Programm
- Journal
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXVI (sequence 25)
- Language
- German
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XXVI bekannt machen. Auch von der praktischen Seite empfiehlt sich das, denn hat man den Schüler nach und nach daran gewöhnt, Verben nach den verschiedenen Ablautsreihen zu betrachten und zu ordnen, so ist das entschieden ein recht gutes und bequemes Mittel, dem Herumraten nach der Jmperfektform mancher Verben, wie es oft genug vorkommt, durch einfaches Verweisen auf ein Verb derselben Ablautsreihe zu steuern. So wird man dabei wohl auch am wenigsten Zeit verlieren, und der Sextaner wird seine Freude an dem Neuen, das er lernt, haben, denn das Konjugieren an sich ist ihm aus der Vorschule her ja schon geläufig. Ich wenigstens erachte diesen Teil des grammatischen Wissens in Sexta für wesentlich notwendiger und ersprießlicher, als z. B. die Kenntnis aller Arten des Attributs oder der adverbialen Bestimmung. — Endlich darf man doch auch billigerweise verlangen, daß schon der Sextaner den Grund zu hören bekommt und nachher selbst angeben kann, warum denn diese oder jene vom Lehrer als fehlerhaft bezeichnete Form, die ihm beim Konjugieren untergelaufen ist, und immer wieder unterläuft, falsch ist. Dazu ist aber nötig, daß er gewisse in der Konjugation starker Verben herrschende Gesetze durch vielfache Übung kennen lernt und als solche bezeichnen kann. Von selbst versteht sich, daß man nur einfache Beispiele heranzieht; also wird man den Sextaner nicht mit den schwierigen Jmperfektformen von dreschen, schwören, schwären u. s. w. quälen; ebensowenig mag man ihm zumuten, die drei Verben: bitten, beten uud bieten, oder wiegen, wiegte und wiegen, wog; schleifen, schleifte und schliff nebeneinander konjugieren zu können. So etwas verbleibt der Quinta und Quarta. Aber der Sextaner muß doch schon den Grund wissen, warum man sagt: ich kaufe, du kaufst, er kauft, aber ich laufe, du laufst, er läuft; warum man von fallen — es füllt, aber von hallen — es hallt bildet; warum von hangen und von hängen nur du hängst, er hängt, aber überhaupt nicht du hängst, und von fragen nur du fragst und nicht du frägst, von jagen nie du jägst gebildet wird. Daun wird er auch einsehen, warum das gute Frankfurter „du bräuchst, ich brauchte" falsch ist, — oder darf er den Grund von allen diesen auf einem und demselben Gesetze (vgl. unten S. XXVII) beruhenden Erscheinungen erst in Quarta erfahren? Soll man ihm immer wieder mit dem Unbestimmten: „Das ist nicht richtig" kommen, anstatt der Wiederholung eines solchen Fehlers durch Verweisung auf das betr. „Gesetz" mit mehr Erfolg vorzubeugen? — Auch Imperativ-Bildungen wie seh mal, g eb mir das u. dgl. sind nicht gelegentlich zu berichtigen, sondern im Zusammenhang mit den gleichartigen nimm, brich, sprich u. s. w. zu üben und das bei ihrer Bildung obwaltende Gesetz hervorzuheben. Daß aber alles dieses schon in Sexta durchgenommen werden kann und auch in Quarta um nichts „wissenschaftlicher" gehalten sein könnte als in Sexta, wird aus folgendem hervorgehen, wo ich noch einiges über die Behandlung im Einzelnen zu sagen habe: Zunächst sind dem Schüler die drei Stammformen des deutschen Verbums (Präs. und Imperfekt 1. Pers. Sing., und Part, des Perfekt) zu nennen, die er von einer großen Anzahl von Verben anzugeben hat. An der Wandtafel werden diese dann so gruppiert, daß auf der einen Seite diejenigen stehen, die im Imperfekt die Endung ete (te) und im Part. Perf. et (t) haben, auf der anderen diejenigen, die im Imperfekt 1. Pers. Sing, ohne Endung bleiben und im Part. Perf. auf — en endigen. Erstere heißen schwache, letztere starke. Durch eine genauere Betrachtung der Verben der letzteren Gruppe finden dann die Schüler, daß im Jmperf. und oft nochmals im Part. Perf. Vokalwechsel eintritt, — Ablaut. Die ihnen aus dem Orthographie-Unterrichte schon unter dem Namen Umlaut bekannte Änderung von Vokalen ist dem gegenüberzustellen, um die Andersartigkeit des in der Konjugation obwaltenden Vorgangs recht anschaulich zu machen. — Von nun an geben die Schüler von jedem Verb an, ob es zur schwachen oder starken Konj. gehört; bei starken Verben außerdem die 3 Stammformen (Imperativ hinzufügen lassen!) und die Ablautsreihe. Es genügt, daß die Schüler überhaupt nur das Wesen des Ablauts erfassen und richtig verstehen; man sehe also durchaus nicht darauf, möglichst bald Beispiele für alle Ablautsreihen zn geben, oder diese gar in die üblichen Klassen zu briugen. Denn wie wollte man nur dem Sextaner begreiflich machen, daß Verben,