Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite XXI (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3089693-3089740--0052-3090952- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXI Daß man auch bei Annahme dieser Einteilung in jedem Falle sich die Wortart nennen lassen kann, durch die das Attribut ausgedrückt ist, versteht sich von selbst. Von allem diesem gehört nach Sexta nur das Einfachste und Verständlichste von 1 und allenfalls einiges von 2 und 4; das Attribut in allen seinen Erscheinungen im Zusammenhang durchzunehmen, bleibt der Quinta vorbehalten. — In Sexta wird also beim Analysieren von Sätzen der Artikel noch nicht von seinem Substantiv losgelöst und als Attribut bezeichnet. Vielmehr möchte ich hier der Einfachheit halber, und um mit dem, was in Quinta gelehrt wird, nicht in Widerspruch zu kommen, folgenden Vorschlag machen: Der Schüler, der den Satz: „alle fleißigen Kinder werden gelobt" zergliedern soll, neigt sich von vornherein dahin, auf die Frage: wer oder was wird gelobt? zu antworten: „alle fleißigen Kinder" und dies als Subjekt zu bezeichnen; ebenso ist ihm am geläufigsten in dem Satze: „die Hefte der Kinder sollen rein sein" als Subjekt anzugeben: die Hefte der Kinder; in dem Satze: „man achtet den trägen Schüler nicht" als Objekt: den trägen Schüler. Dem mag man nicht entgegentreten; die Kinder mögen auch auf den späteren Stufen so antworten: man kann den so mit seinen Bestimmungen angegebenen Satzteil ja volles Subjekt bezw. volles Objekt nennen. Sobald nun der Begriff Attribut in seinem engeren Sinne dem Sextaner klar ist, wird man das Attribut natürlich auch beim Analysieren bezeichnen müssen. Hierbei vermeide man aber z. B. das volle Subjekt in seine einzelnen Bestandteile zergliedern zu lassen; also nicht etwa: die fleißigen Schüler — die Schüler Subjekt, fleißigen Attribut — wodurch man mit dem später in Quinta zu Lehrenden, daß nämlich auch die Attribut ist, in Widerspruch käme, — sondern lasse einfach hinzusetzen: fleißigen ist ein Attribut zu dem Substantiv Schüler. Bei diesem Verfahren wird man im Fortgänge des Unterrichts allmählich alle zu einem Substantiv gesetzten Attribute herausheben lassen können. Das grammatische Erkennen des Schülers wird also nur erweitert, von früher Geübtem aber nichts umgestoßen. III. Zur Formenlehre. I. Wortarten. Der Artikel ist auf der unteren Stufe als besondere Wortart zu betrachten, so unbestreitbar es auch ist, daß er nach historischer Auffassung nichts als ein unbetontes Pronomen, bezw. ein unbestimmtes Zahlwort ist. Eine solche historische Auffassung ist aber für den Unterricht in unteren Klassen ganz unverwertbar. Denn es ist schwer zu sagen, wie man dem Schüler, dem sehr wohl der Begriff Pronomen (Fürwort) klar gemacht werden kann (durch Einsetzen eines Pronomens für ein Substantiv in zahlreichen Übungsbeispielen), begreiflich machen will, daß auch der Artikel, wie er heute verwendet wird, ein Fürwort sei. Dazu könnte er zwar auch abgerichtet werden; aber er würde dann dieselbe Gedankenlosigkeit zeigen, wie wenn er z. B. das Passiv einfach als Leideform bezeichnet (vgl. unten). Die Forderung Lohmeyers (kleine deutsche Satzlehre), die lateinischen Namen für die Wortklassen zwar ganz genau zu lehren, aber im Unterrichte sür gewöhnlich die deutschen Benennungen anwenden zu lassen, „nicht nur um auch in diesem Punkte unser Deutschtum hochzuhalten, sondern ebensosehr aus Gründen der unterrichtlichen Zweckmäßigkeit", muß als verfehlt bezeichnet werdend. Durch deutsche Bezeichnungen geschieht für die Erleichterung des Verständnisses durchaus gar nichts; Schüler höherer Lehranstalten, die doch die Fremdausdrücke lernen m ü s s e n, werden im Gegenteil durch gleichzeitiges Erlernen i) Der Kürze halber verweise ich dafür aus GeLbeS Aufsatz „die Fachausdrücke in der deutschen Grammatik" in der Zeitschr. für den deutschen Unterr. I, S. 103 ff. u. 480 ff.