Programm
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- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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— 16 fall seine Entscheidung treffen. Inzwischen scheinen bei dem Schiffe die Thatsachen einstweilen für unsere Meinung zu sprechen. Salv. Mit Recht sagt Ihr „einstweilen", denn binnen kurzem dürste die Sache ein anderes Ansehen gewinnen. Um Euch nun nicht länger, wie man sagt, auf die Folter zu spannen, sagt mir, Signore Simplicio: glaubiet Ihr wirklich von Grund der Seele, der Versuch mit dem Schiffe passe so genau auf unseren Fall, daß man vernünftigerweise beim Erdball ein entsprechendes Ergebnis wie dort zu erwarten habe? Simpl. Bisher habe ich das allerdings geglaubt; und obgleich Ihr etliche unbedeutende Verschiedenheiten aufgezählt habt, scheinen sie mir doch nicht so ausschlaggebend, um mir meine Meinung zu benehmen. Salv. Es ist mir sogar sehr lieb, wenn Ihr bei ihr verharrt und daran festhaltet, daß die Erscheinungen bei der Erde analog denen beim Schiffe sein müssen. Nur laßt Euch nicht die Laune anwandeln, Euere Meinung zu ändern, wenn sie sich als unverträglich mit Eueren Zwecken erweisen sollte. Ihr sagt: weil bei ruhendem Schiffe der Stein am Fuße des Mastes niederfällt, bei bewegtem hingegen vom Fuße entfernt, so läßt sich umgekehrt schließen, daß, wenn der Stein am Fuße niederfällt, das Schiff stille steht, wenn er aber entfernt davon niederfällt, daß es sich bewegt. Da nun, was beim Schiffe gilt, auch bei der Erde eintreten muß, so folgt aus dem Niederfallen des Steines am Fuße des Turmes mit Notwendigkeit die Unbeweglichkeit des Erdballs. Ist das nicht Euer Beweis? Simpl. Ja, und zwar in gedrängter Fassung, was sehr zur Erleichterung des Verständnisses beiträgt. Salv. Nun sagt mir: wenn der von der Spitze des Mastes abgelassene Stein auch bei dem rasch bewegten Schiffe genau an derjenigen Stelle des Schisses niederfiele, wohin er bei dem ruhenden Schiffe auftrifft, welchen Wert würden dann diese Fallversuche für die Entscheidung der Frage haben, ob das Schiff feststeht oder fährt? Simpl. Absolut keinen. Ebenso z. B. wie aus dem Schlagen des Pulses sich nicht erkennen läßt, ob jemand schläft oder wacht, weil der Puls in gleicher Weise bei Schlafenden wie bei Wachenden schlägt. Salv. Sehr wohl. Habt Zhr jemals den Versuch mit dem Schiffe angestellt? ^) Simpl. Ich habe es nicht gethan, wohl aber, denke ich, haben die Schriftsteller, welche ihn anführen, sich sorgfältig mit ihm beschäftigt. Überdies liegt die Ursache der Verschiedenheit so sehr auf der Hand, daß kein Raum zum Zweifel bleibt. i) Man könnte die Frage aufwerfen, ob Galilei jemals den Versuch anstellte. Aus der Darstellung im Dialog scheint sehr bestimmt hervorzugehen, daß dies nicht der Fall ist. Da Galilei aber anderwärts (in dem Briefe an Jngoli) ausdrücklich das Gegenteil versichert, so muß man dieser Versicherung Glauben schenken, wiewohl es zu bedauern bleibt, daß er nicht detaillierteren Bericht gegeben hat, namentlich darüber, inwieweit der Luftwiderstand die Ergebnisse modifizierte. Später (Z.640) hat Gassendi Versuche in dieser Richtung gemacht und beschrieben (6asZsnäi, äs motu a wotors ti-anslato in den OMseula. püiloZopliiea. I^Aänni 1658. xZ. 478 ff.). Auch in Italien hat Giovanni Cotunio, Lektor an der Universität zu Bologna, auf schnell fahrenden Schiffen Pfeile senkrecht in die Höhe geschossen, gelangte aber angeblich zu widersprechenden Ergebnissen (Oniaramonti, Vik68a. al suo ^utitioovs.?irsn26 1633 338). Übrigens war den Matrosen längst bekannt, wie sich die Sache verhält. Der von Galilei ausgesprochene Tadel, daß die Gegner des Kopernikus Versuchsergebnisse als ihrer Sache günstig hinstellten, ohne die Versuche je ausgeführt zu haben, richtet sich vornehmlich gegen Tycho de Brahe. (Vgl. Iz^Iio äs Lraus, Lpitzwias aKtrovomieas. VranibuiZi 1596. xZ. 190).