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Programm · 1891-01-01 · 1891 · p. Seite 21

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Programm
Volume
1891
Date
1891-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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— 21 — da sie dem Aristoteles schnurstracks widerspricht. Ihr betrachtet es nämlich als notorisch und offenbar, daß der geschleuderte Körper, losgelassen vom Schleudernden, seine Bewegung fortsetzt vermöge der ihm von dem Schleudernden selber eingeprägten Kraft. Diese eingeprägte Kraft aber ist in der Penpaletischen Philosophie etwas ebenso Verpöntes wie die Übertragung eines Zustandes von einem Subjekt aus ein anderes. Jene Schule hält vielmehr daran fest, wie Euch bekannt sein wird, daß der geschleuderte Körper von dem Medium getragen wird, welches in unserem Falte die Luft ist^.) Wenn daher der von der Mastspitze abgelassene Stein der Bewegung des Schiffes folgen sollte, so müßte man diese Thatsache auf die Luft zurückführen, nicht auf eine ihm eingeprägte Kraft. Ihr nehmt aber an, die Luft folge nicht der Bewegung des Schiffes, sondern sei ruhig. Überdies soll die Person, die ihn fallen läßt, ihn nicht schleudern, noch ihm vermöge des Armes einen Antrieb mitteilen, sondern einfach die Hand öffnen und ihn loslassen. So wird also der Stein weder infolge einer von der Hand des Werfenden mitgeteilten Kraft noch infolge einer Mitwirkung der Luft der Bewegung des Schiffes folgen können, er wird also zurückbleiben müssen. Salv. Ich glaube Euren Worten entnehmen zu müssen, daß, weun der Stein nicht von jemandes Arme geschleudert wird, seine Bewegung unter keinen Umständen ein Wurf sein könne? Simpl. Man kann dann von einer eigentlichen Wurfbewegung nicht sprechen. Salv. Demnach hat das, was Aristoteles von der Bewegung des Körpers und von der bewegenden Ursache des Geworfenen sagt, mit unserem Gegenstande nichts zu thun; und hat es nichts damit zu thun, warum führt Ihr es an? Simpl. Ich führe es an, anläßlich jener eingeprägten Kraft, die Ihr erwähnt und benutzt habt. Da diese aber in der Welt nicht existiert, so kann sie nichts wirken, denn iwn entiuitl unll^ >«utt oi'^lcUioue^^.) Man muß daher nicht nur bei der Wursbewegung, sondern bei jeder anderen nicht natürlichen die bewegende Ursache in dem Medium suchen. Tarauf ist nicht die gebührende Rücksicht genommen, uud daher ist das bisher vorgebrachte nicht beweiskräftig. Salv. Gut denn, es sei! Sagt mir jedoch: da Eller Einwand sich durchaus auf das Nichtvorhandensein einer eingeprägten Kraft gründet, werdet Ihr dann, wenn ich den Beweis erbringe, daß nach dem Loslassen des geworfenen Körpers das Medium nichts mit der Fortsetzung der Bewegung zu thun hat, das Vorhandensein einer eingeprägten Kraft anerkennen, oder werdet Ihr mit anderen Mitteln einen Feldzug zu ihrer Vernichtung unternehmen? Simpl. Nach Beseitigung der Wirkung des Mediums sehe ich nichts, wozu man seine Zuflucht nehmen könnte, außer zu der vom Werfenden eingeprägten Kraft. Salv. Um soviel wie möglich ein endloses Hinnnd Widerreden abzuschneiden, wird es gut sein, wenn Ihr möglichst deutlich auseinandersetzen wolltet, in welcher Weise das Medium die fortgesetzte Bewegung des geworfenen Körpers bewirkt. Über die aristotelische Begründung des Beharrens der Bewegung vgl. Zeller, Philosophie der Griechen. Z. Aufl. 2. Teil, 2. Abt. 356. Zeller übersieht indessen, daß Aristoteles das Fortbestehen der Bewegung nur in dem Falle auf die Berührung oder auf die Wirksamkeit eines Mediums zurückführt, wo es sich um „gewaltsame" Bewegungen handelt; die „natürlichen" Bewegungen 5er Elemente hingegen gehen bei ihm aus immanenten Triebeil hervor, Bew?gtes und Bewegendes sind in diesem Falle gewissermaßen identisch. Eine .Hauptstelle, an der Ariswteles seine Ansichten über diesen Punkt am klarsten darlegt, ist von Zeller nicht berücksichtigt worden: Do coe'o III, 2, N. — Die Widerlegung dieser aristotelischen L'.hre gehört zu den glänzendsten Partieen des Dialogs; es ist aber nicht zu vergessen, daß Galilei hier einen bedeutenden Vorgänger hatte. Giambattista Benedetti (1530—1590^ -) „Was nicht ist, übt keine Wirkung aus." Vgl. ^.N8t. Newpk. II, 4, 4.

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