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Programm · 1891-01-01 · 1891 · p. Seite 7

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Programm
Volume
1891
Date
1891-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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weit mehr durch das Ansehen so großer Schriftsteller bewogen, und insbesondere — Ihr schüttelt den Kops, Signore Sngredo, und lächelt, als ob ich ganz etwas Ungeheuerliches sagte. Sagr- Ich lächle nur, aber glaubt mir, ich ersticke fast, um nicht laut vor Lachen herauszuplatzen; denn Ihr habt mich an eine prächtige Geschichte erinnert, bei welcher ich vor einigen Iahren Zeuge war, gleichzeitig mit einigen anderen befreundeten Edelleuten, deren Namen ich Euch noch nennen könnte. Salv. Es wird gut sein, wenn Ihr uns die Sache erzählt, sonst möchte Signore Simplieio vielleicht bei der Meinung beharren, er sei es, der Euch lachen gemacht. Sagr. Es sei. Ich befand mich eines Tages in; Hause eines in Venedig sehr angesehenen Arztes, wohin öfters Leute kamen, teils ihrer Studien wegen, teils ans Neugier, um eine Leichensektion von der Hand eines ebenso wahrhaft gelehrten, wie sorgfältigen und geschickten Anatomen aufführen zu sehen. Diesen Tag nun geschah es, daß man den Ursprung und den Ausgangspunkt der Nerven aussuchte, welches eine berühmte Streitsrage zwischen den Ärzten ans der Schule des Galen und den Peripatetikern ist. ^) Als nun der Anatom zeigte, wie der Hauptstamm der Nerveu, vom Gehirn allsgehend, den Nacken entlang zieht, sich am Rückemnarke ausbreitet und dnrch den ganzen Körper verzweigt, und wie nur ein ganz feiner Faden von Zwirnsdicke zum Herzen gelangt, wendete er sich an eineil Edelmann, der ihm als Peripatetiker bekannt war, uud um derentwillen er mit anßerordentlicher Sorgfalt alles bloßgelegt uud gezeigt hatte, mit der Frage, ob er nun zufrieden sei nnd sich überzeugt habe, daß die Nerven im Gehirn ihren Ursprung nehmen und nicht im Herzen. Woraus unser Philosoph, nachdem er ein Weilchen in Gedanken dagestanden, erwiderte: Ihr habt mir das alles so klar, so augenfällig gezeigt — stünde nicht der Tert des Aristoteles entgegen, der deutlich besagt, der Nervenursprnng liege im Herzen, man sähe sich zu dein Zugeständnis gezwungen, daß Ihr Recht habt. Simpl. Ich möchte die Herren doch darauf aufmerksam inachen, daß dieser Streit über den Ursprung der Nerven keineswegs so ausgemacht und entschieden ist, wie sich mancher vielleicht einbildet. Sagr. Er wird es auch zuverlässig niemals werden; denn eS wird nie an solchen Widersachern fehlen. Indessen benimmt das, was Ihr sagt, der Antwort des Peripatetikers nichts von ihrer Wunderlichkeit; denn er brachte gegen eine so augenscheinliche Erfahrung nicht etwa andere Erfahrungen oder Gründe ans dem Aristoteles vor, sondern nichts als seine Autorität, das bloße i^e äixit.^) Simpl. Aristoteles hat so großes Ansehen nnr durch seine schlagenden Beweise, seine tiessinnigen Untersuchungen erlangt. Nur muß man ihn verstehen, und nicht nur verstehen, sondern in seinen Schriften auch so bewandert sein, daß man eine vollkommene Übersicht über sie hat, daß einem jedes seiner Worte stets vor der Seele schwebt. Denn er hat nicht sür den großen Hänfen geschrieben nnd sich nicht den Zwang angethan, seine Schlüsse nach elementarer Weise geordnet an den Fingern herzuzählen. Er bedient sich vielmehr bisweilen einer verworrenen Reihellfolge uud bringt den Beweis einer Behauptung in einem Kapitel, das scheinbar von ganz etwas anderem handelt. Darum bedars es jeues großen Einblicks in das 2) Claudius Galen us, nächst Hippokrates der berühmteste Arzt des Altertums, lebte im zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Bei Galilei erscheint die Schule des Galen den Peripatetikern gegenüber als fortgeschritten und aufgeklärt. Im Allgemeinen aber galt in jener Zeit auf medicinischem Gebiete gerade die Bekämpfung der Autorität des Galen als Wahlspruch der neuen fruchtbaren Forschungen; so schon bei Paracetsus, so auch bei Vefal uud Fallopia. — Die Peripatetiker hielten namentlich zähe an der aristotelischen Lehre fest, das; die Nerven ihren Ursprung im Herzen nehmen und daß sie hohl seien, um den ,.8pii-itu5 nnim-ils-?" den Durchtritt zu gestatten. Aristoteles behandelt diesen Gegenstand vs ammaHum Zensiations tid. V oap. 2. Dort heißt es: „Die Nerven aller Sinnesorgane erstrecken sich nach dem Herzen hin." -) Ip86 äixit (er selbst hat es gesagt, A'^röc 2^.), das Schlagwort des Autoritätsglaubeus,

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