieben, trotz der ungünstigen Verhaltnisse den Pfeil begleitet! Aber auch ich möchte von Aristoteles über einen Umstand Ausklärung erhalten und bitte daher Signore Simplicio gütigst antworten zu wollen. Wenn mit demselben Bogen zwei Pfeile abgeschossen werden, einer in der gewöhnlichen Weise mit der Spitze nach vorne, der andere quer, indem mau ihn nämlich der Länge nach auf die Sehne legt und aus dieser Lage abschießt; dann möchte ich wissen, welcher von ihnen weiter fliegen wird. Habt die Gewogenheit mir zu antworten, wenn Euch auch vielleicht die Bitte eiu bischen lächerlich erscheint; nehmt es mir nicht übel, daß ich so ungeschickt bin und meine Spekulationen keinen höheren Aufschwung nehmen. Simpl. Ich habe niemals einen Pfeil der Quere nach abschießen sehen; trotzdem glaube ich, daß er in dieser verkehrten Lage noch nicht den zwanzigsten Teil so weit flöge als mit der Spitze nach vorn. Sagr. Weil ich derselben Meinung gewesen bin, darum habe ich Anlaß genommen, an der Übereinstimmung der aristotelischen Ansicht mit der Erfahrung zu zweifeln. Wenn ich nämlich hier auf den Tisch zwei Pfeile lege in einem Augenblicke, wo ein kräftiger Wind geht, den einen längs der Windrichtung, den anderen quer dazu, so lehrt die Erfahrung, daß der Wind diesen leicht davon trägt, jenen aber liegen lassen wird. Dasselbe, meine ich, müßte bei den zwei Bogenschüssen eintreten, wenn die Lehre des Aristoteles wahr wäre. Denn der querliegende Pfeil wird von einer großen Menge Luft getrieben, von einer so großen nämlich, als seiner Länge entspricht, während der andere nur einen Impuls empfängt von so viel Luft, wie dem ganz kleinen Querschnitte desselben entspricht. Ich kann mir nicht denken, woher diese Verschiedenheit rührt und möchte die Ursache gerne von Euch erfahren. Simpl. Sie liegt auf der Haud, dünkt mich. Der mit der Spitze uach vorn abgeschossene Pfeil hat nämlich eine geringe Menge Lust zu durchdringen, der andere hingegen eine so große Menge zu durchschneiden, als seine ganze Länge beträgt. Simplicio will sagen, die Luft innerhalb der Luft und ebenso das Wasser innerhalb des Wassers zeige kein Bestreben zu fallen. Die wahre Erklärung dieser Erscheinung wird bekanntlich durch das archimedische Princip gegeben. Über die Frage, ob ein Element „an seinem Orte" schwer sei oder nicht, waren die Peripatetiker unter einander nicht einig; Aristoteles selbst sagt übrigens im Gegensatze zu Simplicius sehr deutlich, daß dies allerdings der Fall sei - vs oosw IV, 4, 5 und IV, 5, 4.