Programm
- Journal
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- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Ganze? darum muß man diese Stelle mit jener kombinieren, diesen Paragraphen mit jenem ganz entlegenen dergleichen. Es ist kein Zweifel, daß, wer diese Kunst versteht, aus seinen Büchern die Beweise für alles Erkennbare schöpfen kann; denn in ihnen ist alles enthalten. Sagr. Aber, lieber Signore Simplicio, wenn Euch das Durcheinanderwürfeln des Stoffes nicht verdrießt und Ihr durch Vergleich und Kombination einzelner Splitterchen die Quintessenz zu erlangen vermeint, so will ich die Prozedur, die Ihr und Euere wackeren Kollegen mit dem Texte des Aristoteles vornehmt, mit den Versen Virgils oder Ovids anstellen, will einen Flicken daraus auf den anderen sehen und damit alle menschlichen Angelegenheiten und Geheimnisse der Natur erklären. Doch wozu brauche ich Virgil oder einen anderen Dichter? Ich besitze ein weit kürzeres Büchlein als den Aristoteles und den Ovid, worin alle Wissenschaften enthalten sind und wovon man mit geringster Mühe die vollkommenste Übersicht erlangen kann; es ist das Alphabet. ^) Kein Zweifel, durch richtige Anordnung und Verbindung dieses und jenes Vokals mit dem und jenem Konsonanten kann man die zuverlässigste Auskunft über jeden Zweifel erhalten, kann die Lehren aller Wissenschaften, die Regeln aller Künste gewinnen; gerade wie der Maler bloß verschiedene Farben mischt, die getrennt auf der Palette liegen, von dieser ein bißchen und von jener ein wenig, und daraus Menschen, Pflanzen, Bauten, Vögel, Fische bildet, kurz, alles Sichtbare nachahmt, ohne daß er auf seiner Palette Augen, Federn, Schuppen, Blätter oder Steine hätte. Ja es darf sogar keines der nachzuahmenden Dinge, noch auch Teile eines solchen sich wirklich bei den Farben befinden, wenn man damit alles soll darstellen können. Wären z. B. Federn dabei, so könnte man sie nur gebrauchen, um Vögel oder Flederwische abzumalen. Salv. Ich kenne einige Edelleute, noch heute frisch und gesund, welche zugegen waren, wie ein Doktor an einer berühmten Hochschule, als er das von ihm noch nicht gesehene Fernrohr beschreiben hörte, sagte, die Erfindung sei dem Aristoteles entnommen. Als er sich einen Text hatte bringen lassen, suchte er eine gewisse Stelle auf, wo die Gründe abgehandelt werden, infolge deren vom Boden eines sehr tiefen Brunnens die Sterne bei Tag am Himmel gesehen werden können. Er sagte zu den Umstehenden: Hier habt Ihr den Brunnen, er ist das Rohr; hier die dichten Dämpfe, ihnen ist die Erfindung der Linsen nachgebildet; hier habt Ihr endlich die Verstärkung der Sehkraft beim Durchgang der Strahlen durch ein dichteres, dunkeles und durchsichtiges Mittels) Sagr. Diese Manier, alles Erkennbare zu umfassen, ist ähnlich der, wonach ein Marmorblock eine oder tausend der herrlichsten Statuen enthält; die Schwierigkeit ist nur, sie ausfindig zu machen. Wir dürfen auch sagen, es gehe damit wie mit den Weissagungen Joachims^) oder den Orakelsprüchen der Alten, die man erst nach dem Ausgang der vorhergesagten Dinge versteht. Dieser lustige Einfall Galileis ist — ich weiß nicht, ob mit oder ohne Kenntnis vorliegender Stelle — von Swift in Vullivers Li-avels spaßhaft genug des Breiteren ausgeführt. 2) Das Fernrohr wurde zwar nicht von Galilei erfunden, wie häufig behauptet wird; er hat es jedoch wesentlich verbessert. Um so begreiflicher, daß er gegen die Bekanntschaft der Alten mit diesem Instrumente polemisiert, die denn in der That eine Fabel ist. Die Stelle bei Aristoteles, auf welche hier angespielt wird, findet sich vs auiinalium A6Qerg,ti0Q6. IIb. V. eax>. 1. 2) Der Cisterzienserabt Joachim (von Floris in Calabrien) lebte in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts; ihm wird jene antikirchliche Lehre von dem LvAuZsIiuin astsriinm zugeschrieben, die in Wahrheit von der extremen socialreformatorischen Partei des Franciscanerordens ausging. Seine vermeintlichen und wirklichen Schriften wurden späterhin als Ausflüsse hoher prophetischer Gabe betrachtet und mußten sich demgemäß die mannigfachsten Deutungen gefallen lassen. Auch bei Dante geschieht Joachims Erwähnung (?araä. XII, 140). Näheres über ihn bei Rsauu in der Revue äsux inouäss. 1866. Quillst — ^out pZ. 94 A