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Programm · 1891-01-01 · 1891 · p. Seite 18

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Journal
Programm
Volume
1891
Date
1891-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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— 18 — Salv. Habt wohl acht, was Ihr sagt, Signore Simplicio; ich bin nämlich überzeugt, daß er überall ruhen würde, wohin Ihr ihn auch legtet. Simpl. Wenn Ihr Euch auf eine solche Art von Annahmen stützt, dann fange ich an zu begreifen, warum Ihr zu grundfalschen Ergebnissen gelangt. Salv. Ihr haltet es also für ausgemacht, daß die Kugel sich von selbst nach der geneigten Seite bewegen würde? Simpl. Welche Frage? Salv. Und Ihr haltet das für feststehend, nicht weil ich es Euch gelehrt hätte — ich suchte Euch ja das Gegenteil einzureden — sondern aus freiem Antrieb, nach Euerem gesuuden Menschenverstände? Simpl. Jetzt verstehe ich Eueren Kunstgriff; Ihr habt nur so geredet, um mich kirre zu machen, wie das Volk sagt, nicht weil Ihr selbst so dächtet. Salv. So ist's. Wie lange und mit welcher Geschwindigkeit würde nun die Kugel fortfahren sich zu bewegen? Beachtet, daß ich von einer vollkommen runden Kugel und einer ausgezeichnet glatten Ebene gesprochen habe, um damit alle äußeren und zufälligen Hindernisse auszuschließen. Ebenso möchte ich denn auch, daß Ihr von der Lust abseht, welche insofern ein Hindernis bildet, als sie dem Durchschneiden einen Widerstand entgegensetzt, desgleichen von allen anderen zufälligen Hemmnissen, wenn etwa solche vorhanden sein sollten. Simpl. Ich habe das alles ganz gut verstanden. Euere Frage anlangend, antworte ich: sie würde ins unendliche fortfahren sich zu bewegen, wenn die Neigung der Ebene so lange vorhielte und zwar in stetig beschleunigter Bewegung. Denn wie die Natur der schweren Körper es mit sich bringt: vires ao^ii'unt sunäo^.) Dabei wird die Geschwindigkeit um so größer sein, je stärker die Neigung der Ebene ist. Salv. Wenn man aber wollte, daß die Kugel aus der nämlichen Ebene sich nach oben bewegte, würde sie das Euerer Meinung nach thun? Simpl. Freiwillig nicht; wohl aber, wenn man sie gewaltsam hinauf schiebt oder stößt. Salv. Und wenn sie nun vermöge eines gewaltsam ihr mitgeteilten Anstoßes hinausgetrieben würde, wie beschaffen und von wie langer Dauer würde ihre Bewegung dann sein? Simpl. Die Bewegung würde immer mehr ermatten und sich verzögern, weil sie naturwidrig ist; sie würde ferner länger oder kürzer andauern je nach der Stärke des Impulses und nach dem Grade der Steilheit. Salv. Ihr habt also bis jetzt, wie mir scheint, das Verhalten eines bewegten Körpers auf zwei verschiedenen Ebenen geschildert. Auf der geneigten Ebene, sagtet Ihr, bewegt sich der schwere Körper freiwillig abwärts in beständig beschleunige Bewegung, und um ihn dort in Ruhe zu halten, muß man Kraft anwenden; bei der aufsteigenden Ebene, aber ist Kraft notwendig, um ihn vorwärts zu treiben und ebenso auch, um ihn darauf festzuhalten. Die ihm mitgeteilte Bewegung, sagtet ihr ferner, vermindert sich in diesem Falle beständig und hört schließlich ganz auf. Weiter behauptet Ihr noch, daß in dem einen wie in dem anderen Falle es einen Unterschied macht, ob die Abschüssigkeit oder Steilheit größer oder geringer ist, in der Weise, daß größere Abschüssigkeit auch größere Geschwindigkeit bedingt; umgekehrt hingegen bewegt sich der gleiche Körper unter Einwirkung der gleichen Kraft auf der ansteigenden ') „Neue Kräfte erwerben sie im Laufe"; mit Bezugnahme auf VirZ. ^.su. IV, 175.

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