Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3089693-3089734--0179-3091082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 19 - Ebene über eine um so größere Strecke, je geringer die Erhebung ist. Nun sagt mir, was mit dem nämlichen Körper auf einer Fläche geschähe, die weder abschüssig ist, uoch ansteigt? Simpl. Hier muß ich mich ein wenig auf die Antwort besinnen. Da keine Abschüssigkeit vorhanden ist, so kann kein natürlicher Trieb zur Bewegung vorhanden sein; da auch kein Ansteigen stattfindet, so liegt kein Widerstand gegen die Bewegung vor; der Körper muß mithin unterschiedslos weder einen Hang sich zu bewegen, noch ein Widerstreben gegen die Bewegung besitzen. Er muß also, wie mir scheint, von Natur aus ruhen. — Aber wie vergeßlich ich bin! Es ist noch nicht lange her, daß Signore Sagredo mir erklärt hat, dies müsse der Fall sein^.) Salv. Das ist auch meine Ansicht, vorausgesetzt, daß man ihn ruhig hinlegte. Wenn man ihm aber einen Austoß nach irgend welcher Richtung gäbe, was würde geschehen? Simpl. Ich kann weder einen Grund für eine Beschleunigung noch für eine Verzögerung entdecken, da weder ein Abnoch ein Ansteigen stattfindet. Salv. Gut; wenn aber kein Grund für eine Verzögerung vorliegt, so kann um so weniger ein solcher für ein völliges Stillestehen vorliegen. Wie lange muß demnach der Körper fortfahren sich zu bewegen? Simpl. Solange als die Ausdehnung dieser weder steilen noch geneigten Fläche vorhält. Salv. Wäre diese Länge also unbegrenzt, so würde die Bewegung auf ihr gleichfalls ohne Grenzen sein, d. h. ewig, nicht wahr? Simpl. So scheint es mir allerdings, vorausgesetzt daß der Körper von dauerhaftem Stoff wäre. Salv. Das ist ja insofern vorausgesetzt, als wir sagten, es sollten alle zufälligen, äußerlichen Hindernisse entfernt werden; die Zerstörbarkeit des Körpers aber ist in diesem Falle eines der zufälligen Hindernisse. Sagt mir nun: was ist Euerer Ansicht nach die Ursache, daß die Kugel auf der geneigten Ebene freiwillig, auf der ansteigenden hingegen nur gezwungen sich bewegt? Simpl. Der Grund ist der, daß der Trieb der schweren Körper darauf gerichtet ist, sich nach dem Mittelpunkte der Erde hinzubewegen, daß dieselben aber aufwärts nach dem Umfange des Weltalls hin sich nur gezwungen bewegen. Die geneigte Ebene aber bewirkt Annäherung an den Mittelpunkt, die ansteigende Entfernung von demselben ^.) Salv. Eine Flüche, welche weder abschüssig noch ansteigend ist, muß also in allen ihren Teilen gleich weit entfernt vom Mittelpunkte sein. Giebt es denn nun solche Flächen in der Welt? Simpl. Daran fehlt es nicht. Da habt Ihr die unseres Erdballs, vorausgesetzt daß sie vollkommen glatt wäre, und nicht rauh und gebirgig, wie sie es thatsächlich ist; sodann aber die Wasseroberfläche, solange sie unbewegt und ruhig ist. Salv. Ein Schiff, welches bei Meeresstille dahinfährt, gehört mithin zu den Körpern welche über eine weder steile, noch abschüssige Fläche der besprochenen Art sich fortbewegen. Es ist daher bestredt, nach Es war dies in den Gesprächen des ersten Tages geschehen. 2) Diese Art der Begründung weist deutlich daraus hm, daß, wie oben bemerkt, Galilei nicht sowohl dem eigentlichen Beharrungsgesetze ans die Spur gekommen ist, sondern vielmehr dem Satze, daß ein Körper aus einer Potentialfläche sich mit gleichförmiger Geschwindigkeit längs einer kürzesten Linie bewegt, wenn er nur unter dem Einfluß der Potentialkräfte steht und gezwungen ist auf der Potentialfläche zu verbleiben. Freilich sind dann die späteren Folgerungen aus diesem Gesetze, soweit sie sich auf den freien Fall und die Wurfbewegungen beziehen, nicht oollig legitim; denn bei diesen Bewegungen ist der fallende Körper nicht gezwungen, auf derselben Potentialfläche zu verharren.