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Programm · 1891-01-01 · 1891 · p. Seite 22

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Journal
Programm
Volume
1891
Date
1891-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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- 22 — S i mpl. Der Werfende hat den Stein in der Hand, er bewegt mit einer gewissen Geschwindigkeit und Kraft den Arm. Dabei bewegt sich der Stein, aber ebenso die benachbarte Luft, so daß der Stein im Augenblick, wo er von der Hand losgelassen wird, sich in der Luft befindet, die selbst schon in lebhafter Bewegung begriffen ist; von dieser wird er dann dahingetragen. Wirkte die Luft nicht, so würde der Stein dem Werfenden aus der Hand vor die Füße fallen. Salv. Und Ihr seid so leichtgläubig gewesen, daß Ihr Euch dergleichen Nichtigkeiten habt einreden lassen, wahrend Ihr in Euch selbst Sinne hattet, um sie zu widerlegen und die wahre Sachlage zu begreifen? So sagt mir denn: wenn statt jenes großen Steines und jener Kanonenkugel, die, einfach auf den Tisch gelegt, trotz jedes noch so ungestümen Windes unbeweglich bleiben, wie Ihr vor kurzen! versichert habt, eine Kugel von Kork oder eine ebenso große von Baumwolle da lägen, würde sie der Wind Euerer Ansicht nach von der Stelle bewegen? Simpl. Gewiß, ich bin sogar überzeugt, daß er sie fortführen würde, und zwar um so schneller, je leichter der Stoff ist. Denn nur aus diesen! Grunde sehen wir die Wolken mit einer Schnelligkeit dahin fliegen, die dem sie treibenden Winde gleichkommt. Salv. Und was ist Wind? Simpl. Unter Wind versteht man nichts anderes als bewegte Luft. Salv. Die bewegte Luft trägt also ganz leichte Stoffe weit rascher und auf weit größere Entfernungen hin, als sehr schwere. Simpl. Gewiß. Salv. Wenn Ihr aber mit dem Arme einmal einen Stein werfen sollt und sodann eine Flocke Baumwolle, was würde sich geschwinder und in größere Ferne bewegen? Simpl. Der Stein bei weitem, die Baumwolle würde mir geradezu vor die Füße fallen. Salv. Wenn aber die Bewegungsursache des geworfenen Körpers, nachdem die Hand ihn losgelassen, nur die vom Arme bewegte Lust ist, und wenn diese besser leichte als schwere Stoffe bewegt, wie kommt es, daß das Wurfgeschoß von Baumwolle nicht weiter und schneller fliegt als das von Stein? Es muß doch im Steine noch etwas anderes sein, abgesehen von der Bewegung der Luft. Weiter denkt Euch an dem Balken dort oben zwei gleich lange Fäden herabhängen, am Ende des einen sei eine Bleikugel, am anderen eine Kugel aus Baumwolle befestigt. Angenommen man entfernte beide gleich weit aus der lotrechten Lage und überließe sie sodann sich selbst, so würden sich beide unzweifelhaft gegen die lotrechte Lage hinbewegen, von dem eigenen Antrieb um eine gewisse Strecke darüber hinausgeführt werden und endlich in sie zurückkehren. Welches von beiden Pendeln aber würde nach Euerer Meinung sich länger bewegen, bevor es in die lotrechte Ruhelage zurückkehrt? Simpl. Die Bleikugel wird tausendmal hin und hergehen, die baumwollene zwei oder dreimal höchstens. Salv. Mithin erhält sich jener Antrieb, jene Beweglichkeit, was auch die Ursache davon sein mag, länger in schweren als in leichten Körpern. — Ich komme nun auf einen anderen Punkt und frage Euch : warum trägt jetzt die Luft nicht die Citrone dort aus dem Tische weg? Simpl. Weil die Luft selbst sich nicht bewegt. Salv. Der Werfende muß also der Luft eine Bewegung mitteilen, vermöge deren nachher diese den geworfenenen Körper bewegt. Wenn aber eine solche Kraft sich nicht einprägen läßt, da ein Zustand nicht von einem Subjekte auf ein anderes übergehen kann, wieso kann da ein Übergang vom Arme aus die Luft stattfinden? Ist die Luft etwa kein vom Arme verschiedenes Subjekt?

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