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Programm · 1891-01-01 · 1891 · p. Seite 9

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Programm
Volume
1891
Date
1891-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Salv. Denkt Ihr nicht auch an die Voraussagungen der Astrologen, die aus dem Horoskop, d. h. aus der Stellung der Gestirne, nachträglich so klar herauszulesen sind?^) Sagr. Ebenso steht es mit der Entdeckung der Alchymisten^), daß in Wahrheit alle die erhabensten Geister der Menschheit, geleitet von dem wimoi' inölanoliolieus, über nichts geschrieben haben, als über die Kunst, Gold zu machen. Um nun aber diese zu lehren, ohne sie allem Volke zu verraten, habe einer diese, der andere jene Weise ausgeheckt, um unter mancherlei Einkleidung das Geheimnis anzudeuten. Nichts ist lustiger, als ihre Kommentare zn den alten Dichtern zu hören, in welchen sie die wichtigsten Mysterien, versteckt im Gewände der Fabeln, aufspüren: was die Liebeshändel der Mondgöttin bedeuten, ihr Herniedersteigen zur Erde um Endymions willen, ihr Zorn gegen Aktäon; wann Jupiter sich in einen Goldregen, wann in glühende Flammen verwandelt, welche tiefen Kuustgeheimnisse in jenem ^lereurwö Int6i-xi'6L stecken, in jenen Entführungen durch Pluto, in jenen goldenen Zweigen. Simpl. Ich glaube und bin in manchen Fällen gewiß, daß es nicht an recht wunderlichen Köpfen fehlt; aber deren Albernheiten dürfen nicht zu Ungunsten des Aristoteles ausgebeutet werden, von dem Ihr, wie mich dünkt, bisweilen mit zu wenig Achtung spricht. Das bloße Alter und der große Ruf, den er sich nach dem Urteile so vieler ausgezeichneter Männer erworben hat, sollten genügen, um ihu achtungswert in den Augen aller Gelehrten erscheinen zu lassen. Salv. So liegt die Sache nicht, Signore Simplicio. Einige seiner Anhänger sind gar engherzig; sie lassen sich schon herbei, sein Ansehen zu schmälern, oder vielmehr sie würden es ganz gerne thun, wenn man uur ihren Nichtigkeiten Beifall zollen wollte. Ihr aber, sagt mir mit Vergunst, seid Ihr wirklich so einfaltig, um nicht einzusehen, daß, wenn Aristoteles zugegen gewesen wäre, wie er von dem Doktor zum Ersinder des Fernrohrs gemacht wurde, er weit mehr über den Doktor aufgebracht gewesen wäre, als über die, welche den Doktor und seine Auslegungsweise verlachten? Zweiselt Ihr etwa, daß Aristo- ^) Zur Zeit Galileis stand die Astrologie, o. h. die angebliche Kunst aus der Sellung der Gestirne aus mensch - liche Schicksale zu schließen, in hohem Ansehen. Man wendete die Regeln der Astrologie nun auch häufig auf die Vergangenheit an, indem man z. B. das Horoskop bedeutender Männer der Geschichte sür die Stunde ihrer Geburt stellte und daraus ihre Lebensdauer u. s. w. berechnete. Diese Prophetieen sx post sielen begreiflicherweise stets richtig aus, wie Galilei spöttisch bemerkt. — Am 1. April 1631 wurde eine päpstliche Bulle gegen die ^Lti-oloZi juäieiaiü erlassen; es scheint, daß Galilei teilweise mit Rücksicht darauf die vorliegende Stelle in sein 1630 drucksertig gewordenes Manuskript eingeschoben hat; denn kurz nach Erlaß jener Bulle war der Druck des Dialogs bis hierher sortgeschritten, wie aus dem Briese Galileis an Marsili vom 20. März 1631 hervorgeht (0p. VI, 378). 2) Unter Alchymie wird bekanntlich die angebliche Wissenschaft des Goldmachens verstanden, welche ebenso wie die Astrologie im 16. und 17. Jahrhundert eisrig in allen Teilen Europas gepflegt wurde. Die folgende Stelle bietet nach verschiedenen Richtungen Schwierigkeiten für die Erklärung. Was bedeutet der zu Anfang erwähnte unrnoiinölaiKZNolious? Prof. Kopp in Heidelberg, der vortreffliche Kenner der Geschichte der Chemie, teilt mir mit, daß eine allgemeiner anerkannte, svecifisch alchymistische Bedeutung des nunior uislanLQolious ihm nicht bekannt sei. Herr vr. Wohlwill in Hamburg erinnert an das alte Wort: msllmelloliei önrck InZsQiosi. — Die Deutung von Sagen des Altertums in alchymisüschem Sinne war zu jener Zeit sehr gebräuchlich; interessante Mitteilungen darüber bei Kopp, Beiträge zur Geschichte der Chemie I. Stück pg'. 12—20. Die Hinweisungen Galileis beziehen sich teilweise auf allbekannte Mythen. Was aber ist mit der Verwandlung Jupiters in glühende Flammen gemeint (Semelesage?), was mit jenem Nsrourius IntsrxrsL? Ist letzteres eine Anspielung aus den Vater der Alchymie, jenen Hermes, nach welchem sie auch die hermetische Kunst genannt wird? Sind die „goldenen Zweige", die bei Virgil (^.6Q. VI, 136 ff.) erwähnten, deren Aeneas zum Eintritt in die Unterwelt bedars, oder liegt eine Bezugnahme aus die goldenen Äpfel der Hesperiden vor? Vielleicht sind Galileis Anspielungen durch den 1614 verstorbenen Alchymisten Antonio Neri provociert, von dessen Tinktur der damalige Großherzog von Toskana den Rest geerbt haben soll. Vgl. Edelgebohrene Jungfrau Alchymia (Tübingen 1730) PZ. 255.

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