Programm
- Journal
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXXIII (sequence 32)
- Language
- German
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xxxm Lessing und Herder gelesen und war so, obgleich er die Prima des Karlsruher Lyceums nach anderthalbjährigem Besuch, ohne die Reifeprüfung gemacht zu haben verließ, dennoch geistig und sittlich gereift und mit einem starken Bildungstrieb ausgestattet, als er im Oktober die Universität Heidelberg bezog. Die philosophische Fakultät der Heidelberger Universität hatte für das im October 1832 beginnende Studienjahr folgende Preisaufgabe gestellt: „Es soll der Unterschied zwischen Sokratikern und Stoikern auseinander gesetzt und gezeigt werden, ob und in wie weit die Berichte der Sokratiker über die Stoiker glaubwürdig sind". Auerbach beschloß, obgleich er erst im ersten Semester stand, die Bearbeitung der Ausgabe zu unternehmen. Er hörte im ersten Jahre fast nur philosophische Kollegia und, wohl mit Rücksicht auf die lateinisch abzufassende Preisarbeit, auch eine Vorlesung über lateinischen Stil, verbunden mit praktischen Übungen. Tie Arbeit konnte er erst nach dem festgesetzten Termine abliefern. Der Preis wurde, obgleich die ungewöhnliche geistige Begabung des Verfassers anerkannt wurde, ihr nicht zuerteilt. Auerbach hatte aber bei der Arbeit viel gelernt, und ein Teil derselben wurde später von ihm umgearbeitet und als Doktordissertation eingereicht. In den folgenden Semestern hörte er bei dem Theologen Um breit: Einleitung in das alte Testament und Jesajas, bei Daub: Anthropologie und über Social- und Religionspflichten, den größten Eindruck von allen Heidelberger Universitätslehrern machte aber Friedrich Christoph Schlosser auf ihn, der durch die Darlegung des Zusammenhanges zwischen Litteratur und Politik ihm eine neue Betrachtungsweise eröffnete, durch seine sittliche Begeisterung und rücksichtslose Wahrheitsliebe ihn fortriß, der endlich durch seinen treuen schlichten Sinn und seine edle Persönlichkeit den nachhaltigsten Einfluß auf ihn ausübte. Auch Schlossers Liberalismus, der ihn zu einem Lobredner der von der ersten konstituierenden französischen Nationalversammlung ausgegangenen freien Verfassung machte, „der Frankreich die Gleichheit danke" mußte auf Auerbach einen großen Eindruck machen. Er hörte bei Schlosser: Geschichte der neueren Zeit seit 1863, Kultur und Literaturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts, Geschichte der drei letzten Jahrhunderte und trat auch in persönliche Beziehungen zu dem verehrten Lehrer. Bald kam er durch die Not in der er sich befand, dazu, seine Geschichtsstudien praktisch zu verwerten. Wir haben gesehen, wie er im Mai 1834 dem Rufe Berthold Auerbachs folgend nach Heidelberg zurückgekehrt war. Berthold Auerbach gab damals eine Geschichte Friedrichs des Großen heraus. Sie erschien bei Scheible in Stuttgart in Heften. Sie war in München begonnen und wurde in Heidelberg beendigt, Jakob mußte tüchtig mithelfen. So in eine litterarische Thätigkeit hineingezogen, faßte er, ohne Zweifel unter dem Eindruck der Schlosserschen Vorlesungen und von Berthold Auerbach aufgemuntert, den Plan eine Biographie Lessings zu schreiben. Es wurde im Februar 1835 mit Scheible ein Kontrakt abgeschlossen, die Biographie wurde begonnen, aber nie vollendet. Auch mit pädagogischen Studien beschäftigte sich Auerbach in Heidelberg unausgesetzt. Er hörte durch vier Semester in dem pädagogischen Seminar bei Schwarz über die Lehre vom Schulwesen, Geschichte und Statistik der Schulen, lieferte schriftliche Seminararbeiten, und wie denn die Nähe Berthold Auerbachs immer zu litterarischen Arbeiten anregte, so entstand damals in »er Form einer Recenswn zweier Schriften der jüdischen Schulmänner vr. Moses Büdinger und vr. Salomon Herr, heim er ein Aufsatz „über jüdisches Schulwesen".^) Mit jüdischer Theologie hatte sich Auerbach in Heidelberg verhältnismäßig wenig befaßt. Als er nun im Frühjahr 1835 die Stelle eines Religionslehrers und Vikars in Wiesbaden übecnehm, kehrte er ') Geigers Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie. Bd. I, 224—235, 403-414.