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Programm · 1888-01-01 · 1888 · p. Seite XXXI

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Journal
Programm
Volume
1888
Date
1888-01-01
Page
Seite XXXI (sequence 30)
Language
German
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XXXI Freund dort zu treffen, der ihm „beratend, beurteilend zur Hand gehen sollte". Er lud ihn dringend ein, zu ihm zu kommen: „Ich kann Dir, ohne mich im mindesten einzuschränken, so viel geben, als Du brauchst; beweise mir nun, daß Du wahrhaft mein Freund bist, dadurch, daß Du die Gelegenheit nicht von Dir stößest, Dir meine Zuneigung zu zeigen. Wir werden, wills Gott, recht gut miteinander auskommen, nein! das Schicksal darf uns diesmal nicht trennen oder getrennt lassen. Du bist nun der Schöpfer deines und meines" So kehrte denn Jakob nach Heidelberg zurück, wo er bis zum Frühjahr 1835 seine Studien fortsetzte. Um diese Zeit sah er sich genöthigt, eine sich ihm darbietende Stelle als Religionslehrer und Vikar in Wiesbaden anzunehmen. Er hatte den größten Teil des Unterrichts in der dortigen Religionsschule zu übernehmen, und die Dotation war eine sehr geringe; aber sie reichte eben doch, wenn auch dürftig, für den Unterhalt aus; es befriedigte ihn, daß er öfter Gelegenheit hatte, sich im Predigen zu üben, und was ihm vor Allem wertvoll wurde, war, daß er in amtlichen und bald auch eng freundschaftlichen Verkehr mit dem jungen Rabbiner zu Wiesbaden Abraham Geiger trat^), der eben damals mit der Herausgabe seiner wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie in übersprudelnder Jugendkraft und Frische seine litterarische und reformatorische Thätigkeit begann. So blieb er in eifriger Lehrtätigkeit und überaus anregendem Verkehr mit Ab r. Geig er bis Ende Juni 1836 in Wiesbaden, dann erwarb er am 31. Juli 1836 auf Grund seiner Dissertation „über den Kampf und Gegensatz zwischen den Sokratikern und Sophisten" die philosophische Doctorwürde in Tübingen und ging nach Wien, um dort eine Hauslehrerstelle zu übernehmen. Um diese Zeit hatte sich die Persönlichkeit Auerbachs schon wesentlich so herausgebildet, wie sie in seinem späteren Leben und Wirken sich bethätigte; wir müssen einen Augenblick verweilen, um sie uns zu vergegenwärtigen. Jede Generation empfängt ihre Antriebe aus der Umgebung, in der sie empor kommt, und aus den die Zeit ihrer Jugend und ihres Werdens beherrschenden Ideen und Bestrebungen. In der jüdischen Lehrerfamilie zu Emmendingen, in seinem Elternhause, wurde Jakob Auerbach mit der Liebe zu seiner väterlichen Religion erfüllt, die für die Wahl seines Berufes entscheidend wurde, und die ihn durch sein ganzes Leben begleitete. Wie er dann in die Fremde hinaustrat, da fand er früh schon die Art, wie das Studium der jüdischen Theologie damals betrieben wurde, einseitig und mangelhaft, die Zustände in Schule und Synagoge den religiösen Bedürfnissen der heranwachsenden Jugend nicht entsprechend; längst schon hatte sich in vielen Kreisen ein Streben nach religiöser Reform geltend gemacht; auch er wurde davon ergriffen. Das Streben der deutschen Juden nach allgemeiner Bildung war in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts schon ein allgemeines. Wir haben gesehen, wie Auerbach mit seinen Genossen darauf ausging, die für den Eintritt in die Universitätsstudien erforderlichen Vorbedingungen zu erfüllen, wie ihm die klassischen Werke unserer deutschen Litteratur Gegenstand eifriger Lektüre und lebhafter Besprechung wurden: in dem Kreise dieser jungen jüdischen Studenten der Theologie, die sich für den Eintritt in das Lyceum vorbereiteten, wurden Lessing und Herder als Apostel der Humanität verehrt. Die bürgerliche Stellung der Juden in Deutschland war seit dem Jahre 1815 eine ungünstige geworden. Die Gleichberechtigung, welche ihnen durch die Proklamation der Menschenrechte und durch Beschluß der französischen konstituierenden Nationalversammlung vom 27. September 1791 in Frankreich und dann auch in den Rheinbundstaaten zuerkannt worden war, war ihnen nach den Freiheitskriegen, ob- Berthold Auerbach, Briefe an seinen Freund Jakob Auerbach I, 19. Man muß den ganzen Brief dort nachlesen. 2) Geb. 1810, gest. 1874.

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