Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXVII (sequence 26)
- Language
- German
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XXVII wie binde, band, gebunden — spinne, spnnn, gesponnen und gelte, galt, gegolten u. s. w. (man vgl. die Einteilung der Ablautsreihen in den Grammatiken), eigentlich zu einer und derselben Masse gehören? Das setzt schon ein viel reiferes Verständnis uud Kenntnis der Ausdrücke Brechung. Schwächung voraus, wie man sie aber auch nicht in Quarta, sondern Wohl kaum vor Ober-Tertia vermitteln raun. Eiue sehr einfache und gefällige Einteilung der ablauteuden Verben giebt Wilma uns im Programm des Gymnasiums zum grauen Kloster in Berlin 1870 S. 25: „1) solche, bei denen die erste Stammform einen ganz anderen Vokal hat, als die dritte; 2) solche, bei denen die erste Stammform den Vokal der dritten hat, oder den Umlaut derselben". Aber notwendig für den Unterricht ist auch diese nicht. Man begnüge sich also damit, an einer Anzahl von Verben, wie sie der Schüler gerade nennt, oder wie sie beim Lesen sich finden, die Ablautsreihen feststellen zu lassen. Es empfiehlt sich dabei, das erste jeder neuen Ablautsreihe, das vorkommt, an die Wandtafel zu schreiben und bei jedem folgenden derselben Reihe ans dieses verweisen zu lassen. Hat man z. B. für die Ablautsreihe i, a, u binden gemerkt, so wird bei singen, trinken, schwingen u. a. bemerkt: „gehen wie binden". Dies möchte ich zur Erleichterung der EinPrägung folgender Regeln befürworten: 1) Sämtliche starke Verben, deren Stamm a, au und g hat, haben im Präsens 2. und 3. Person Singular den Umlaut n, a'u, s. Die schwachen Verben haben ihn nie. Beispiele: du wäschst, er wäscht — dn fassest, er faßt; du läufst, er läuft — du kaufst, er kauft; du stößt, er stößt — du holst, er holt. — Merke: du kommst, er kommt neben du kömmst, er kömmt. 2) Diejenigen Verben, die dieselbe Ablautsreihe zeigen, wie die drei folgenden: gebe, gab, gegeben, v) helfe, half, geholfen, c) flechte, flocht, geflochten verwandeln im Präsens 2. und 3. Person Singular, sowie im Imperativ 2. Person Singular den Stammvokal e in i. Beispiel: du flichtst, er flicht, flicht. — Ausnahmen dazu (pflegen, melken, weben u. s. w.)^) bei gelegentlichem Vorkommen. Was die Synkope des e in den Präsens-Endungen est und et anlangt, so verweise ich aus die guten, auch iu ihrer Form gleich für den Unterricht berechneten Ausführungen Wilma uns' in dem oben genannten Programm S. 25, § 4 uud 5. Doch langweile man die Schüler uicht zu sehr damit, mau beschränke sich auf das Wesentlichste: viel Regelwerk ist hier nicht erforderlich, durch fleißige Übung wird das im Schüler schlummernde Gefühl für das Richtige schon geweckt und gestärkt werden. Neben starker und schwacher Konjugation wird man eine unregelmäßige oder gemischte aufstellen, zu der gehören: brennen, bringen, denken, kennen, nennen, rennen, senden, wenden; thun, dünken, sowie: dürfen, können, müssen, mögen, wissen, wollen (Schulz, § 65). die sehr sorgfältig zu üben sind. Das ist es, was nach meiner Ansicht schon in der Sexta über die Konjugation mitzuteilen wäre. Welch reiche Fülle von Ergänzungen und Erweiterungen demnach noch den beiden folgenden Klassen verbleibt, mag man aus Wilmanns II, § 10t und gar erst aus Andre sen, Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit S. 45^ ff. ersehen. Erwünscht wäre es, wenn die vielen dort gegebenen Einzelheiten dem Schüler durch Beigabe einer alphabetisch geordneten Tabelle der starken und unregelmäßigen Verben — enthaltend den Infinitiv, das Präsens Indikativ 2. und 3. Person Singular, den Imperativ, das Imperfekt Indikativ 1. Pers. Sing., Imperfekt Konjunktiv 1. Person Sing, und das Particiv des Perfekts — übersichtlicher gemacht würden^). Eine solche Tabelle sollte in keiner für die Hand der Schüler bestimmten Grammatik fehlen, und die Schüler sollten schon von unten herauf dazu angehalten werden, sich in zweifelhaften Fallen aus ihr Rat zu holen. Das macht ihnen Vergnügens und ist ein gutes Mittel, sie daran zu gewöhnen, nicht die erste beste Form, die ihnen gerade in den Kopf kommt, niederzuschreiben. Siehe Wilmanns, Gramm. II. § 103,,. 2) Eine solche Tabelle giebt z. B. Schulz in seiner Gramm. § 69. ^) Die Benutzung des „erklärenden Wörterverzeichnisses" im Anhange der Hopf u. Paulsieckscheu Lesebücher währeud des Uuterrichts uud bei häuslicher Vorbereitung hat mir wiederholt bewiesen, welch großen Gennß die Schüler davon haben, ein Mittel zu kenueu, ihre Kenntnisse zu erweitern uud sich in zweifelhaften Fällen helfen zu können, ohne Lehrer oder Eltern geradezu fragen zu müssen.