Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3089693-3089734--0184-3091087- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
24 - Sagr. Die abgeschossenen Pfeile müssen also die Luft durchdringen? Ei, wenn die Lust sich mit ihnen bewegt, wenn sie es sogar ist, die sie dahin trügt, wie kann dann von einer Durchdringung die Rede sein? Seht Ihr nicht ein, daß in diesem Falle der Pfeil sich mit größerer Geschwindigkeit als die Lust bewegen müßte? Und wer teilt diese größere Geschwindigkeit dem Pfeile mit? Wollt Ihr behaupten, die Luft gebe ihm eine größere Geschwindigkeit, als sie selbst besitzt? Ihr seht also Signore Simplicio, die Sache verläuft gerade umgekehrt, wie Aristoteles sagt; es ist ebenso falsch, das Medium als bewegende Ursache des geworfenen Körpers zu betrachten, wie es richtig ist, daß dieses allein ihm hinderlich entgegentritt. Habt Ihr aber das begriffen, so werdet Ihr auch ohne Schwierigkeit begreifen, daß, wenn die Luft sich wirklich bewegt, sie weit besser den Pfeil der Quere als der Länge nach fortträgt. Denn jn jener Lage wird er von einer größeren, in dieser von einer ganz geringen Menge Luft getrieben. Schießt man aber mit dem Bogen, in welchem Fall die Lust unbewegt bleibt, so erfährt der querliegende Pfeil, der auf viele Luft stößt, einen bedeutenden Widerstand, der der Länge nach abgedrückte aber überwindet das Hindernis der ganz kleinen sich entgegensetzenden Luftmenge mit größter Leichtigkeit. Salv. Wie viele Behauptungen im Aristoteles habe ich bemerkt — ich meine stets nur in seiner Naturphilosophie —, die nicht nur falsch sind, sondern dermaßen falsch, daß ihr diametrales Gegenteil richtig ist, wie in diesem Falle! Um aber auf unseren Gegenstand zurückzukommen, so glaube ich, Signore Simplicio ist nunmehr überzeugt, daß aus der Beobachtung des Steines, der immer an derselben Stelle niederfällt, sich nichts betreffs der Bewegung oder der Ruhe des Schiffes schließen läßt. Und wenn das Bisherige ihn noch nicht befriedigen sollte, so bleibt ihm noch das Mittel des Experimentes, welches ihn wohl völlig vergewissern wird. Bei dessen Ausführung würde er günstigsten Falls vielleicht ein Zurückbleiben des fallenden Körpers bemerken, sobald dieser aus einem sehr leichten Stoffe besteht und die Luft der Bewegung des Schiffes nicht folgt. Wenn sich aber die Luft mit gleicher Geschwindigkeit bewegt, so wird keine denkbare Verschiedenheit weder bei diesem noch bei irgend welchem anderen Versuche stattfinden, wie ich gleichfalls auseinandersetzen werde. Wenn nun schon in diesem Falle keinerlei Verschiedenheit zu Tage tritt, was soll man erst bei dem von der Turmspitze fallenden Steine erwarten, wo die Kreisbewegung dem Steine nicht nachträglich und zufällig beigebracht wird, sondern ihm von Natur und für alle Ewigkeit zukommt, wo die Luft genau der Bewegung des Turmes und der Turm der des Erdballs folgt? Habt Ihr in dieser Sache noch eine Erwiderung vorzubringen? Simpl. Nur die eine, daß ich die Bewegung der Erde bis jetzt noch nicht erwiesen sehe. Salv. Ich habe auch gar nicht den Anspruch erhoben, sie beweisen zu wollen, sondern bloß zu zeigen, wieso aus dem Versuche, der von den Gegnern als Argument sür die Unbewegtheit der Erde beigebracht wird, sich nichts entnehmen läßt, und das nämliche gedenke ich von den anderen Versuchen nachzuweisen. Sagr. Bitte, Signore Salviati, vergönnt mir, bevor wir weiter gehen, daß ich eine Schwierigkeit aufs Tapet bringe, die mir durch den Kopf ging, während Ihr mit solcher Geduld dem Signore Simplicio den Versuch mit dem Schiffe ins einzelne zergliedert habt. Salv. Wir sind hier um uns auszusprechen, und es ist gut, wenn jeder die Schwierigkeiten vorbringt, die ihm aufstoßen, denn das ist der Weg, welcher zur Erkenntnis der Wahrheit führt. Darum sprecht Z Sagr. Wenn wirklich der Antrieb, mit welchem das Schiff sich bewegt, dem Steine unvertilgbar eingeprägt bleibt, nachdem er vom Mäste des Schiffes sich entfernt hat, und wenn überdies wirklich diese Bewegung kein Hindernis bildet für die geradlinige nach unten gerichtete natürliche Bewegung des Steines,