Programm
- Journal
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXIX (sequence 28)
- Language
- German
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XXIX Stadtrabbiner Traub fort. Nach zwei Jahren siedelte er nach Karlsruhe über, nahm hier an den von dem Rabbiner E. Willstaedter eingerichteten Lehrkursen für Rabbinatskandidaten teil und bereitete sich privatim für eine obere Klasse des Lyceums vor. In Karlsruhe traf Jakob mit seinem Vetter Bert hold Auerbach zusammen und schloß sich ihm bald in innigster Freundschaft an. Wir besitzen über die erste Zeit des Zusammenlebens der Freunde, die fortan für das ganze Leben innig verbunden blieben, eine Aufzeichnung Jakobs, aus welcher wir Folgendes mitteilen: „Berthold Auerbach kam 1827 von Hechingen nach Karlsruhe, wo sein Onkel Mayer Auerbach lebte. Seine früher wohlhabende Familie in Nordstetten war damals bereits verarmt, und er suchte eine Stütze in dem Hause seines wohlhabenden Onkels, mußte aber auch durch anderweitige Unterstützung und durch Erteilung von Privatstunden sich Mittel zu seiner Ausbildung verschassen. Ich hatte mich ebenfalls dem Studium der Theologie gewidmet, traf ihn im Herbst 1827 in Karlsruhe, wo wir, durch entfernte Verwandtschaft ewander genähert, in inniger Freundschaft verkehrten, bis er im Frühling 1830 sich nach Stuttgart begab. Er besaß gründliche Elementarbildung, die er seinem stets von ihm verehrten Lehrer Frankfurter verdankte, wußte sich vollkommen sprachrichtig auszudrücken und hatte auch schon manche Werke unserer klassischen Literatur gelesen. Von den württembergischen jüdischen Theologen wurde damals schon Gymnasialbildung gefordert. Berthold Auerbach bereitete sich zum Eintritt in das obere Gymnasium in Stuttgart vor nahm zu diesem Zwecke Privatunterricht und besuchte die unteren Klassen des Lyceums in Karlsruhe als Hospitant, was bei seiner kleinen Statur und seinem jugendlichen Aussehen nicht auffallend war, obgleich er bereits das sechszehnte Jahr überschritten hatte. Im Karlsruher Lyceum, das Männer wie Gerstner, Kärcher und Lang zu seinen Lehrern zählte, herrschte ein vortrefflicher Geist. Unser Lehrer im theologischen Fache war ein frommer, von Zelotismus völlig freier Mann, der auch eine allgemeine wissenschaftliche Bildung besaß und eine Universität besucht hatte. (Rabbiner E. Willstaedter.) Mehrere unserer Studiengenossen bildeten sich als Elementarlehrer aus und besuchten zu diesem Zwecke das Lehrerseminar, an welchem Stern und Griesbach in trefflicher Weise wirkten. Mächtig war zu jener Zeit der Natursinn Berthold Auerbachs. Er blieb, wenn wir uns zusammen im Freien befanden, zuweilen, wie von einem elektrischen Schlage berührt. Plötzlich stehen, faßte mit kräftigem Druck meinen Arm und machte mich auf die untergehende Sonne oder eine andere Naturerscheinung aufmerksam. An freien Tagen drang er gewöhnlich darauf, daß wir in den nahen Wald gingen. In inniger Freundschaft schlössen wir uns einem jungen Mann namens Randegg er aus Trieft an, der zur Fortsetzung seiner theologischen Studien nach Deutschtand gekommen war und die oberen Klassen des Lyceums besuchte. Wir faßten unseren künftigen Beruf im freien Sinne auf. Die Stellung des Judentums in der Gegenwart, seine künftige Gestaltung, sowie seine Aufgabe in bezug auf das Christentum, das wir achteten und ehrten, war der bestündige Gegenstand unserer Gespräche. Wir strebten nach Selbstbildung, um in dem künftigen Amte bildend und veredelnd wirken zu können, und machten es uns zur Pflicht, mit Ausrichtigkeit und Wahrheitsliebe uns gegenseitig auf Fehler aufmerksam zu machen. Wir lasen und besprachen eifrig Werke der klassischen Literatur, von denen Goethes „Wahrheit und Dichtung" uns zuerst einen leitenden Faden für die Geschichte derselben bot. Die Schriften Jean Pauls wurden mit Heißhunger verschlungen. Herders Werke lasen wir eisrig in der damals erschienenen Gesamtausgabe, die sich Randegger angeschafft hatte. Sein besonderes Interesse dafür kam daher, daß er mit dem Verfasser der Lebensgeschichte Herders, Legationsrat Ring, dem er Unterricht im Italienischen erteilte, in Beziehung gekommen war. Wir lasen nicht blos Schriften wie „die ersten