Programm
- Journal
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- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
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— 17 Salv. Daß jene Autoren ihn möglicherweise anführen, ohne ihn angestellt zu haben, dafür seid Ihr selbst ein klassischer Zeuge. Denn ohne ihn angestellt zu haben, citiert Ihr ihn als sicher und verlaßt Euch in gutem Glauben auf ihr Wort. Ebenso haben möglicher-, ja notwendigerweise auch jene gehandelt, sich nämlich auf ihre Vorgänger verlassen, ohne daß man jemals auf einen käme, der den Versuch wirklich angestellt hätte; denn jeder, der das thut, wird finden, daß sich das gerade Gegenteil von dem ergiebt, was man geschrieben liest. Man wird nämlich zum Ergebnis kommen, daß der Stein stets an derselben Stelle des Schiffes niederfällt, mag dieses feststehen oder sich mit beliebiger Geschwindigkeit bewegen. Da aber die Erde und das Schiff gleiches Verhalten aufweisen müssen, so läßt sich aus dein lotrechten Falle des Steines uud dem Aufschlag am Fuße des Turmes nichts über Bewegung und Ruhe der Erde ermitteln. Simpl. Wenn Ihr mich nicht auf deu Weg des Versuchs verwiesen hättet, so würde nach meiuer Meinung unser Hin- und Widerreden so bald noch kein Ende nehmen. Denn mir scheint diese Frage für menschliche Spekulation so unzugänglich, daß hier niemand sich erkühnen kann, etwas zu glauben oder zu vermuten. Salt). Und doch erkühne ich mich das zu thun. Simpl. Ihr hättet also nicht nur nicht huudertmal, sondern auch nicht einmal die Probe daraus gemacht und seid doch des Erfolges ohue weiteres sicher? Ich kehre zu meiuem Unglauben und meiner anfänglichen Uberzeugung zurück, daß die hauptsächlichsten Autoreu, welche den Versuch anführeu, ihn auch angestellt haben und zwar mit dem von ihnen angegebenen Erfolge. Salv. Ich bin ohne Versuch gewiß, daß das Ergebnis so ausfällt, wie ich Euch sage, denn es muß so ausfallen. Ja noch mehr, ich behaupte, Ihr selbst wißt ebenfalls, daß der Ausfall kein anderer sein kaun, wenn Ihr Euch auch stellt oder vorgebt Euch zu stellen, als wüßtet Ihr es nicht. Ich verstehe aber das Haudwerk, mit Gehirnen umzugehen so meisterlich, daß ich Euch gewaltsam ein Geständnis entreißen werde. Aber Signore Sagredo, Ihr seid so stille, und doch schien mir nach Euerer Gebärde, als wolltet Ihr etwas sageu. Sagr. Ich wollte wirklich eine Bemerkung machen; aber Euere Äußerung, Ihr wolltet Signore Simplicio dermaßen Gewalt anthun, daß er sein absichtlich verstecktes Wissen offenbare, Hai mich neugierig gemacht und jeden anderen Wunsch in mir erstickt. Ich bitte Euch also. Euer Rühmen wahr zu machen. Salv. Wenn nur Signore Simplicio die Güte haben will, auf meine Fragen zu autworten, so soll es an mir nicht fehlen. Simpl. Ich werde antworten, was ich weiß und bin sicher nicht in Ungelegenheiten zu kommen. Denn von dem, was ich für falsch halte, kann ich meines Bedünkens nichts wissen; hat doch alles Wisseil die Wahrheit und nicht den Irrtum zum Gegenstand. Salv. Ich wünsche nicht, daß Ihr sagt oder antwortet, Ihr wüßtet irgend etwas, was Ihr nicht völlig sicher wißt. Sagt mir also: wenn Ihr eine ebene, völlig glatte, spiegelähnliche Fläche habt, von stahlhartem Stosse, die nicht horizontal, sondern etwas geneigt ist und Ihr legt einen vollkommen kugelförmigen Ball darauf, aus schwerem, sehr hartem Stoffe, etwa aus Bronze, was würde er sich selbst überlassen. Euerer Ansicht nach thun? Meint Ihr nicht auch, wie ich, er würde ruhig liegen bleiben? Simpl. Und die Fläche soll geneigt sein? Salv. Freilich, diese Voraussetzung habe ich ja gemacht. Simpl. Keineswegs glaube ich, daß er liegen bleibt; im Gegenteil, ich bin völlig gewiß, daß er sich von selbst nach der geneigten Seite bewegen würde.