Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXX (sequence 29)
- Language
- German
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XXX Urkunden des Menschengeschlechts", sondern auch verschiedene Aufsätze, die für uns eigentlich gar keinen Wert hatten, so namentlich auch „Persepolis", und in späteren Jahren, wenn Berthold Auerbach von jenen Zeiten sprach uöd daran erinnerte, wie sehr wir im Dunkeln herumtasteten, pflegte er zu sagen: „Persepolis haben wir damals gelesen!" — Herder war uns aber der begeisterte Seher, wie ihn Johannes v. Mü ller darstellt, und blieb uns durch unser ganzes Leben der große Apostel der Humanität. Als charakteristisch darf ich hier eines unbedeutenden, damals für uns sehr wichtigen Vorfalls erwähnen. Unser Lehrer hatte die Einrichtung getroffen, daß einzelne Schüler von Zeit zu Zeit homiletische Vorträge vor den Mitstudierenden hielten. Berthold Auerbach hatte einen solchen Vortrag übernommen. Es war an einem Wintertage nachmittags, als wir in Randeggers Zimmer saßen, und er uns seinen Aussatz vortragen wollte. Der Anfang lautete ungefähr wie folgt: „Wirf, o Erdensohn, den Anker Deiner Hoffnung nicht in den tiefen Erdenschlamm, sondern in das reine Himmelsblau." Er hatte diese vom Einstiche Jean Pauls zeugenden Worte kaum gesprochen, als ich ihn mit der Bemerkung unterbrach, daß ein Anker doch nicht in den Himmel geworfen werden könne. Damit Mr die Vorlesung beendigt, er sprang auf, riß die Ofenthüre auf und warf sein Manuskript ins Feuer. Auch dieses Vorfalles gedachte er in späteren Jahren gern. „Wirf, o Erdensohn", rief er mir zuweilen scherzend zu, wenn wir von vergangenen Tagen sprachen. Im Sommer 1828 begleitete Berthold Auerbach seinen Onkel nach Wildbad. Er kam von dort verändert zurück. Er war auf den Bergen herumgestiegen, hatte das Thal durchwandert, den rauschenden Wassern gelauscht und stundenlang einsam im Walde gelegen. Als wir ihn wieder sahen, war — ich möchte sagen — eine höhere Weihe über ihn gekommen. Er gab uns nur flüchtige Andeutungen, wie etwa ein Jüngling nur verschämt von dem Erwachen der ersten Liebe spricht; der Geist des vaterländischen Bodens hatte zu ihm geredet. Er brachte ein dickes Heft mit, in dem er die mächtigen Eindrücke schilderte, ließ mich aber nur einmal flüchtig hinein sehen; wenn ich nicht irre, enthielt es auch Stellen in gebundener Rede."') So blieben die jungen Leute in engem Verkehr. Bert hold sah zu seinem nur etwas mehr als ein Jahr älteren Vetter als zu dem kenntnisreicheren, geistig weiter vorgeschrittenen, besonnenen und gereifteren Genossen empor, Jakob aber beobachtete mit liebevollem Blick in dem werdenden Dichter die ersten Regungen des Genius. Im Frühling 1830 ging Berthold Auerbach nach Stuttgart. Von da an beginnt zwischen den beiden Freunden ein Briefwechsel, der bis einige Tage vor dem am 8. Februar 1882 erfolgten Tode Berthold Auerbachs mit immer steigender Innigkeit fortgesetzt wurde. Im Herbst 1830 trat Jakob Auerbach in die Unterprima des Lyceums zu Karlsruhe ein, das er nach 3 Semestern im März 1832 verließ, um in Heidelberg die Universitätsstudien zu beginnen. Seitdem er die Heimat verlassen, hatte der bescheidene, verschüchterte, aber mit einem starken Ehr- und Unabhängigkeitsgefühl begabte Jüngling - da die Armut der Eltern, selbst bei der größten Aufopferung ihm eine auch nur annähernd ausreichende Unterstützung nicht gewähren konnte — mit der bittersten Not zu kämpfen. Mangel an Mitteln scheint ihn gehindert zu haben, schon im Sommer 1832 die Universität zu beziehen. Erst im Herbst 1332 finden wir ihn in Heidelberg. Nach drei Semestern waren ihm die Mittel wieder ausgegangen, er konnte von Emmendingen nicht wieder zurück nach Heidelberg. Eben damals aber im Mai 1834 war Berthold Auerbach nach Heidelberg gekommen, in der Hoffnung den Aus diesen Aufzeichnungen hat Jakob Auerbach ewiges in Vorbemerkungen zu den von ihm herausgegebenen Briefen Berthold Auerbachs hinüber genommen. Siehe daselbst S. XV.