Programm
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- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXV (sequence 24)
- Language
- German
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XXV falsch sei, daß vielmehr der Konj. des Imperfekts einzutreten habe. Dabei wird man das Notdürftigste zum Verständnis des Ausdrucks „indirekte Rede" aus den Schülern, die in Quinta vorher schon mit dem Wesen der „direkten Rede" bekannt gemacht sind, herauszulocken suchen, und die Bildung dieses Konj. des Imperfekts entwickeln lassen erst an Verben der starken Konjugation, da hier eine besondere Form, wenn möglich mit U m l a u t, vorhanden ist, dann erst an schwachen Verben. — Bei der Willkür, mit der im Deutschen statt des Konjunkt. Jmperf. auch der des Präsens verwandt wird, kann man dann zu letzterem leicht übergehen, indem man den Satz: „er sagte, er sähe nichts" in: „er sagte, er sehe nichts" verwandeln läßt und zuuächst ebenfalls solche Konjunktive des Präsens heranzieht, deren Form, wenigstens in der zweiten und dritten Person Sing., sich deutlich von dem Jndicativ unterscheidet (flechten, helfen, sehen, nehmen u. s. w.). — Daß das sogen. Konditionalis hier in Frankfurt eine ganz besondere Berücksichtigung erheischt, geht schon aus dem oben über thüte und die Vorliebe es durch würde zu ersetzen, Bemerkten hervor. Noch in Tertia finden sich Schüler, die in Aufsätzen würde anwenden, wo der eigentliche Konjunktiv des Imperfekts einzig richtig ist. Es ist daher schon früh einzuprägen und gelegentlich recht oft zu wiederholen, daß das Konditionalis nur erlaubt ist: a) im Nachsatze von hypothetischen Satzgefügen, d) wenn ein futurischer Begriff ausgedrückt werden soll. Dieses ist schon dem Quintaner, so elementar es eben gehen mag, klar zu machen^). ä) Starke und schwache Konjugation. Für ganz unerläßlich erachte ich es, schon den Sextaner mit den Ausdrücken starke und schwache Konjugation und ihren unterscheidenden Merkmalen bekannt zu machen. Die Verben der starken Konjugation spielen eine gar zu bedeutende Rolle in der Sprache, als daß ich verstehen könnte, wie die Durchnahme derselben der Quarta vorbehalten bleiben soll, wie das an sehr vielen Lehranstalten nach Maßgabe der Lehrpläne und Programme geschieht. (Düsseldorf, Realgymn. 1882; Schalke, Realgymn. 1883; Cassel, Gymn. 1887 u. a.). Offenbar kann das nur bedeuten sollen, daß in Sexta und Quinta allerdings Verben der starken Konjugation, wie sie gerade vorkommen, oder wie der Lehrer sie für geeignet hält, konjugiert werden sollen, daß aber eine Betrachtung der oder einiger in ihr waltenden Gesetze hier noch auszuschließen sei. Ein Grund dafür ist mir ganz unersichtlich. Denn die Ablautsreihen auswendig lernen lassen wird mau doch auf keiner Stufe; und eine Einteilung der ablautenden Verben nach Klassen vorzunehmen ist ja für den Sextaner und Quintaner nicht nötig, kann aber ebensowenig, wenn man auf Verständnis sieht, in Quarta vorgenommen werden. Warum soll man aber nicht schon von dem Sextaner verlangen, daß er weiß, was Ablaut ist, und daß er den Vokalwechsel z. B. in binde, band, gebunden angeben und etwa noch eine Reihe von Verben nennen kann, die denselben Vokalwechsel aufweisen? Das macht doch keinerlei Schwierigkeiten. Oder sollte es wirklich schwerer sein, als z. B. die Verwandlung einer aktivischen Konstruktion in eine passivische, oder als die Bestimmung von Klasse, Person, Zahl und Fall bei einem Pronomen wie ihrer, ihr u. s. w.? Und doch werden überall diese scharfes Nachdenken erfordernden Übungen schon für Serta — und mit Recht — verlangt. Im Vergleich zu ihneu ist es doch ein Leichtes, in 3 Verbalformen die betreffenden Vokale anzugeben, — eine rein mechanische Thätigkeit. Daher sollte man aber die Schüler auch so früh wie möglich mit den Eigentümlichkeiten der starken Verben und der ihnen innewohnenden Schaffenskraft ') Auf einer späteren Stufe wird man den Schülern zu sagen haben, daß dies thäte doch nicht so ganz willkürlich, sondern aus alter Zeit ererbt ist, da die Endungen — te, — test u. s. w. unserer schwachen Jmperfekte nichts weiter sind als Formen des alten Verbums thun. Vgl. ahd. ich 16r-ta — ich lehren-that, du I^r-tos — du lehren-thatest; daraus mhd: lör-tv. Noch heute dichterisch: „thätst du zur rechten Zeit dich regen", u. s. w. und bei Nhl and öfter.