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Programm · 1891-01-01 · 1891 · p. Seite 15

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Journal
Programm
Volume
1891
Date
1891-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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— 15 — stets nach, in welche Lage er auch verseht werden mag. Um Euch davon Zu überzeugen, müßt Ihr nur aus Euerem Geiste das eingewurzelte Vorurteil ausrotten und Euch sagen: ich habe bis jetzt gemeint, es sei eine Eigenschaft der Erde, ohne Drehung um ihren Mittelpunkt festzustehen; darum habe ich niemals eine Schwierigkeit oder einen Widerspruch in der Vorstellung gefunden, daß auch jedes ihrer Teilchen von Natur in derselben Ruhe verharrt. Wenn aber der natürliche Trieb des Erdballs darauf gerichtet sein sollte, in 24 Stunden eine Drehung auszuführen, so muß ebenso andererseits jeder seiner Teile die unwandelbare, von Natur eingepflanzte Neigung haben, nicht festzustehen, sondern die gleiche Bewegung mitzumachen. Ohne jedweden Anstoß wird man daher schließen dürfen: Da die Bewegung, welche dem Schiffe durch die Kraft der Nuder mitgeteilt wird und welche sich von diesem auf alle darin befindlichen Dinge übertrügt, nicht eine natürliche, sondern fremdartige ist, so muß allerdings jener Stein, sobald er mit dem Schiffe nicht mehr verbunden ist, seine ursprüngliche Natur wieder annehmen und einzig und allein der ihm natürlichen Bestimmung obliegen. Dazu kommt noch, daß notwendig wenigstens der Teil der Atmosphäre, der unterhalb der höchsten Gebirgserhebungen liegt, durch die Unebenheit der Erdoberfläche mitgerissen und in drehende Bewegung versetzt wird, oder wegen seiner Vermischung mit reichlichen Dämpfen und irdischen Ausdünstungen schon von Natur die tägliche Bewegung mitmacht, während etwas Entsprechendes von der Luft in der Nähe des Schiffes nicht gilt. Daher ist der Schluß von dem Schiffe auf den Turm nicht beweiskräftig. Der von der Mastspitze ausgehende Stein tritt nämlich in ein Medium ein, welches die Bewegung des Schiffes nicht mitmacht; der Stein aber, der von der Turmspitze aus sich in Bewegung setzt, befindet sich in einem Medium, das dieselbe Bewegung wie der ganze Erdball besitzt, so daß er, ohne von der Luft behindert zu sein, von deren Bewegung im Gegenteile gefördert wird und umsomehr dem allgemeinen Laufe der Erde folgen kann. Simpl. Ich begreise nicht, wie die Luft im Stande sein soll, einem mächtigen Steinblock, einer dicken eisernen oder bleiernen Kugel, welche z. B. zweihundert Psund wiegt, die Bewegung einzuprägen, in welcher sie selbst begriffen ist uud welche sie allerdings ganz leichten Gegenständen, wie etwa einer Feder oder einer Schneeflocke, wirklich mitteilt. Die Erfahrung belehrt mich im Gegenteile, daß ein Gewicht von jener Größe, auch dem stürmischsten Winde ausgesetzt, dennoch keinen Finger breit bewegt wird: stellt Euch darnach vor, ob die Luft es mit sich fortzutragen vermag. Salv. Zwischen Euerer Beobachtung und unserem Falle herrscht eine große Verschiedenheit. Ihr laßt den Wind auf den in Ruhe befindlichen Stein einwirken, wir aber lassen die Luft, die sich bereits bewegt, auf deu Stein einwirken, der sich gleichfalls mit der nämlichen Geschwindigkeit bewegt. Die Luft braucht ihm also nicht erst eine neue Bewegung mitzuteilen, sondern bloß die vorhandene zu unterstützen oder, besser gesagt, nicht zu stören. Ihr wollt den Stein in eine fremdartige, seiner Natur nicht angemessene Bewegung verfetzen, wir ihn in seiner natürlichen erhalten. Wenn Ihr ein passenderes Beispiel vorbringen wolltet, müßtet Ihr sagen, man solle beobachten, wenn nicht mit leiblichen, so doch mit geistigen Augen, was eintreten würde, wenn ein von der Kraft des Windes getragener Adler aus seinen Klauen einen Stein fallen ließe. Dieser ist in dem Augenblick, wo ihn die Krallen loslassen, schon mit derselben Geschwindigkeit wie der Wind dahingeflogen und tritt nach feiner Loslösung in ein ebenso schnell bewegtes Medium ein; deswegen hege ich starken Verdacht, daß man ihn nicht lotrecht herabfallen sähe, sondern daß er gleichzeitig der Richtung des Windes und überdies der seiner eigenen Schwere folgen, daß er demnach eine schräge Bewegung ausführen würde. Simpl. Man müßte in der Lage sein, einen solchen Versuch anzustellen und je nach dem Aus-

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