Programm
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXXIV (sequence 33)
- Language
- German
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XXXIV mit Eifer zu diesen Studien zurück. Es hatte damals, angeregt durch die bahnbrechenden Arbeiten von Leopold Zunz in Berlin und Rapoport in Lemberg, eine rege wissenschaftliche Thätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur begonnen. Um Geiger schaarte sich ein Kreis gelehrter Männer, unter denen Joseph Wernburg (jetzt in Paris Mitglied des Instituts), Flehinger aus Darmstadt, Frensdorfs (später Seminar-Direktor in Hannover) zu nennen sind. In diesen Kreis trat Jakob Auerbach. Damals tauchte der Gedanke der Gründung einer jüdischen theologischen Fakultät auf, damals fand auch in Höchst eine Zusammenkunft von jüdischen Theologen statt, die man als Vorläufer der späteren Rabbinerversammlungen ansehen kann. So wgr der Aufenthalt Auerbachs in Wiesbaden, wo er mit Abraham Geiger ein ihn sein ganzes Leben hindurch beglückendes Freundschaftsbündnis schloß, wesentlich eine Zeit der fortgesetzten Vorbereitungen für seinen Beruf.') Welche Ideale ihm vorschwebten, als er im Sommre 1836 von Wiesbaden wegging, erkennen wir aus einer Stelle seiner Lebensbeschreibung, die er aus Anlaß seiner Doktorpromotion im Juli 1836 der philosophischen Fakultät zu Tübingen überreichte. „Lediglich meine unbegrenzte Neigung zu den theologischen Studien" heißt es dort „hat mich die mannigfachen Hindernisse, welche meine bedrängten äußeren Verhältnisse von früh an meinen Studien entgegen stellten, überwinden lassen; sodann hat mich die Hoffnung aufrecht erhalten, es könnte mir dereinst gelingen, nach Maßgabe meiner Kräfte, bildend und fördernd auf meine Glaubensgenossen einzuwirken; vor allem aber ist es das mein tiefstes Innere bewegende Verlangen, es dahin zu bringen, in irgend einer Weise dazu beizutragen, die jüdische Theologie zu einer Wissenschast zu erheben." Es geschieht nicht selten, daß mit dem Eintritt in die praktische Lehrthätigkeit, die aus wissenschaftliche Arbeiten gerichteten Pläne zurücktreten und nach und nach, sobald die Lehrthätigkeit sich zu einer umfasseuden gestaltet, wenn auch zögernd, aufgegeben werden. Die Kraft erschöpft sich in dem Streben, den Forderungendes Tages zu genügen; darüber bleiben die Ideale der Jugend unerfüllt. Und doch ist es ein Gewinn, sie einmal gefaßt zu haben, sie zu bewahren und zu hegen, ob man sie auch uimmer, selbst nur annähernd, erfülle. Sie vertiefen das Dasein, nähren unablässig den Bildungstrieb, geben den Maßstab für die Unzulänglichkeit der eigenen Leistungen, nötigen zur unablässigen Arbeit an sich selbst. Nur der ideal gerichtete Lehrer ist vor Pedauterei und Verknöcherung bewahrt, nur er vermag der Jugend, der nach Höherem verlangenden Seele der Kinder und Jünglinge gerecht zu werden. In welcher Weise und bis zu welchem Grade es unserm Freunde vergönnt gewesen ist, die hohen Ziele, die er sich vorgesetzt, zu erreichen, mag die Betrachtung seines weiteren Lebensganges zeigen. ') Das Zusammenleben der Freunde in Wiesbaden schildert Auerbach anziehend in einem an Geiger am 19. November 1857 gerichteten Briefe. Abr. Geigers Nachgelassene Schriften, herausgegeben von Ludwig Geiger. Bd. V.. 68 ff. (Fortsetzung vorbehalten.)