Programm
- Journal
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXVIII (sequence 27)
- Language
- German
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XXVIII vr. Jakob Auerbach. Von Direktor vi. Baer Wald. vi-. Jakob Auerbach stand im vier und dreißigsten Lebensjahre, als er im April 1843 an unsere Schule berufen wurde, und hat sechs und dreißig Jahre segensreich an derselben gewirkt. Von der Natur mit einem scharfen eindringenden Verstand und empfänglichen Sinn ausgestattet, von Jugend auf ernst gerichtet und eifrig den Studien ergeben, war er bei seinem Amtsantritt ein kenntnisreicher, mit pädagogischer Erfahrung ausgerüsteter Lehrer, ein durch theologische Gelehrsamkeit, philosophische Bildung und ideale Lebensauffassung hochstehender Mann. Er hat die Aufgabe des Lehrers und insbesondere des Religionslehrers von einem hohen Standpunkte aus erfaßt und mit voller Hingebung erfüllt. Die wahrhaft fruchtbare Arbeit des Lehrers ist nicht blos eine gebende, sondern auch eine empfangende. Unserm verehrten Heimgegangenen Genossen sind aus seiner Lehrtätigkeit an unserer Schule eine Reihe litterarischer Arbeiten erwachsen, von denen vornehmlich „Die kleine Schul- und Hausbibel" bleibenden Werth behalten wird. Dieses Buch ist in vielen Schul- und Familienkreisen heimisch geworden; es wird in vielen israelitischen Schulen und insbesondere in unserer Schule dem Religionsunterricht zu Grunde gelegt. Wir befolgen überdies im Wesentlichen bei dem Religionsunterricht in unserer Schule den von Jakob Auerbach aufgestellten Lehrplan. So ist unsere Schule ihm seit lange und noch fortdauernd verbunden und dankbar verpflichtet, und es erscheint wie ein Gebot der Pietät, uns an dieser Stelle seinen Lebensgang zu vergegenwärtigen und sein Andenken festzuhalten. I. Bis zum Eintritt in das Lehramt. Jakob Auerbach wurde am 24. November 1810 zu Emmendingen bei Freiburg in Baden geboren. Sein Vater Marum Auerbach war Lehrer in der israelitischen Gemeinde zu Emmendingen; er wird uns als ein Mann geschildert, der „durch seine reine Frömmigkeit und Gottergebenheit, durch seinen tadellosen, unbescholtenen Lebenswandel und besonders durch seine unbestechliche Redlichkeit" in der allgemeinsten Achtung stand. Auf die Erziehung seiner Kinder verwandte er von früh an große Sorgfalt und Mühe; seinen ältesten Sohn Emanuel bestimmte er dem Lehrerberufe, sein jüngster Sohn Jakob sollte Rabbiner werden. Bis zu seinem 12. Lebensjahre wurde Jakob ausschließlich von seinem Vater unterrichtet, dann wurde er mit seinem älteren Bruder dem „Pädagogium", der lateinischen Schule des Ortes übergeben. Hier machte er rasch gute Fortschritte; nachdem er ein Jahr die Schule besucht hatte, schrieb ihm der Vorsteher des Pädogogiums, Diakonus Krümmel, ins Zeugnis: „er hat sich durch tadelloses Betragen, durch ausgezeichneten Fleiß, mit vorzüglichen Anlagen verbunden, und durch große Fortschritte, welche er itt so kurzer Zeit machte, besonderes Lob und die volle Zufriedenheit seiner Lehrer erworben." Ungern und mit großem Bedauern sah daher der Vorsteher des Pädagogiums den so hoffnungsvollen Schüler schon nach Jahresfrist aus der Anstalt scheiden; aber er war 13 Jahre alt, er hatte somit das Alter erreicht, mit welchem nach jüdischer Anschauung die Selbstverantwortlichkeit für die Ausübung der religiösen Gebote beginnt, und sein Vater hielt es an der Zeit, ihn, in direkter Vorbereitung für seinen künftigen Beruf, zunächst ausschließlich mit dem Studium der Quellen der jüdischen Theologie zu beschäftigen. So blieben denn die nächsten zwei Jahre — vermutlich in Jhringen bei Alt-Breisach — mit der vollsten Hingebung einzig und allein dem Talmudstudium gewidmet. Zu seiner weiteren Ausbildung ging er im Herbst 1825 nach Mannheim, wo er Verwandte hatte. Hier setzte er mit seinem altern Bruder seine Talmudstudien bei dem